Mittwoch, 8. Juli 2015

Body Challenge #27



Tag 27: Mag ich…
Meinen Po?

Mit meinen vier Buchstaben stehe ich nicht erst seit den Schwangerschaften auf Kriegsfuß. Nein, meinen Po hab ich wohl noch nie gemocht. Seit ich denken kann, fällt mein kritischer Blick fast automatisch auf den Hintern, sobald ich an Ganzkörperspiegeln oder Schaufenstern vorbeigehe. Dann verfinstert sich meine Miene und mein Selbstbewusstsein schrumpft. Entenpo! Pferdearsch!
Ich bin nicht gerade nett zu mir selbst in dieser Hinsicht.

Na gut, immerhin könnte man sagen, ich hab wenigstens Hintern und kann mir den einen Vorwurf nicht machen: Flach und unweiblich zu sein…
Oh Frau! - Wenn man sich selbst nicht mag, ist es einem anscheinend ein Bedürfnis, alle anderen auch noch runterzuputzen… pfff! Das ist keine Art und ich lasse das nur stehen, damit ihr seht, dass ich dabei bin, dazuzulernen. Denn ich weiß, dass es Frauen gibt, die darunter leiden, sich „unweiblich“ zu fühlen, weil sie sehr schlank sind. Wir haben alle unser Päckchen zu tragen, und sitzen somit alle in einem Boot.

Wie können wir lernen, endlich!, uns selbst anzunehmen und wirklich schön zu finden, ohne dabei die Frauen abzuwerten, die anders aussehen als wir (und dabei vielleicht sogar so, wie wir tief drinnen selbst gern aussähen…)?
Ich möchte die Vielfalt der Schönheit feiern und nicht die eine Variante gegen die andere ausspielen.
Ich träume von einer Gesellschaft, in der die eine Frau neben der anderen stehen kann und beide schön sind und frei von Vergleichen.
Denn wie geradezu unerträglich langweilig wäre es, wenn wir alle gleich aussähen!
Wie viel Kreativität hat Gott in jede einzelne von uns investiert, gerade um uns einzigartig und unverwechselbar zu schaffen. Manchmal stelle ich mir vor, wie es wohl war, als er mich erdachte und formte, in seinem himmlischen Atelier…

Der Herr setzt sich an seinen Schreibtisch und durchwühlt einen chaotischen Stapel mit Notizen und Skizzen. Er sucht etwas… „Na, wo ist denn nur dieser Zettel? Schon seit einer Ewigkeit habe ich sie auf dem Herzen… Sie hat mir noch gefehlt, und gerade heute, wo ich sie machen wollte, finde ich die Notizen nicht…“ Schließlich wird er fündig und streicht mit zärtlicher Geste über das Papier.
„Ah! Da ist sie ja! Wunderschön… genau so hatte ich sie mir vorgestellt, damals, und genau so werde ich sie machen. Das ist meine Tochter!“ Leise murmelnd liest er seine Notizen durch: „Ganz weich und geschwungen wie eine Sanduhr. Mit einer süßen Zunge und Freude am Essen. Sonnenfinsternisaugen, Augenbrauen wie Schwalbenflügel, Lächel-mal Lächelmal auf der rechten Wange… - das war ein ganz besonders guter Einfall von mir! Leicht trotziger Schwung der Oberlippe. Ihr Bindegewebe soll die Erinnerungen an die Schwangerschaften für ewig auf ihrem Körper bewahren… ganz zarte Hände und schmale Finger… Bronzehaar mit Haselnuss… ja, und ihr Po und ihr Becken sollen so gemacht werden, dass sie sich zum Bauchtanz eignen. Rund, weich. Wie ein Gefäß, breit und bereit, neues Leben zu empfangen.“
Der Herr lächelt zufrieden. „Das wird – mal wieder – ein besonders schönes Exemplar!“

Er nimmt sein Werkzeug zur Hand und erschafft – mich.
Mit sicherer Hand, ohne Zittern, ohne Ausrutscher.
Alles genau nach Plan.
Ohne Fehler – weder in Konstruktion, noch in Ausführung.

Der Herr legt sein Werkzeug weg.
Die Arbeit ist getan.
Da sieht er an, alles, was er geschaffen hatte und
„Siehe, es war sehr gut.“

Er pustet liebevoll in mein Gesicht,
das ungeborene.
Er gibt mir Liebe mit
Und einen Draht nach oben,
zu ihm.
Er haucht mir das Leben ein
Und schickt mich los auf meine Reise.

Ich ziehe meine Hand aus der Hosentasche –
Er hat mir heimlich einen Zettel zugesteckt.
Das muss er getan haben, kurz bevor ich seine Werkstatt verließ…
Ich falte das Papier auf, ganz vorsichtig.
Da steht:
„Unikat. Gewollt und geliebt. Genau so.“






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