Sonntag, 10. Mai 2015

Emotionen eines Umzugs



Heute schwänzen wir mal den Gottesdienst. Wir haben es einfach nicht rechtzeitig aus dem Bett geschafft, hundemüde wie wir waren, nach der ersten Umzugsetappe gestern. Das Zimmer ist leer, Falko ist gerade mit Noemi auf den Spielplatz gegangen, Samuel schläft und ich habe zum ersten Mal seit Tagen nichts zu tun. Zeit. Die vergangenen Wochen waren bis an den Rand gefüllt mit Streichen, Ausmisten, Kisten packen, Umzug organisieren, Kita anschauen und dem ganz normalen Alltag mit zwei Kleinkindern, was anstrengend war und gleichzeitig schön. Gestern fragte mich einer der Umzugshelfer, ob ich mich auf die neue Wohnung freue, und ich konnte ihm nur antworten: „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Irgendwie hinke ich emotional ziemlich hinterher…“ Zum Nachdenken und Gefühle-Sondieren bin ich nämlich noch nicht gekommen. Bis jetzt.

Erschöpfung
Ist das eigentlich ein richtiges „Gefühl“? Egal, ich bin zu erschöpft, um darüber nachzudenken… Meistens merkt man ja erst, wenn man sich für einen Moment hinsetzt und ausruht und einfach nichts tut, wie kaputt man ist. So geht es mir gerade. Aber irgendwie ist die Erschöpfung nicht unangenehm. Sie macht mich eher stolz, weil wir schon so viel geschafft haben!

Dankbarkeit
Hier spreche ich sicher nicht nur für mich, sondern auch für Falko: Wir sind unendlich dankbar für die wunderbare Unterstützung, die wir (nicht nur) gestern erfahren durften! Es haben sich so viele Leute hier und an der neuen Wohnung eingefunden, um Möbel und Kisten zu schleppen, die nicht ihre eigenen waren. Als das Auto ausgeladen war, haben sie sogar noch mit dem Möbelaufbau begonnen und uns damit total viel Arbeit abgenommen. Und apropos Auto: Ein Freund von uns hat sogar das Umzugsauto für uns gemietet, es morgens abgeholt und abends zurückgebracht! Als er uns dieses Angebot machte, waren wir für einen Moment echt sprachlos. Das ist so viel mehr, als wir hätten erwarten können.
Wir sind auch dankbar, dass alles so schnell und reibungslos, ohne Verletzungen oder Verzögerungen oder sonstige Pleiten verlaufen ist. Wir sind dankbar für unsere neue Bleibe, und für die wunderschöne Zeit, die wir in unserer „alten“ Wohnung verbringen durften, für all die wertvollen Erinnerungen.

Anspannung
Einiges ist schon geschafft, vieles liegt noch vor uns: Möbel kaufen und aufbauen, Kisten auspacken, die neue Küche wird geliefert, und am Freitag werden wir endgültig in der neuen Wohnung einziehen. Werden wir das alles schaffen, in der gesetzten Zeit? Finden wir auch für die zweite Etappe genug Umzugshelfer? Was, wenn…? Der Druck hat nachgelassen, aber er ist noch deutlich spürbar. Und in gewisser Weise brauche ich das auch: einen Antrieb, eine Aufgabe, ein Ziel.

Stolz
Mit zwei kleinen Kindern umziehen und trotzdem irgendwie die Nerven behalten, den Zeitplan einhalten und einen Hauch von Alltag bewahren – irgendwie bin ich schon stolz, dass wir das bisher so gut hingekriegt haben. Auch, dass ich es geschafft habe, meine eigenen Bedürfnisse ohne Murren für den Augenblick zurückzustellen, und dass ich das Chaos so leicht ertrage (das ist ganz gegen meine Natur!)…
Hm, wir sagen so leicht, dass wir auf etwas stolz sind. Und das ist ja auch ein schönes Gefühl. Aber wenn ich es mir so recht überlege, ist das alles doch viel weniger meine eigene Leistung als vielmehr GNADE. Der Monatsspruch für Mai lautet: „Alles vermag ich durch IHN, der mir Kraft gibt.“ (Philipper 4,13) Das ist es, was ich gerade erfahre: Dass Jesus mir Kraft schenkt. Eine Kraft, die meine eigenen Möglichkeiten bei Weitem übersteigt! Und da sind wir wieder bei der Dankbarkeit…

Verliebtheit
Ja, ich bin verliebt in meinen Mann, der so stark ist, der sich nicht beklagt und so vieles tut, aus Liebe zu mir und den Kindern. Wir hatten kaum noch Zeit für uns in der letzten Zeit, aber diese ganze Umzugsphase hat uns auch zusammengeschweißt. Wir erleben, wieder einmal, was alles geht, wenn man zusammenhält!

Unsicherheit / Zweifel
Werden wir uns in der neuen Wohnung bald zu Hause fühlen? Haben wir die richtige Entscheidung getroffen? Hätten wir uns nicht noch mehr Wohnungen anschauen sollen? Was, wenn die Nachbarn problematisch sind? Der Brief von der Hausverwaltung an sämtliche Mieter, sie mögen es doch bitte unterlassen, „Lebensmittel und Kleinstmüll“ aus den Fenstern und von den Balkonen zu werfen, stimmte uns dann doch etwas nachdenklich… Nun ja, komische Leute gibt es überall. Und all diese Grübeleien machen eigentlich keinen Sinn. Schaun mer mal, dann sehn mer scho, wie der Franke sagt…

Vorfreude
Ach, ich freu mich dermaßen auf unsere Spülmaschine! Und darauf, wieder mehr Platz für Gäste zu haben. Auf die Badewanne, hauptsächlich für die Kinder, natürlich ;) Ich freue mich auf den Spielplatz hinterm Haus, darauf, Mahlzeiten auf dem Balkon einzunehmen, auf Herumgammeln auf der Couch und darauf, dass Noemi ab Sommer in die Kita geht. Ich freue mich auf die Aussicht, das Schlafzimmer bald nur noch mit meinem Mann zu teilen, auf Erkundungsspaziergänge in unserer neuen „Hood“, darauf, sonntags länger schlafen zu können, weil der Weg zum Gottesdienst sich halbiert hat. Ich freue mich auf unsere neuen Nachbarn, auf neue Freunde, auf die Einweihungsparty…

Das wird so schön!

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