Montag, 7. Dezember 2015

Mut am Montag




Es ist viel zu spät und ich sollte längst schlafen, aber im Lauf des Tages werde ich wohl nicht zum Schreiben kommen – dabei habe ich gerade Ermutigung erfahren, die ich unbedingt an euch weitergeben möchte!
Am Freitagabend erfuhren wir, dass die Fahrstuhlarbeiten in unserem Haus deutlich länger andauern werden als angekündigt. Von drei Wochen war ursprünglich die Rede gewesen (die sind nun um), inzwischen nennt niemand mehr ein konkretes Datum, wann die Treppensteigerei ein Ende haben wird. „Januar“ wird gemunkelt, aber so genau weiß das niemand.
Als ich das hörte, fing ich direkt an zu heulen – vor Wut, Enttäuschung und Hilflosigkeit. Unser Familienalltag ist durch diese 120 Stufen so viel komplizierter als er ohnehin schon ist, wir werden an den Weihnachtsfeiertagen Falkos Oma wohl nicht zu uns einladen können, und meine Knie tun mir weh! Ich will nicht mehr, und ich kann nicht mehr; warum tust du mir das an?!? – so der (zensierte) Wortlaut meines Freitaggebets.

Vor ein paar Minuten, ich lag bereits im Bett, nahm ich noch kurz ein Buch zur Hand, Glimpses of Grace von Gloria Furman. Ich schlug die Seiten auf, zwischen denen mein Lesezeichen lag, und stieß auf die folgenden Verse:

„Aber Mose wurden die Arme schwer; darum nahmen Aaron und Hur
einen Sein und legten ihn hin, dass er sich daraufsetzte.
Die beiden aber stützten ihm die Arme, auf jeder Seite einer.
So blieben seine Hände erhoben, bis die Sonne unterging.“
(2. Mose 17,12)

Auf diese Weise besiegte das Volk Israel die Amalekiter – weil Aaron und Hur Moses Arme im Gebet stützten. Mose selbst ging die Kraft aus. Aber er war nicht allein! Da waren zwei gute Freunde und Mitstreiter an seiner Seite, die ihm halfen, seine Aufgabe zu erfüllen.

Auch mir werden die Arme so schwer, wenn ich Samuel die Treppen rauf und runter tragen muss! Besonders wenn er seinen rutschigen Schneeanzug trägt und ich Noemi an der Hand halte, habe ich bereits nach zwei Treppenabsätzen das Gefühl, mein Arm müsse jeden Moment abfallen. Teilweise trage ich meinen Sohn auf dem Rücken, aber es ist schwierig für mich, ihn allein in die Manduca zu schnallen (er hält nicht besonders still und mit all den Klamottenschichten ist es kompliziert). Wir haben noch keine gute Lösung gefunden; alles ist umständlich, raubt mir Zeit und Energie, die ich nicht habe.

Und dann lese ich hier von Männern, die ihrem Freund die Arme stärken!
Für mich sind diese Verse Erinnerung und Ermutigung zugleich:
Ich denke an die wunderbaren Menschen, die mir in den vergangenen Wochen geholfen haben – die vorbeigekommen sind, um auf Samuel aufzupassen, damit ich ihn nicht mit zur Kita nehmen muss, wenn ich Noemi abhole! Tausend Dank euch! 
Ich denke an unsere Nachbarin im sechsten Stock, die ihn mir auch schon ein paarmal abgenommen hat. An Falko, der die Einkäufe übernimmt, und auch die Kinder, wenn es ihm möglich ist.
Ich denke an die vielen tausend Stufen, die ich inzwischen erklommen habe, mit Kindern und ohne sie, und wir haben es bisher immer geschafft, irgendwie.
Vielleicht hat mir da auch mal ein Engel die Arme gestützt…

Und ich bin gespannt, welche Aarons und Hurs mir Gott in den kommenden Wochen zur Seite stellen, auf welche Weise er mir die Arme und Hände stärken wird. Er wird es tun, dessen bin ich gewiss.
So gehe ich nun zuversichtlich in diese neue Woche, im Wissen, dass mein Vater im Himmel schon weiß, was ich brauche und dass er mich versorgt. Immer und immer wieder neu.

Noch ein Vers kommt mir gerade in den Sinn - der ist für euch, für eure neue Woche:

"Aber die auf den Herrn harren,
kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden."
(Jesaja 40,31)

 

Kommentare:

  1. Liebe Rebekka :) ich wohne im 5. Stock ganz ohne Aufzug und ich kann deine Anstrengungen nachspüren. Zwar muss ich keine rutschigen Schneeanzugkinder tragen aber auch dieses Problem kenne ich. ich sehe die Treppen einfach als kostenlose sportminuten :) liebe grüße und hoffentlich fährt der aufzug bald wieder! :)

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    1. Danke dir, liebe Annika! Wir haben uns inzwischen irgendwie an die Treppen gewöhnt - nett ist vor allem, dass man seine Nachbarn so häufiger trifft! :)

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  2. Liebe Rebekka!
    Ich hoffe du hast eine gesegnete Adventszeit. Hoffe das Problem mit dem Aufzug löst sich bald.
    Ich schau beinah täglich auf deinem Blog vorbei :)
    Glg Lena

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    1. Liebe Lena, vielen Dank dir! Gerade ist es ziemlich stressig (obwohl ich das so nicht geplant hatte ;)) und ich komme gar nicht zum schreiben... umso lieber lese ich deine Einträge im Advent und genieße sie sehr. DANKE dafür! Dir und deinen Lieben auch noch eine gesegnete letzte Adventswoche - bald ist Weihnachten!

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