Donnerstag, 1. Oktober 2015

Perspektive Ewigkeit



I’m so glad
I live in a world
where there are
Octobers.
(Anne of Green Gables)

Nebel versteckt sich
Das Morgenlicht steigt auf –
Erster Oktober!







Der goldene Monat ist im Jahr 2015 angekommen. Auf dem Weg zur Kita sammeln wir jeden Tag mehr Kastanien ein, bunte Blätter fallen uns vor die Füße, ich kuschle mich in meinen Poncho und genieße die Wärme des Hefeteigs unter meinen Fingern (Dinkelbrötchen à la Veronika!). Es fällt mir immer leichter im Hier und Jetzt zu sein. Achtsamkeit ist ja im Moment total in, und ich finde dieses Konzept auch sehr faszinierend, ja heilsam. Viel angenehmer als mein sonstiges hätte, hätte, Fahrradkette.

Und Gott geht mit. Über die bunte Frühlingswiese genauso wie durch den Sommer mit Eis am Stiel  und jetzt durch das raschelnde Laub des Herbstes. Er begleitet mich in allen Phasen meines Lebens; ist bei mir, wenn ich vergangenen Chancen nachtrauere oder alte Schuld nicht loslassen kann. Er hält meine Hand, wenn ich im Augenblick verharre und meine Sinne schule. Wenn ich kostbare Momente sammle wie Perlen auf einer Schnur.
Er lässt aber auch nicht zu, dass ich stehen bleibe, sondern richtet meinen Blick immer wieder neu auf Jesus, schenkt mir neue Perspektiven. Schon beim Lesen des Kolosserbriefs war es mir aufgefallen, jetzt im ersten  Thessalonicher stolpere ich darüber: Perspektive Ewigkeit. „Richtet eure Gedanken auf das, was im Himmel ist, nicht auf das, was zur irdischen Welt gehört.“ (Kolosser 3,2) „Ihr selbst wisst ganz genau, dass der Tag des Herrn so unerwartet kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Ihr aber, Geschwister, lebt nicht in der Finsternis, und deshalb wird euch jener Tag nicht wie ein Dieb überraschen. Ihr alle seid ja Menschen des Lichts, und euer Leben wird von jenem kommenden Tag bestimmt.“ (1. Thessalonicher 5,2-5)

Spannend, dass Gott mich genau jetzt darauf aufmerksam macht, wo auch die Natur mir die Vergänglichkeit der Dinge vor Augen führt! Die Kastanien, das bunte Laub, meine Dinkelbrötchen…  sind ebenso vergänglich wie die Hände im Hefeteig und mein Geschreibsel hier.
Ja, Gott schenkt mir das Hier und Jetzt, und all die guten Dinge, die ich wahrnehmen und spüren und genießen darf mit allen Sinnen. In genau diesem Moment ist Jesus erfahrbar, in meinem unbeständigen und vergänglichen Alltag. Doch das ist nicht alles – Gott schenkt uns noch viel mehr! Wir dürfen unser Leben mit Ewigkeitsperspektive leben, in hoffnungsvoller Erwartung all dessen, was noch kommen wird; wir sind dazu befreit, uns auf die Dinge zu konzentrieren, die wirklich Bestand haben.

Ich erlebe es gerade so: Gott zeigt mir (in seiner unvergleichlich liebevollen Art!), dass ich mich verzettele mit all meinen Projekten, die mir ja ach, so wichtig sind, hilft mir aber auch, meine Prioritäten wieder richtig zu setzen.
„Vernachlässige die Aufgabe nicht, die du vom Herrn erhalten hast und erfülle sie gut.“ (Kolosser 4,17)
„Wer ist der Siegeskranz, auf den wir stolz sein können, wenn Jesus, der Herr, wiederkommt und wir vor ihm stehen werden?“ (1. Thessalonicher 2,19)

Meine Kinder sind meine Aufgabe und mein „Siegeskranz“. Es sind die Beziehungen, die zählen – meine Beziehung zu Jesus, die zu meinem Mann, meinen Kindern, den Gemeindejugendlichen, all den anderen Menschen um mich herum. Es ist das Wort Gottes, das diesen Himmel und diese Erde überdauern wird. Gottes Willen tun, Liebe üben, gerecht handeln. Es geht darum, mein Leben in Verantwortung vor Gott zu führen, und in Gemeinschaft mit ihm.

Das ist keine Vertröstung auf später, und auch kein Grund, auf Genuss, Sport (mein Körper wird vergehen…) oder Umweltschutz (es gibt ja eh eine neue Schöpfung…) zu verzichten – im Gegenteil!
Es ist eine weitere Dimension, die Gott mir schenkt: In Jesus finde ich Versöhnung mit der Vergangenheit, tiefe Freude im Jetzt, und Hoffnung für die Zukunft, sogar über den Tod hinaus.
Ich darf glückliche Momente im Hier und Jetzt sammeln, aber vor allem Schätze im Himmel, wo die Motten sie nicht fressen und Diebe sie nicht stehlen können! Wir dürfen hier auf Erden Köstlichkeiten exotischster Art genießen und uns auf die ultimative Party im Himmel freuen!

Während ich den Teig knete, fühle ich dessen weiche Klebrigkeit, seine Wärme, seine leicht raue Struktur. Ich danke für das Brot, für Gottes Versorgung jeden Tag. Ich denke an das Brotbrechen beim Abendmahl, an Brot und Wein, an das Hochzeitsfest im Himmel mit Jesus, dem Bräutigam.
Während ich mit meiner Tochter kuschele, ihr den Rücken kraule (was sie sehr genießt), atme ich ihre Kleinkindwärme ein, spüre ihre Umarmung, halte den Moment ganz fest. Ich danke für dieses Kind, das Gott mir anvertraut hat. Ich segne sie und bitte unseren Vater im Himmel, sie zu schützen. Ich bete, dass wir gemeinsam in der neuen Welt sein werden, ihre unsterbliche Seele und ich.
Während ich durch die Herbstlandschaft spaziere, freue ich mich an den Farben, an der kühlen Luft, am Lauf der Natur. Ich danke Gott für seine wunderbare Schöpfung und dass ich sie sehen, hören, fühlen, schmecken kann. Und ich bin dankbar, dass mir der Tod und die Verwesung keine Angst machen. Bin gespannt auf das, was danach kommt, auf den neuen Himmel und die neue Erde mit all ihren Wundern.




Kommentare:

  1. Liebe Rebekka!
    Tolle Bilder und ein wunderschöner Beitrag!
    Ich finde diese Perspektive sehr ermutigend und heilsam. Vielen Dank für diese wichtige Erinnerung!
    Liebste Grüße und ein wunderschönes herbstliches Wochenende dir!
    Lena

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  2. Liebe Rebekka,
    ich finde du schreibst so schön! Ich freue mich immer schon auf den kommenden Post! Und dieser hier war zum " Eintauchen"! Eine angenehme Pause im Mutteralltag:), Danke!

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  3. Vielen Dank! Ich freue mich immer so über eure Kommentare :) Euch ein wunderbares Wochenende, genießt die Herbstfreuden in vollen Zügen!

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