Sonntag, 11. Januar 2015

Wir bauen unser Glaubenshaus




Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.
Johannes 6, 68+69


Der heutige Lehrtext in den Losungen passt wunderbarerweise genau zu dem Thema, das mich gerade beschäftigt und über das ich vorhatte, zu schreiben. Es ist nämlich der Vers, den wir zu Noemis Segnung für sie ausgesucht haben – weil wir ihr das für ihr Leben wünschen: Dass sie eines Tages zu all den vielen Möglichkeiten, Ablenkungen und Verlockungen der Welt sagen wird: „Ihr habt mir nichts zu geben. Ich will dem folgen, der Worte des ewigen Lebens hat. Wohin sonst sollte ich schon gehen? Ich will zu dem gehören, den ich liebe und der mich liebt: Jesus Christus.“

Je älter Noemi wird, je besser sie verstehen und sich ausdrücken kann, desto mehr wird für uns als Eltern die Frage groß, wie wir unser Kind im Glauben erziehen wollen (sollen, können, dürfen, müssen?). Was geben wir ihr mit auf ihren Glaubensweg, wie prägen wir sie – im Guten, wie im Schlechten? Was können wir tun, damit sie Jesus kennen- und lieben lernt? Klar ist, dass wir sie nicht nicht prägen können. Auch, wenn wir uns weiter keine Gedanken machen und einfach vor uns hinwurschteln, wird sie das auf die eine oder andere Weise beeinflussen.
Wir haben beide unsere Glaubensprägungen von zu Hause mitbekommen, und recht unterschiedliche: Falko stammt aus einem landeskirchlich verwurzelten Elternhaus, aus einer Gegend, in der es weder Kindergottesdienste noch „Jungschar“, Jugendkreis oder Hauskreise gibt. Und ich bin eine „Predigerstochter“ mit pietistischem Hintergrund, die die ganze christliche Karriere von Kinderstunde und Sonntagsschule (wie es bei uns hieß) über Jungschar, Teenkreis und Jugendkreis durchlaufen sowie unterschiedliche Gemeinden kennengelernt hat. In Falkos Familie kennt man die Bibel hauptsächlich durch die sonntäglichen Predigten, während in meiner Familie die persönliche Lektüre eine große Rolle spielt. Das gilt auch für das Gebet. Falko hatte viele Freiheiten, bei uns zu Hause waren Fasching, Bibi Blocksberg, Make-up und Tanzkurs verboten. Für Falkos Eltern ist das Ehrenamt in der Kirche durchaus wesentlicher Bestandteil ihres Lebens, für meine Eltern stand und steht der Dienst an allererster Stelle, zu jeder Zeit.
In der SMD schließlich und dann auch in unserer Gemeinde begannen unsere Glaubensfäden ihren gemeinsamen Lauf; dort wurde unser erwachsener Glaube stark geprägt und darauf hatten unsere Eltern kaum noch Einfluss. So wird es bei unseren Kindern auch einmal sein: Wir legen ein Fundament für ihr Glaubenshaus. Und das ist auch wichtig. Wie sie dann aber weiterbauen, und ob sie das überhaupt tun möchten, liegt kaum in unserem Einflussbereich.

Wie aber nun können wir Noemi zu einem freudigen, selbstständigen und tragfähigen Fundament für ihren Glauben verhelfen? Wie findet man einen guten Weg zwischen Bevormundung (oder gar Manipulation) und Vernachlässigung?
Wenn ich von dem ausgehe, wie meine Eltern meine Geschwister und mich im Glauben erzogen haben, kristallisieren sich für mich ein paar Aspekte heraus, die eine Antwort auf unsere Frage sein könnten:

Die Beziehung zu Jesus vorleben
Meine Eltern lieben Jesus von ganzem Herzen, und die Beziehung zu ihm ist die Grundlage ihres Lebens. Das kann ich so sagen, weil meine Eltern uns das vorleben, im Großen wie im Kleinen. Darin sind meine Eltern ganz echt. Sie verstecken sich niemals für ihren Glauben und treten für ihre Überzeugungen auch in der Öffentlichkeit ein. Sie bemühen sich, entsprechend ihrer Überzeugungen zu handeln: Sie sind für Menschen in Not da, pflegen Gastfreundschaft, spenden großzügig, sie lesen jeden Tag in der Bibel, beten für andere, sie entschuldigen sich, suchen Gemeinschaft mit anderen Christen, und sie haben bereits mehrmals alles hinter sich gelassen, um an einem neuen Ort, den Gott für sie bestimmt hatte, neu anzufangen. Da ist ganz viel Gottvertrauen und eine große Ernsthaftigkeit in ihrem Leben, und besonders bei meinem Vater spüre ich auch die Sehnsucht danach, Gott zu gefallen und immer mehr so zu werden, wie Er es sich vorstellt. All die Dinge, die meine Eltern tun und die ihr Handeln als „christlich“ erscheinen lassen, entspringen ihrer Liebe zu Jesus und ihrer Beziehung zu ihm.
Das ist die Herausforderung für uns als Eltern: Unsere Beziehung zu Jesus selbst zu pflegen, in der Liebe zu ihm zu wachsen und ihm nachzufolgen, auch in den ganz kleinen Dingen. Mich berührt immer wieder neu, wie Gottes Segen sich nicht allein auf Abraham auswirkte, sondern wie er sich ausspannte auch über Lot und über Abrahams zahlreiche Nachkommen. Auch mein Opa betonte immer wieder die Bedeutung der „Segenslinie“, aus der wir stammen. Es macht mich froh, und es erleichtert mich auch, dass Noemi durch Falkos und meine Beziehung zu Jesus bereits in einer Beziehung mit ihm steht, dass sie ein Teil der Segenslinie meiner Familie ist.


Gutes aus der eigenen Erziehung bewahren
Dazu gehören für mich in der Erfahrung mit meiner eigenen Herkunftsfamilie die Punkte Bibel lesen, persönliches Gebet, Gemeindezugehörigkeit, Gastfreundschaft, Vergebung und offene Kommunikation.
Jeden Morgen lesen meine Eltern gemeinsam in der Bibel. Das ist schon immer so gewesen. Und ich bewundere sie da für ihre Disziplin und auch für ihren Alltag, der ihnen diese Routine so ermöglicht. Für Falko und mich ist das regelmäßige Lesen in der Bibel eine große Herausforderung, und es ist uns beiden noch nicht gelungen, da eine praktikable Form zu finden. Aber ich weiß, dass ich darin unseren Kindern ein Vorbild sein möchte. Ich möchte, dass ihnen die Bibel lieb wird, dass sie früh damit in Berührung kommen, dass sie ein ähnliches Bibelwissen erwerben, wie ich es noch aus meiner Kindheit habe. Und da muss ich bei mir selbst anfangen: Dass mir die Bibel wieder neu lieb wird, dass sie Bestandteil meines Alltags und unseres Familienalltags wird – dass wir Wege finden, gemeinsam darin zu lesen.
Das persönliche Gebet – das hat uns als Familie gemeinsam stark gemacht. Egal, wie klein das Anliegen auch war, wir konnten es schon früh vor Jesus bringen und erleben, wie er in unser Leben eingriff. Das wünsche ich mir für unsere Kinder: Dass sie vertrauensvoll mit allem zu Gott kommen und ihn auch durch das Gebet als liebenden Vater erleben.
Die Gemeindezugehörigkeit war für uns als Predigerskinder immer ein bisschen schwierig. Wir gehörten nie so richtig dazu, was nicht nur an den Ortswechseln lag. Doch obwohl wir auch die negativen Seiten des Gemeindelebens sehr bald kennenlernten, ist uns allen wichtig, eine Gemeinde zu besuchen und dort auch mitzuarbeiten. Ich freue mich für Noemi, dass sie in unsere Gemeinde hineinwachsen darf, dass sie dort schon fest dazugehört und herzlich geliebt wird.
Gäste hatten wir oft. Zum Mittagessen nach dem Gottesdienst lud meine Mutter immer wieder Einzelpersonen oder ganze Familien ein. Während unserer Zeit in Hessen kam es häufiger vor, dass wir aus der Schule nach Hause kamen und ein Landstreicher bei uns am Tisch saß. Auch Missionare hatten wir oft zu Besuch – das liebten wir besonders, denn die brachten interessante Geschichten und Gegenstände mit. Für Falko und mich hat Gastfreundschaft schon von Anfang an eine Rolle gespielt und wir bemühen uns darum, eine offene Wohnung für andere zu haben. In dieser Hinsicht möchten wir gern in die Fußstapfen meiner Eltern treten.
Vergebung: Dazu gehört wohl auch, dass meine Eltern uns schon früh beibrachten, was Fehlverhalten ist. Ich erinnere mich, dass ich als kleines Mädchen oft nicht gut einschlafen konnte, weil sich mein schlechtes Gewissen regte. Erst, wenn ich noch einmal aufstand, zu meinen Eltern ging und mich entschuldigte, fühlte ich mich besser und konnte schlafen. Das Sich-Entschuldigen hat in meiner Familie Tradition, und das schätze ich sehr. Manchmal geht es heiß her bei uns, aber wir alle sind in der Lage, um Vergebung zu bitten und diese auch auszusprechen. Dies zu lernen und zu kultivieren, ist für mich auch ein Erziehungsziel.
Ebenso die offene Kommunikation: Ich wünsche mir, dass unsere Kinder sich trauen, immer ganz ehrlich und offen zu sein. Dass wir uns auch mal streiten und die Dinge ausdiskutieren, um uns anschließend wieder zu versöhnen. Dass Noemi uns auch von Problemen und Schwierigkeiten berichtet oder davon, wie sie sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Dass wir als Eltern unseren Kindern wirklich zuhören, sie trösten und ihnen weise raten.
Aus Falkos Herkunftsfamilie kann ich die Punkte Geduld und Vertrauen in die Kinder ergänzen. Bei seinen Eltern geht alles viel langsamer und gemächlicher zu als in meiner Familie. Das nervt mich oft, aber eigentlich möchte ich es schätzen lernen: Zeit zu haben, sich auch mal Zeit zu lassen, Kinder nicht zu gängeln oder zu drängeln.
Und Falkos Eltern haben ihre Kinder weniger reglementiert als ich dies von meinen Eltern kannte. Sie vertrauten ihren Kindern und überließen ihnen viele Entscheidungen selbst. Sie verboten nicht so viel, und glaubten daran, dass ihre Kinder es selbst schaffen können. Dies sind Aspekte, die ich in meiner Familie häufig vermisste, und die ich gern in unsere Erziehung integrieren würde.

Eigene Formen finden
Wir sind jetzt eine eigene, kleine Familie! Papa, Mama und Kind(er) – wow! Und damit stehen wir auch vor der Herausforderung, unser ganz eigenes Familienleben zu gestalten. Dinge anders zu machen, als wir sie von zu Hause kennen. Spannend!
Vielleicht feiern wir Heiligabend dieses Jahr mal in Berlin, in unserer Gemeinde, vielleicht mit Gästen, die keine Familienmitglieder sind. Vielleicht führen wir ein üppiges Thanksgiving-Essen ein, um Gastfreundschaft und Dankbarkeit zu zelebrieren. Vielleicht backen wir Osterplätzchen, tragen von Karfreitag bis Ostersonntagfrüh Trauerflor und laden zu einer Seder-Feier ein. Vielleicht dichten wir ein neues Geburtstagslied, denken uns ein Ritual zu Pfingsten aus und verzichten an Weihnachten mal auf alle Geschenke? Oh ja, darauf freue ich mich!

Für unsere Kinder beten
Sie in Gottes Hände legen. Dass er sie beschützt, auch vor unseren Fehlern. Dass er sie zu sich zieht und sich ihnen offenbart in der Weise, die sie verstehen können.
Das ist sicherlich das Beste, was wir für sie tun können.

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