Mittwoch, 26. Oktober 2016

Budapest, szerelmem # 1




Wir haben es tatsächlich getan: Das vergangene Wochenende verbrachten mein Liebster und ich in meiner absoluten Lieblingsstadt – drei Tage und zwei Nächte Budapest ohne Kinder!
2008 waren wir zum ersten Mal in der ungarischen Hauptstadt zu Gast und ich verliebte mich sofort in sie. Während meines obligatorischen Auslandssemesters im Masterstudium lebte ich fünf Monate im berüchtigten achten Bezirk und lernte Budapest richtig gut kennen. Und nun kehrte ich nach fast sechs Jahren wieder zurück, nachdem ich einige Zeit von schrecklicher Sehnsucht geplagt worden war…
Gyönyörű – wunderschön war auch dieser Besuch!

(In einem Post kann ich euch die Stadt gar nicht wirklich nahebringen, deshalb teile ich unsere Reise in mehrere Einträge auf. Ich hoffe, dass ich euch damit zu einem kleinen Budapest-Trip inspirieren kann ;))

Tag 1


Nach einer trüben, regnerischen Woche zu Hause in Berlin wurden wir am Budapester Flughafen von einem strahlend blauen Himmel empfangen. Den ganzen Samstag genossen wir den goldenen Oktober wie er im Buche steht!
Mit der „blauen Metro“ (Nummer 3) fuhren wir zum Kálvin tér. Diesen Platz in der Nähe der großen Markthalle (Vásárcsarnok) und des Magyar Nemzeti Múzeum (Nationalmuseum) kannte ich noch gut aus meinem Studienaufenthalt – dementsprechend überwältigend war das Wiedersehen. Ich fühlte mich sofort wieder ganz wie zu Hause. Der Weg zum Hotel führte uns mitten durch eine studentisch geprägte Ecke des Pester Bezirks Belváros, vorbei am Universitätsgebäude samt Universitätskirche und lauter kleinen Läden und Lokalen – Erinnerungen über Erinnerungen! 

Kálvin tér
Egyetem tér

Unser Gepäck ließen wir im Amber Terrace Studios Gästehaus (zentrale Lage, günstiges und sauberes Zimmer, studentische Atmosphäre – sehr zu empfehlen!) und marschierten los. Am Nachmittag waren wir mit meiner damaligen Mitbewohnerin und einem Bekannten vor der Evangelischen Kirche am Deák Ferenc tér verabredet; die Zeit bis dahin wollten wir nutzen, um durch die Straßen von Pest zu schlendern, am liebsten an der Donau entlang, mit Blick auf den Burgberg.  Außerdem waren wir hungrig!

Obwohl wir Budapest schon recht gut kannten, waren wir wieder neu begeistert und elektrisiert von der Schönheit dieser Stadt! Den besonderen Reiz macht sicherlich die Lage an der Donau aus – egal, ob man von Pest aus nach Buda herüberschaut und den Burgpalast (Budavár palota), die Matthiaskirche (Mátyás templom) und die Fischerbastei (Halászbástya) über den Häusern thronen sieht, oder ob einem umgekehrt das Parlamentsgebäude (Országház) und der Stefansdom (Szent István Bázilika) in Pest vom Burgberg aus zu Füßen liegt – es gibt einfach kein schöneres Stadtpanorama! Auch die Brücken, die sich über den Fluss spannen, sind wunderschön! Es lohnt sich unbedingt, die Erzsébet híd oder die Széchenyi lánchíd (die berühmte Kettenbrücke) per Fuß zu überqueren.


Petőfi - ungarischer Nationaldichter
Tram Nr. 2, die auf der Pester Seite die Donau entlang fährt
Der Burgpalast

Die Kettenbrücke - mit Matthiaskirche und Fischerbastei im Hintergrund

Irgendwann wurde der Hunger doch zu groß, sodass wir uns von der Donau losrissen und am Vörösmarty tér, unweit der Shoppingmeile Váci utca, typisch ungarisches Streetfood kauften: Für meinen Mann gab es (natürlich) Schaschlik, ich entschied mich für Lángos, einen frittierten Teigfladen mit saurer Sahne und Käse. Wir waren beide nicht ganz glücklich mit unserer Wahl (und erst recht nicht mit dem Preis…), aber immerhin hatten wir „authentisch ungarisch“ gespeist und gestärkt für das Treffen mit unseren Bekannten.




Das Wiedersehen war herzlich und warm. Fast sechs Jahre lang hatten meine ehemalige Mitbewohnerin Júlia und ich nur sporadischen E-Mail-Kontakt gehabt, aber nach nur wenigen Minuten war es wieder ganz wie früher, als wir zusammen am Küchentisch stundenlang Gespräche führten oder miteinander durch die Stadt zum Gottesdienst gingen. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man an alte Beziehungen gleich wieder anknüpfen kann!
Nun schlenderten wir zu viert durch den Lipótváros, den Bezirk, in dem auch das Parlament beheimatet ist. Ein besonderer Ort in diesem Viertel ist auch der Szabadság tér, der Unabhängigkeitsplatz. Dort steht nicht nur ein höchst umstrittenes sowjetisches Ehrenmahl, auch die US-Botschaft ist hier ansässig, und eine lebensgroße Statue von Ronald Reagan... Gegenüber des Obelisken mit dem Sowjetstern befindet sich seit 2014 ein neues Denkmal, das an die deutschen Besatzung 1944 erinnern soll. Auch gegen dieses Monstrum aus Bronze und Stein gibt es nach wie vor heftige Proteste – waren doch die Ungarn damals Verbündete des deutschen Reichs gewesen, die Seite an Seite mit der Wehrmacht kämpften und sich als sehr eifrige Gehilfen bei der Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung erwiesen. Einige Angehörige jüdischer Holocaustopfer haben deshalb persönliche Gegenstände, Fotos und Informationsposter direkt vor das neue Denkmal gelegt, um damit der wahren Opfer zu gedenken. Ein sehr eindrücklicher Ort, der das gespaltene Verhältnis Ungarns zu seiner Geschichte anschaulich demonstriert.


Fako und Ronald Reagan
Sowjetisches Ehrenmal
Der deutsche Reichsadler greift den für Ungarn stehenden Erzengel Gabriel an



Nur wenige Straßen weiter gelangten wir an unser Ziel: Das Szamos-Kaffeehaus am Vértanúk tere mit Blick auf das Parlamentsgebäude. Dort genossen wir tejes kávét (Milchkaffee) mit Torte, zeigten stolz die mitgebrachten Fotos unserer Kinder und erfuhren allerlei Pessimistisches aus der ungarischen Gesellschaft: Während die Touristen seit einiger Zeit in Scharen nach Budapest einfallen, verlassen immer mehr gut ausgebildete junge Ungarn das Land. Hier sehen sie für sich keine Perspektive. Jobs und bezahlbarer Wohnraum sind rar, außerdem stehen viele der rechtskonservativen Orban-Regierung kritisch gegenüber und fürchten sich vor der politischen Entwicklung. Traurig!


Das Parlament
Szent István Bázilika

Gemeinsam liefen wir zum Deák Ferenc tér zurück, wo sich unsere Wege trennten. Falko und ich fuhren mit der „roten Metro“ (Nummer 2) auf die andere Donau-Seite. Am Széll Kálmán tér (der bei meinem letzten Aufenthalt noch Moszkva tér hieß; ein Relikt der sozialistischen Ära) stiegen wir aus und erklommen den Burgberg zu Fuß. Dass sich der Kauf eines 72-Stunden-Tickets für uns wirklich gelohnt hat, können wir wohl nicht sagen. Die meiste Zeit waren wir eigentlich zu Fuß unterwegs – nur so lässt sich eine Stadt wirklich erkunden, finden wir!
Oben angekommen, wurden wir mit einer wunderschönen Aussicht belohnt! In der anbrechenden Dunkelheit, wenn langsam alle Lichter angehen und die Sehenswürdigkeiten im Scheinwerferlicht erstrahlen, finde ich Budapest vielleicht am allerschönsten…

"Ein feste Burg ist unser Gott"

Mátyás templom


 
Halászbástya

   

 


Unsere Mägen meldeten sich nun wieder, und da wir außerdem ziemlich müde waren, entschieden wir uns, nach Pest zurückzufahren und in der Nähe des Gästehauses zu Abend zu essen. Das Táskarádio Eszpresszo in der Papnövelde utca 8 kannte ich noch von meinem letzten Budapestaufenthalt. In herrlicher Retro-Atmosphäre ließen wir den ersten Tag bei Wein und Salat (zumindest in meinem Fall...) ausklingen. 





*szerelmem = (ung.) meine Liebe... 




Kommentare:

  1. oohh wie schön! du machst mir Lust...
    Kann ich mich ohne Sprachkenntnisse in Ungarisch dort zurecht finden?

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  2. Auf jeden Fall! In Restaurants gibt es überall auch eine englische Speisekarte, oft auch eine deutsche - als Tourist kommt man mit Englisch auf jeden Fall durch, teilweise wird auch Deutsch gesprochen. Mehr als "Jó napot" (guten Tag) und "Köszönöm" (Danke) braucht man eigentlich nicht ;)
    Wir können Budapest wirklich nur empfehlen!
    Ganz liebe Grüße!

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  3. Klicke mich grad durch die "christlichen" Blogs. Bin total erstaunt was es hier alles gibt. Sehr lebendig und schön gestaltet. Kommt gut rüber! Liebe Grüße :-)

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    1. Danke! Es freut mich, dass du da bist und es dir hier gefällt :)

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