Mittwoch, 19. August 2015

Schweigen mit Jesus



Heute war Noemis dritter Kita-Tag und ich konnte mich bereits für eine knappe Dreiviertelstunde von ihr verabschieden! Der kleine Bruder schlief ein, sobald sein Körper den Kinderwagen berührte und so hatte ich plötzlich und unverhofft Zeit ganz für mich allein. Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet gewesen, hatte weder ein Buch noch was zum Schreiben eingepackt, und wusste erstmal nichts mit mir anzufangen. Schon verrückt eigentlich…
Ich lief also erstmal ein bisschen durch die Gegend und dachte, es wäre ja ganz gut, mal wieder ausgiebig zu beten. In den letzten Tagen war mein Kopf so voll, bis an den Rand vollgestopft mit Projekten und Ideen und Baustellen, die ich angehen wollte. Während ich so vor mich hinwuselte, dachte ich immer wieder: „Das muss ich alles mal mit Jesus besprechen!“ – aber nun kamen die Worte nicht. Große Leere in meinem Kopf, welch seltenes Phänomen.
Und irgendwie war das auch okay. Ich setzte kurz an, um für Jesus aufzuzählen, was mich gerade beschäftigt, was ich alles in Angriff nehmen will/muss, aber da kam nur eines, nämlich mein Essverhalten*.
Und dann nichts mehr, rein gar nichts.
Hm.
Vielleicht ist es genau das, worauf ich mich jetzt konzentrieren soll und darf..
Einen Schritt nach dem anderen zu machen, ist okay.

In der folgenden Dreiviertelstunde durfte ich mal einfach nur sein. Den Kinderwagen vor mir herschieben und meinen Sohn betrachten. Einen neuen Weg ausprobieren. Die Vögel zwitschern hören. In dieser Zeit wollte niemand etwas von mir. Nicht einmal Jesus. Es war fast als würde er sagen: „Ich weiß schon. Du musst jetzt gar nichts sagen. Auch ich werde schweigen und still neben dir herlaufen. Wenn das in Ordnung für dich ist.“ Und das war es.
Ich kaufte mir einen Kaffee und ein Schoko-Croissant, zur Feier des Tages, setzte mich auf eine Bank und gönnte mir den Moment. Mit einem selig schlummernden Samuel im Kinderwagen und Jesus, der neben mir saß und schwieg.
HERRlich.


* Auf meinem Lesen!-Regalbrett steht seit ein paar Wochen auch das Buch Essanfälle adé: Der autobiografische Ratgeber für ein suchtfreies Essverhalten von Olivia Wollinger. Ich habe schon darin geschmökert und mich in einigen Aspekten wiedergefunden – obwohl ich keine Essanfälle habe. Trotzdem neige ich zu einem problematischen Essverhalten mit Sucht-Tendenzen, und das möchte ich angehen.
Ich bin mir noch nicht sicher, inwieweit ich das auf meinem Blog teilen werde – aber so viel schon mal dazu.

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