Donnerstag, 17. September 2015

Meine Mit-Jesus-erlebt-Kiste



Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott;
denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Psalm 42,6

Mit schmerzendem Rücken und noch schlaftrunken trete ich auf den Balkon. Die Sonne geht gerade auf, der Himmel ist tiefgrau – wie mein Herz, das so wund und verzagt und müde ist. Seit fast zwei Wochen kämpfe ich jeden Nachmittag mit meiner Tochter, die schreit und tobt und bockt, wenn ich sie aus der Kita abhole. Sie möchte bleiben, will nicht nach Hause. Klammert sich an der Erzieherin fest. Sie hat noch nie geweint, wenn ich mich von ihr verabschiedete. Aber sie weint, wenn ich wiederkomme. Und mein Herz blutet. Es tut einfach weh, jeden Tag.

Ich atme die kühle Luft ein und lasse meinen Blick über die Baumspitzen und Häuserdächer schweifen, über das Himmelsgrau. Und dann bemerke ich ihn, ganz zart und fein, ich ahne ihn mehr als dass ich ihn sehe – ein Regenbogen!
Ich weiß sofort, dass er nur für mich da ist an diesem Morgen. Ein göttliches Hoffnungszeichen.
Mit Gold durchwirkt ist das tiefe Grau des Himmels, und mir wird klar: Eigentlich dient dieser dunkle, trübe Ton nur als Leinwand für den Schimmer des Regenbogens. Die Dunkelheit ist nichts weiter als der Kontrast des Lichts, um es noch strahlender, noch leuchtender erscheinen zu lassen. Wenn die Sonne kommt, muss es weichen. Wo das Grau vom Licht beschienen wird, kann es auf Dauer nicht bestehen, da erstrahlt es bald in Orange, Lila, Purpur, Gold und Pink.

So ergeht es in diesem Augenblick auch der Finsternis in meinem Herzen, die plötzlich von Licht durchdrungen wird. Ich brauchte Hoffnung für diesen Tag – Gott schenkte mir ein Stück des Regenbogens. Und ich denke an die letzten Verse zurück, die ich gestern im Kolosser-Brief las: „das Geheimnis lautet: Christus in euch.“  Mit all dem, was mir gerade so schwer ist, bin ich ja nicht allein – wenn ich mich auch oft so fühle. Christus lebt in mir, und mit ihm die ganze Fülle des Wesens Gottes (Kolosser 2,9+10)! Gott wirkt in uns mit derselben Kraft, mit der er Jesus von den Toten auferweckte!

Nun bin ich gestärkt für diesen Tag. Auch wenn meine Tochter wieder einen Tobsuchtsanfall bekommen und ich mich hilflos und wie der schreckliste Mensch auf Erden fühlen werde – ich habe einen Regenbogen in der Tasche. Christus lebt in mir, ich bin nicht allein.

In dem Moment fällt mir meine Mit-Jesus-erlebt-Kiste wieder ein, die ich schon vor ein paar Jahren gebastelt habe. Wann immer ich etwas Besonderes mit Jesus erlebte, wann immer er uns beschenkte oder ermutigte oder versorgte, schrieb ich einen kleinen Zettel mit Datum, Ort und Erlebnis und legte ihn in meine Kiste. Inzwischen hat sich da schon so einiges angesammelt!  Und in schwierigeren Zeiten, wenn es mir schwerfällt, Gott wirklich zu vertrauen, lese ich mir die Zettel durch und werde darin bestätigt, im Vertrauen auf Ihn weiterzugehen.


Auf die Innenseite des Deckels habe ich einen Vers aus 5. Mose geschrieben: „Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben, und dass es nicht aus deinem Herzen kommt dein Leben lang. Und du sollst [es] deinen Kindern und Kindeskindern kundtun.“ (5. Mose 4,9) Nicht nur für mich und meinen Glauben sind diese Spuren Gottes in meinem Leben wichtig. Wir sind dazu aufgefordert, unsere Jesus-Begegnungen mit anderen zu teilen – besonders mit unseren Kindern. Wenn Noemi und Samuel älter sind, werden wir im Alltag gemeinsam auf Spurensuche gehen und anschließend Mit-Jesus-erlebt-Zettel schreiben. Darauf freue ich mich schon!



Seit ich den letzten Zettel schrieb, ist einige Zeit vergangen. Was nicht heißt, dass ich nichts mit Jesus erlebt hätte! – ich habe nur leider vergessen, diese Begegnungen aufzuschreiben.
Heute hole ich die Kiste hervor, nehme Stift und Papier zur Hand und schreibe. Vom Regenbogen in meiner Tasche und so vielen anderen Dingen, die Jesus getan hat.



Kommentare:

  1. Ja, das kenne ich auch. Meine Kinder (beide hochsensibel) hatten /haben auch immer einen Zusammenbruch nach dem Kiga. Allerdings erst Zuhause und ausdauernd.
    Sie sine einfach schrecklich müde, hungrig und überreizt, wenn sie nach Hause kommen. Keine gute Kombi. Rituale helfen, z. Bsp. mit der Erzieherin ausmachen, dass Mama und Kind zusammen ein kleines Buch anschauen, das das Kind und Erz. kurz vor dem Abholen aussuchen. Und danach ist Heimgehen angesagt. Ich denke, man darf das wirklich nicht unterschätzen, was von den Kindern die 3 Stunden im Kiga erwartet wird. Zumal, wenn sie noch unter 3 sind. Das ist meine Erfahrung als Mama und Erzieherin. Ich kenne das wirklich, ich dachte schon, die paar Stunden Ruhe sind dann auf einen Schlag kaputt, ich habe nichts davon, wenn mich dann mein Kind komplett beansprucht und jeden Tag völlig ausrastet. Und wir lange brauchen, bis alles wieder im Lot ist. Aber auch das gehört dazu. Das ist die Engewöhnung und die dauerte bei meinen Kindern ein Jahr. Das mit der Zettel Box finde ich wirklich eine sehr gute Idee, habe so was ähnliches. Aber ist auch einegschlafen, finde aber diese Einfachheit "nur" einen Zettel zu schreiben klasse, ich habe immer nach Gegenständen / Symbolen/ Postkarten gesucht usw. Diese Idee nehme ich mit, finde ich ganz toll, auch für die Kinder, sehr schön. In der Tat hat Gott einmal sehr deutlich mein Herz berührt, durch ein Lied, das mir 3x innerhalb kurzester Zeit begegnet ist und mich voll getroffen hat. Das war sehr kreativ und spannend von Gott und so voller Liebe und auch Wucht. Wäre schön, wenn ich es aufgeschrieben hätte... .
    Liebe Grüße und ein schönes WE, Christine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Christine, danke dir für das Teilen deines Jesus-Moments und für den Tipp. Es ist wirklich sehr anstrengend gerade. Und es fällt mir schwer, Noemis Verhalten nicht auf mich zu beziehen, von wegen, dass sie lieber in der Kita ist als zu Hause... einerseits gefällt es ihr natürlich in der Kita und dann möchte sie nicht nach Hause, andererseits spüre ich aber auch, dass viel "Wiedersehensschmerz" dabei ist. Sie braucht mich und vermisst mich, und ist (trotz all dem schönen Erleben in der Kita) verwirrt über die Veränderungen in unserem Alltag. Schwierig ist, dass ich eben immer unseren Kleinen dabei habe und sie nicht meine 100%ige Aufmerksamkeit beim Abholen hat, die aber bräuchte.
      Das mit dem Ritual werde ich mal ausprobieren! Und ansonsten heißt es wohl Durchhalten... Ich wünsche dir und deiner Familie auch ein tolles Wochenende mit vielen weiteren Jesus-Erlebnissen!
      Liebe Grüße
      Rebekka

      Löschen
  2. Liebe Rebekka, danke für die tolle Idee mit der Kiste, bis jetzt hab ich die Erlebnisse immer in mein Büchlein geschrieben, aber da gehen sie schnell unter. Und extra ein zweites Buch zu führen wollte ich nicht.
    Ich freu mich über deinen Regenbogen und wünsche dir ganz gute weitere Abholsituationen <3
    Love, Anni

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Anni, danke dir! Am Donnerstag und Freitag ging es mit dem Abholen tatsächlich schon besser. Ich konnte den Kleinen während des Abhol-Prozederes bei meiner Schwester bzw. der Erzieherin "abgeben" und mich ganz auf Noemi konzentrieren. Das hat ihr gut getan und mir auch.
    Eine gesegnete Woche dir! <3

    AntwortenLöschen