Samstag, 27. Juni 2015

Body Challenge #16



Tag 16: Ich mag…
Meine Farben


Augen, blau und gold
Bronzehaar mit Haselnuss
Haut wie Birkenholz



Ich habe meinen Aquarellkasten rausgekramt. Lang ist’s her… Die Ergebnisse erinnern mich daran, dass ich unbedingt mal einen Aquarellkurs machen muss/will!


Weiß

Kühle Kinderhand
Schwarz wie diese Nacht
Berührt vorsichtig
Meinen weißen Arm.
Raue Finger, zärtlich,
auf heißem, weißem Fleisch.
Dann, wie ein grobzinkiger Kamm
In meinem Haar,
meinem hellen, glatten, langen Haar.
Verschwinden,
als ich zucke,
in der Finsternis.

Tausend schwarze Augen
Auf meiner weißen Haut
Meinen braunen Haaren
Mzungu!
Neugierig, starrend, interessiert,
ungewohnt, beängstigend, lästig –
ich bin weiß
(rund, blauäugig, glatthaarig,
auch das noch!)

Ich bekomme den Stuhl
Alle anderen
Sitzen auf der blanken Erde
Ich throne,
die Weiße,
Mzungu,
im Schatten,
im Komfort,
über den anderen,
den Schwarzen,
und sie bringen auch noch,
zu allem Überfluss,
einen Löffel,
damit ich nicht mit den Fingern essen muss,
den weißen, weichen, glatten.

Kinder rennen, stolpern, fallen
Neben dem Auto her
Mzungu! Mzungu!
Wir sind weiß
Da gibt es was
Zu sehen,
zu bekommen
Geld, Bonbons, irgendwas
Wir sind weiß
Wir sitzen im Jeep
Wir fahren vorbei
Die Kinder haben keine Schuhe
An ihren schwarzen Füßen

Plötzlich
Bin ich weiß
Als wär‘ ich’s nie gewesen
Mein Haar – sonderbar –
Mzungu
Meine Haut – erstrebenswert –
Es gibt hier Bleichcremes,
während wir uns wie die Blöden
in der Sonne rösten
Jambo, Mzungu!
Meine Haut,
so weiß,
so zart,
ich kann doch nicht’s dafür!
Öffnet mir alle Türen
Alles ist möglich
Für mich
Mzungu
Hier und überall.
Ich bin weiß
Seht her und staunt,
was ich alles kann
was ich alles kriege
Meine Haut ist mein Schlüssel
Mein Erfolgsrezept
Hier und dort
Gott sei Dank
Bin ich weiß
Glatt, weich, rund und hell
(Auch das noch!)

Ich studiere
Ich reise
Ohne Pass!
Ich komme überall hin
Komme überall durch
Bin willkommen,
überall,
Karibu Mzungu!
Ich kriege was ich will
Und noch mehr
Ich bekomme den Stuhl
Den Löffel
Den Platz im Schatten
Den Job
Die Wohnung
Ich bin ja weiß
Hakuna matata

Bleichgesicht
Rot vor Wut
Schreckensgelb
Grün, wenn mir schlecht ist
Aschfahl, wenn ich mich erschreck
Verbrannt von der Sonne
Trotz Sonnencreme
Weiß wie ein Gespenst

Ich gelte mehr
Mzungu
Bin ein besserer Mensch
Wichtiger
Wenn ich sterbe,
weint die Welt
Schade
Um diese schöne weiße Haut!


Kommentare:

  1. Liebe Rebekka,
    gerne lese ich immer wieder deinen Blog. Deine Texte sind oft so erfrischend, so ehrlich, so gerade heraus und doch poetisch. Die Idee mit der Body Challenge wird von dir total kreativ umgesetzt, ohne dabei platt zu werden! Der mzungu-Text hat mich besonders berührt, war ich doch selbst auch bereits ein "mzungu" oder eine "nassara "war. Diese nicht ausgesuchte Blässe, die gewollt oder nicht einen Unterschied macht. Die fasziniert aber gleichzeitig auch brandmarkt. Die Türen öffnet und andere verschließt und einen Teil des Kontrastprogramms dieser Welt widerspiegelt.
    Danke für deine Gedankenanstösse in meinen Alltag hinein. Ich habe noch nicht alle neuen Beiträge gelesen, also weiter gehts ;)
    Liebe grüße sendet theedee

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  2. Theedee, schön von dir zu lesen! Immer, wenn ich einen neuen Kommentar auf meinem Blog bekomme, hüpfe ich ganz beseelt durch den Tag - ja, heute hast du mich glücklich gemacht! Danke dafür :)
    Und wo warst du denn eine "Nassara"? Das interessiert mich jetzt!
    Alles Liebe - Rebekka

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  3. Liebe Rebekka,
    in Kamerun - dort ganz im Norden sprechen die Fulbé Fulfulde. Da war nassara eine/r Weiße/r. Wo hast du denn deine Erfahrungen als mzungu gesammelt?
    Liebe Grüße, theedee

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  4. Ach so - mir kam der Begriff irgendwie so bekannt vor... meine Schwägerin war nämlich auch in Kamerun! Meine Mzungu-Erfahrung kommt aus Kenia :)
    Eine gute Nacht dir! (Oder wie wir in Kenia sagten: Lala salama!)

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