Freitag, 26. Juni 2015

Body Challenge #15



Tag 15 – Halbzeit – Ich mag…
Mein Markenzeichen


Wenn ich mich selbst beschreiben sollte, würde ich dich wahrscheinlich nicht zu allererst nennen, aber in der Liste meiner auffälligsten Merkmale besetzt du Platz drei oder vier. Ob andere Menschen dich in meinem Gesicht auch als so prominent wahrnehmen wie ich, weiß ich nicht – Kinder tun es auf jeden Fall. Wenn sie dann auf dich zeigen oder dich sogar berühren, war (und ist) mir das meistens unangenehm.
Wenn du nicht da wärst, würde ich dich vermissen? Ich glaube nicht…
Und doch bist du nun einmal da. Vor Jahren habe ich mal überlegt, dich entfernen zu lassen. Ich saß schon der Hautärztin gegenüber und zeigte auf dich, da schüttelte sie nur energisch den Kopf. Das würde sie niemals tun, schließlich würdest du doch mein Lächeln verlängern und meinem Gesicht einen freundlichen, positiven Ausdruck verleihen, auch wenn ich gerade mal nicht lächele… Hm, so hatte ich das bis dato noch überhaupt nicht gesehen. Wir verließen die Praxis gemeinsam und ich fühlte mich ganz gut dabei.

Nun muss man aber wissen,  du hast noch nicht immer so ausgesehen, warst nicht immer so groß und knubbelig. In meiner ersten Schwangerschaft verändertest du dich, und eine (andere) Hautärztin meinte, so etwas geschehe häufig in Schwangerschaften, irgendwas wegen der Hormone oder so. Da dachte ich dann doch noch einmal daran, dich aus meinem Gesicht schneiden zu lassen. Aber ich habe Angst vor der Narbe, die du hinterlassen würdest, und vor dieser Lücke auf meiner Wange. Irgendwie gehörst du ja doch zu mir, genau an diese Stelle, um mein Lächeln zu unterstützen.

Finde ich dich schön? – Eigentlich nicht. Du bist schwarz und knubbelig. Und ein bisschen zu groß. Muttermale werden in unserer Kultur sowieso nicht unbedingt als schön empfunden. Sie gehören eher zur Kategorie „Makel“. Es sei denn, sie sind Schönheitsflecke, wie zum Beispiel bei Cindy Crawford… Also, was soll’s, du bist mein Muttermal. Mein Markenzeichen auf der Wange.
Du gehörst zu mir, wie mein Name, wie meine Kinder.

Finde ich mich schön, mit dir? – Irgendwie schon.
Denn…
Ich stelle mir vor, dass ich so schön bin wie Cindy Crawford.
Weil ich auch ein Schönheitsmal hab.
Ich stelle mir vor, dass du mich und jeden, der mich anschaut, zum Lächeln bringen möchtest.
Du bist mein Lächel-mal Lächelmal.

Und Muttermal, das ist ja eigentlich auch ein schönes Wort.
Ich stelle mir vor, dass ich es von meiner Mutter bekommen habe, als ein Liebesmal: „Du bist mein Kind. Du bist einzigartig.“
Ich stelle mir vor, dass es mich als Mutter kennzeichnet, als eine Auszeichnung: „Du bist Mutter. Du bist einzigartig.“
Du bist mein Mutter-Liebe-Mal. 




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