Mittwoch, 23. März 2016

Dunkle Tage



Dunkle Tage. Meine Stimmung ist im Keller, Wut häuft sich in mir an und will raus, RAUS!
Drei Tage war ich praktisch allein mit den Kindern, mit meinen süßen, über alles geliebten Kindern, und mir ist einfach alles zu viel. Ich will es nicht, aber ich brülle, und in einem roten Moment habe ich meinen Kleinen an mich gedrückt, damit ich die Beherrschung behalte und nicht etwa die Hand gegen meine Tochter erhebe.
Dabei sind es gar nicht die Kinder, und auch nicht mein Mann oder sonst irgendwer.
Ich komme gerade mit mir selbst nicht klar. Diese Wut, die in mir schmort, die hege ich gegen mich selbst.
Gestern habe ich seit langer Zeit wieder einmal geweint, und da kamen die Tränen so heftig und ich konnte kaum aufhören.
Dabei bin ich doch eigentlich glücklich, oder nicht?
Ich poste über Ostereier und zeichne wieder täglich und fasse Mut, mir einen Traum zu erfüllen.
Ich habe glückliche, bezaubernde Kinder, einen tollen Mann, der mich unterstützt und treue Freunde, die mich (aus welchen Gründen auch immer) mögen.
Ich habe in meinem Leben noch nie etwas wirklich Schlimmes erlebt.

Und trotzdem ist da diese Wut und sie geht nicht weg, auch wenn es mir manchmal gelingt, so zu tun, als wäre sie nicht da.
Wenn sie dann hochkommt, ist sie wie ein Tier und ich krümme mich in meinem Bett zusammen und heule Rotz und Wasser und denke, dass es besser wäre, wenn es mich nicht gäbe.
Ich schlage um mich und boxe ins Kissen wie eine Verrückte und gar nichts wird davon besser.
Ich bin fast 30 Jahre alt, und doch komme ich mit mir selber nicht klar.
Das, was ich will, tue ich nicht,
und das, was ich nicht will, tue ich.

Immer wieder bedanken sich Menschen bei mir über meine Ehrlichkeit, Direktheit, Offenheit.
Und es stimmt, dass ich mich darum bemühe.
Trotzdem kam ich mir gestern Abend, in meinem tiefen, dunklen Loch, wie eine Blenderin vor. Auf dem Blog sieht am Ende ja meistens doch alles shiny shiny aus, von wegen Dankbarkeit und bla.
Und ich beschloss, das hier zu schreiben.
Das ist es, was bei mir los ist.
Bei mir ist gerade gar nichts gut.

(Und dann denke ich, dass ich ja ganz schön egoistisch bin, von wegen anderswo sterben Menschen und sind auf der Flucht und haben richtige Probleme und ich lamentiere hier so rum... ARGH! Gerade finde ich mich selbst einfach nur furchtbar.) 



Kommentare:

  1. Liebe Rebekka,

    ich wollt nicht gehen, ohne dir eine liebe Zeile dagelassen zu haben. Friede sei mit dir.

    Friederike

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  2. Jede Kerze die wir anzünden,
    erinnert an Jesus Christus,
    der auch unsere dunkelsten Stunden erhellen kann.

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  3. Liebe Rebekka, ich weiß ich schreibe immer wieder das Gleiche aber ich fühle sehr mit dir und kann dich gut verstehen!ich kämpfe auch ständig mit Wut und Selbstzweifel! Du bist also nicht allein! ist bestimmt kein Trost aber vielleicht hilft es gegen "Isolations-Gedanken", die dir sagen, dass du der einzige Mensch bist, der derart die Beherrschung verliert! Naja, ich bete einfach für dich. Sei gesegnet!

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  4. Liebe Rebekka,
    ich kenne das auch! Du bist nicht allein mit solch dunklen, trüben Gedanken. Ich bete für Dich. Du bist wunderbar gemacht. Wir sind in der Welt, aber nicht von der Welt. Und eben diesen Vers, den Du gepostet hast, den habe ich mir vor 2 Tagen auch in mein Tagebuch geschrieben: " Das, was ich will, tue ich nicht,und das, was ich nicht will, tue ich." Ich fühle mit Dir! Rebekka, Du bist nicht allein! Jesus geht da mit Dir durch - und Er kann. Einfach alles. Deshalb feiern wir ja auch Ostern =) Unser treuer Herr hat gesiegt. Ich wünsche Dir FROHE, gesegnete Ostern. Der Herr segne Dich!
    Kiki

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  5. Liebe Rebekka,
    ich wünsche dir Gottes tiefen Frieden genau in deiner Situation!! Ich weiß, dass er ihn reichlich verschenken will an alle, die ihn brauchen. Ich darf das gerade selbst erleben und hoffe, du kannst dich fest auf seine Wahrheit über dich stellen.
    Und zwei lockerflockige Tipps dazu ;) hab diese Woche für die DRAN den Film "Mängelexemplar" gesehen und muss sagen, dass der sich sehr gut/humorvoll mit einem schwierigen Selbstbild auseinandersetzt. Falls du Lust auf den Film bekommst, schau ihn dir doch mal im Mai an ;) Und für ein Grinsen und Rumtanzen (denn Bewegung ist gut für das kleine Glück :) ): https://www.youtube.com/watch?v=0AXjBGVdj6s LG und auferstehende Ostern! Anne

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  6. Hallo!

    Heute schreibe ich hier zum ersten Mal, aber ich lese schon eine Weile mit.
    Ich bin inzwischen 51, kann das kaum glauben, und kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mit 30 lange noch nicht so weit war, mich selbst zu mögen. Gerade die Kinder bringen einen an seine Grenzen! Nicht weil sie nerven oder so sondern weil wir an unseren eigenen Reaktionen verzweifeln.
    Ich mochte mich zu der Zeit jedenfalls gar nicht, fand mich egoistisch, nicht ausreichend liebesfähig usw.!
    Es ist ein Kampf.
    Aber einer, der vorüber geht.
    Mir hat geholfen, meine Hand immer wieder in die große Hand Gottes zu legen. Ich bin ja auch nur ein Kind und habe meine “Phasen“ wie alle Kinder. Gott geht da ganz gelassen damit um! Den bringt nichts aus der Ruhe.
    Meine Kinder haben auch keinen Schaden davon getragen.
    So schlimm war ich also wohl nicht.
    Und Du ganz sicher auch nicht.

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  7. DANKE EUCH! Ihr macht mir Mut.
    Es hilft tatsächlich, wenn man weiß, dass man nicht allein ist.
    Danke für eure Anteilnahme und euer Verständnis, für den Frieden und das Beten und den Tanz! Ihr seid großartig.
    Und mir geht es auch schon wieder besser; entspannte Tage stehen an und wir feiern Jesus!
    DANKE!

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  8. Nachtrag: Habe gerade ein Zitat von Roger Wollenden gelesen: “Es ist ein weiter Weg bis man sich in den Besitz des eigenen Ichs gebracht hat.“
    Ich finde, das trifft's!

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  9. Ich habe das Gefühl, das hätte ich geschrieben. Mir geht es oft genauso und ich finde es toll, dass Du Deine Gedanken mit uns teilst. Und: danke, Niclis, Du hast mir Mut gemacht!

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  10. ich hab dich gern
    Mir hat eine Begleiterin- ältere Dame- mal gesagt: Frauen fühlen so intensiv, um Kinder zu Menschen zu begleiten.
    Dieses Intenstive ist Diamant und Dynamit.
    So lebe ich auch.
    Es quält mich und zermürbt mich.

    Meine Wut war so groß, dass ich mit einer Begleitung hingesehen hab- zögerlich. Ich kann nun( zu spät, finde ich) verstehn, dass ich oft wütend bin, wenn ich mich überfordert fühle, oder meine festen Pläne vom Tag nicht klappen.

    Drei Tage mit den Kindern ist HochKOnzentration und wir enmpfinden es als wertlos und leer.
    Du hast viel geschafft- leider kann ich für dich nicht hinsehen, so wie du für mich nicht.

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    1. Liebe Steffi, danke dir für diesen lieben und ermutigenden Kommentar!
      Ich habe es auch schon festgestellt, dass Überforderung meine Wut auslöst. Wenn meine Pläne nicht aufgehen, komme ich inzwischen schon etwas besser damit klar, aber ich verstehe sehr gut, was du meinst!
      Und ich glaube, wenn ich mit mir selbst nicht auskomme - wie soll ich da mit anderen Menschen auskommen?
      Es ist wirklich eine intensive Zeit, und ich bin dankbar, trotz allem!, dass ich kleine Mini-Lernschritte machen darf.

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  11. Liebe Rebekka,

    ich sehe gerade, dass dein Beitrag schon ein paar Monate alt ist, aber zufällig habe ich gestern über das Thema "Was tun, wenn ich mich für meine Gefühle schäme?" geschrieben: http://pusteblumen-fuer-mama.de/gesellschaft/scham-negative-gefuehle/ Ich möchte dich ermutigen, deine Probleme nicht kleinzureden und dich nicht mit anderen, denen es vermeintlich schlimmer geht, zu vergleichen. Für jeden ist sein Problem schlimm, jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen.

    Du schreibst, dass du dir wie eine Blenderin vorkommst, weil auf deinem Blog hauptsächlich die schönen Seiten des Lebens zu sehen sind. Ich muss da an ein Zitat aus einem Film denken, in dem ein Vater seinem Sohn (sinngemäß) sagte, dass man in einem Fotoalbum auch nur die schönen Momente aus dem Leben sieht, weil in den schweren Zeiten und im Streit Niemand die Kamera rausholt. Deswegen finde ich nicht, dass du dir wie eine Heuchlerin vorkommen musst. Dennoch hast du meinen ganzen Respekt, dass du uns hier einen so ehrlichen und schonungslosen Einblick in einen deiner dunklen Stunden gewährt hast.

    Zum Schluss möchte ich dir noch eine kleine Geschichte erzählen, die ich letztens in einer Zeitschrift aufgeschnappt habe:

    Ein älterer Indianer sitzt mit seinem Sohn am Lagerfeuer. Der Alte erzählt, dass in ihm zwei Wölfe leben, ein guter und ein böser. "Welcher wird dein Herz gewinnen?" fragt sein Sohn. "Der, den ich nähre." antwortet sein Vater.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle (und wahrscheinlich vor allem wir Mütter!) immer wieder auch mit unseren dunklen Gefühlen konfrontiert werden. Das ist völlig normal und meiner Meinung auch wichtig für die Erziehung. Nur so können wir unseren Kindern zeigen, wie auch sie später mit diesen Gefühlen am Besten umgehen können und dass es wichtig ist, immer wieder den Blick auf das Positive zu lenken und sich nicht von seiner Wut beherrschen zu lassen.

    Ich finde du reagierst sehr gut. Du gestattest der Wut, hochzukommen, wenn sie mal raus muss, aber schlägst dann in ein Kissen oder wohin auch immer (jedenfalls nicht deine Kinder oder wen es verletzen könnte).

    Drei Tage Kinder nonstop ohne Jemanden an meiner Seite, der sie mir mal abnimmt, wären für mich völlig undenkbar! Du kannst sehr stolz auf dich sein, für das, was du da leistest!

    Liebe Grüße
    Christine

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    1. Liebe Christine, hab Dank für deinen langen und ermutigenden Kommentar! Diese Phase ist tatsächlich schon eine Weile her, aber ich weiß, dass immer wieder solche Zeiten kommen werden und dass auch die Wut zu mir gehört. Ich finde das Akzeptieren, von dem du in deinem wunderbaren Artikel schreibst, auch sehr wichtig - und enorm schwer! Ich merke ja schon, wie ich die "Wehwehchen" oder Probleme meiner Kinder am liebsten gleich glattbügeln möchte, schnell-schnell-alles-wieder-gut... anstatt auch mal Raum für die (negativen) Gefühle zu lassen und ihnen zu spiegeln: "Es ist okay, so zu fühlen; wir kommen damit klar und irgendwann geht es vorbei."
      Übrigens verfolge ich deinen Blog schon seit einiger Zeit und finde mich darin so sehr wieder! Seit ich weiß, dass ich eine hochsensible Mama bin (und das weiß ich erst seit ein paar Monaten...), hat sich für mich einiges entspannt und zum Guten gewendet. Da tut es vor allem gut, sich nicht mehr allein zu fühlen, und zu wissen, dass es noch andere Mamas gibt, denen es auch so geht! Danke für deinen Blog, der für mich ein Ermutigungsort ist! Danke für deine Ehrlichkeit - finde ich richtig gut! :)
      Liebe Grüße
      Reh

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