Dienstag, 15. September 2015

Raum zum Leben



Die Idee spukte schon länger in meinem Kopf herum – heute habe ich sie endlich umgesetzt und für Noemi eine kleine Kreativ-Ecke im Kinderzimmer eingerichtet. 


Schon gestern Abend hatte Falko die beiden Aufbewahrungstaschen an den Schrank geschraubt, heute Vormittag habe ich sie dann mit Papier, Stiften, Pinseln, Tuschkasten und so weiter gefüllt. Die „unproblematischen“ Materialien kann Noemi selbstständig erreichen, während sich z.B. die Schere außerhalb ihrer Reichweite befindet. Außerdem klebte ich zwei bunte Platzsets auf die Tischplatte, um diese ein bisschen zu schützen, und befestigte mit Malerkrepp ein Blatt Papier darauf, legte Stifte bereit – wenn meine Tochter aus der Kita kommt, kann sie direkt loslegen!
Ich habe mir vorgenommen, dass Papier und Stifte immer für sie bereitliegen, sodass sie zwischendurch ein bisschen malen kann. Wenn wir Finger- oder Wasserfarben, Schere und Kleber benutzen, und für größere Projekte, werden wir aber sicherlich weiterhin an den Esstisch ausweichen, und das finde ich auch gut so. Ich liebe unseren Esstisch – an dem ich zum Beispiel auch meine Blogeinträge schreibe, auf dem ich die Wäsche zusammenlege, an dem wir Gäste empfangen, Gesellschaftsspiele spielen und kreativ werden.
Jetzt bin ich natürlich gespannt, wie Noemi ihre Kreativ-Ecke gefällt und nutzt!





Aber nicht nur meine Tochter braucht Raum für ihre Kreativität! Schon kurz nach unserem Umzug habe ich für mich selbst eine Kreativ-Schublade gefüllt (hier habe ich davon berichtet) und bin total froh darüber. Sobald die Kinder aus dem Haus sind bzw. schlafen, und die wesentlichen Aufgaben des Haushalts erledigt sind, ziehe ich mich an den Esstisch zurück. Hier befindet sich mein Laptop, hier sind meine Notizbücher und Stifte und Masking Tapes, hier kann ich den Himmel sehen und die Pflanzen auf unserem Balkon (die erstaunlicherweise auch nach ein paar Wochen Aufenthalt bei uns noch ganz gut aussehen…), hier habe ich Raum für mich.

Sobald wir Eltern werden, verändert sich der eigene Lebensraum – die Wohnung (und alles andere…) wird „kindgerecht“ gemacht. Das ist natürlich gut und richtig so! Aber ich habe für mich gemerkt, dass ich auch noch Lebensraum für mich (und für unsere Ehe) brauche. Einen Rückzugsort. Schränke, die die Kinder nicht durchwühlen, Gegenstände, mit denen sie nicht spielen, Türen, die sie nicht öffnen dürfen. Meine Kreativ-Schublade ist so eine kinderfreie Zone. Unser Schlafzimmer gehört auch immer mehr dazu. Und ich spüre wie meine Seele aufatmet! Seit unserem Umzug in eine (deutlich) größere Wohnung bin ich deutlich entspannter. Weil ich hier wieder Lebensraum für mich habe. Zum Kreativ-sein, zum Lesen, zum Gäste bewirten, für Eheabende, zum Schreiben.

Gestern Nachmittag saß ich mit Elly an unserem Esstisch und freute mich an der Gemeinschaft mit ihr und ihrer Tochter. Wir haben uns lustigerweise über unsere Blogs kennengelernt (sie ist die wunderbare Christliche Diva) und festgestellt, dass wir beide The Big Bang Theory mögen, Startschwierigkeiten beim Mama-Sein hatten UND dass wir nur ein paar Kilometer voneinander entfernt wohnen! Ein Bloggerinnen-Treffen lag also nahe, und schon bald fanden wir uns in unserem Wohnzimmer wieder, und redeten darüber, wie sehr wir Freiräume brauchen, um für unsere Kinder eine bessere Mama sein zu können. Elly hat einen solchen Raum außerhalb ihrer vier Wände; gemeinsam mit drei Freundinnen hat sie ein Atelier gemietet, in das sie sich zurückziehen kann. Ein Traum!

Eine Frau aus der Gemeinde sagte neulich zu mir, sie habe den Eindruck, dass ich sehr gut auf meine eigenen Bedürfnisse achten kann. Für mich klang das zuerst total negativ, irgendwie egoistisch. Und ich fühlte mich gleich ein bisschen schuldig, schließlich ist es wahr. Ich habe kein Problem damit, das Staubsaugen auf den nächsten Tag zu verschieben, wenn ich gerade einen Schreib-Flash habe oder etwas Nachtschlaf nachholen möchte, und Babysitter nehme ich auch sehr gern in Anspruch… Sie aber hatte ihre Bemerkung gar nicht abwertend gemeint, eher als Kompliment: „Nur wenn du selber aufgetankt hast, kannst du anderen etwas geben. Wenn du auf dich selber achtest, hast du mehr Kapazitäten um auf andere zu achten.“ Das leuchtet mir ein, und es entspricht auch meinen bisherigen Erfahrungen. Ein kleines bisschen egoistisch klingt es zwar immer noch für mich, aber sicher kommt es auf die richtige Balance an, auf ein Nicht-Zuviel und ein Nicht-Zu-Wenig.

Wir brauchen Oasen in unserem Leben. Gott weiß das. Er hat uns so geschaffen! Und ich entdecke in meinem Kanaan immer mehr versteckte Plätze, die mich zum Innehalten und Aufatmen einladen: Zehn Minuten Bibellesen, bevor meine Tochter schlaftrunken ins Wohnzimmer schlurft. Eine Zeitschrift durchblättern und dabei einen Tee trinken, während mein Sohn sein Vormittagsschläfchen pflegt. Meine Kreativ-Schublade und die hintere Ecke des Esstischs. Unser fast kinderfreies Schlafzimmer. Einen Spaziergang machen. Allein eine Kunstausstellung besuchen. Oder ein Café…

Für heute möchte ich dich einladen, darüber nachzudenken, wo du deinen persönlichen Lebensraum hast. Wohin kannst du dich zurückziehen, um alleine zu sein und aufzuatmen? Was hilft dir aufzutanken? Was könntest du tun, um einen solchen Ort für dich zu entdecken oder zu schaffen?


Mein Besitz und mein Erbe ist der Herr selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Was du mir für mein Leben geschenkt hast, ist wie ein fruchtbares Stück Land, das mich glücklich macht. Ja, ein schönes Erbteil hast du mir gegeben!
Psalm 16, 5+6





Kommentare:

  1. Ja, das Atelier ist wirklich ein Traum; auch wenn ich selbst noch viel zu selten hinkomme. Vielleicht schaffen wir es ja in naher Zukunft, zusammen mal dorthin zu fahren. ;)

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