Dienstag, 12. September 2017

Eine Frage - und eine Antwort


Am vergangenen Samstag hatten wir viel zu tun, denn unsere Tochter feierte ihren 4. Geburtstag mit drei Freundinnen aus dem Kindergarten nach - eine Prinzessinnenparty! Vormittags dekorierte und backte und organisierte ich, war immer in Aktion, bis sich, kurz nach dem Mittagessen, plötzlich ein kleines Zeitfenster für mich öffnete. Ganz unverhofft und wunderbar.

Da ich mir vorgenommen habe, häufiger kreativ aktiv zu sein (statt passiv kreative Inhalte zu konsumieren) und mir das Art Journaling als regelmäßige Tätigkeit anzueignen, schnappte ich mir mein Tagebuch, ein paar Aquarellfarben, Papierreste und Buchstabenstempel und legte los.

Ein Wanderlust2017-Prompt diente mir als Ausgangspunkt: "Ich stelle mir oft die Frage..." 
Ehrlich gesagt stelle ich mir ständig sehr viele Fragen. Zur Zeit kreisen sie wieder häufiger um meine persönliche bzw. berufliche Zukunft, aber ich fand keine passende Formulierung, die allen diesen Fragen gerecht wurde. Da fiel mir ein Zitat von Mary Oliver ein, eine Frage, die Teil eines Gedichtes ist:

Tell me
what is it 
you plan to do
with your one 
wild and precious
life?

Ja, das war eine gute Frage, sie traf den Nagel auf den Kopf.

Statt Acrylfarben (die wohl am häufigsten beim Art Journaling verwendet werden) entschied ich mich für meinen persönlichen Favoriten: Aquarellfarben. Ich musste nur aufpassen, dass die dünnen Seiten meines Tagebuchs nicht rissen... Dann klebte ich Papierstreifen und die Pfauenfeder (von einem Glanzbilderbogen!) auf.
Die einzelnen Elemente der Seite fügten sich ganz schnell und leicht zu einem Ganzen zusammen - ich glaube, das ist es, was man gemeinhin als flow bezeichnet. Ich war voll im flow! Es fühlte sich irgendwie "richtig" an und ganz nach mir, und ich spürte, wie meine Energietanks sich füllten.

Während ich die Worte aufstempelte (ich mag das so, weil es mich entschleunigt! Man stempelt viel langsamer als man schreibt, und das ist so schön, ja, meditativ, weil ich auf diese Weise die Worte viel bewusster setze) und über diese große Frage meines Lebens nachdachte, hörte ich plötzlich in meinem Kopf die Antwort: Set your mind on the things above. Trachtet nach dem, was droben ist und nicht nach dem, was auf Erden ist. (Kolosser 3,2)

Da hatte ich meine Antwort bekommen, vollkommen unerwartet, schnörkellos und klar. Es kommt nicht darauf an, großartige, außergewöhnliche Dinge zu tun - vielmehr geht es darum, die Prioritäten im Leben richtig zu setzen. Wenn die Perspektive stimmt und ich mich auf das konzentriere, was wirklich wichtig ist, dann lebe ich "richtig".
Ich muss nicht jede Sekunde meines Lebens auskosten und spektakulär ausleben (eine Ansicht, die mich, ehrlich gesagt, total stresst!), ich muss nicht wissen, was der gigantische Plan für mein Leben ist, nein: I set my mind on the things above.

Ich möchte mein Leben nach dem ausrichten, was Gott für wertvoll, richtig und gut erachtet, nach den Werten, die ewigen Bestand haben. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Gottes Wort und Menschenseelen die einzigen Dinge sind, die in Ewigkeit bestehen. Und ich glaube, dass das stimmt. Also lohnt es sich, darauf den Fokus zu setzen. Schätze im Himmel zu sammeln.

Dieser Satz hat mir Frieden geschenkt. Einen umkämpften Frieden, zugegeben, den ich immer wieder mal zu verlieren drohe, aber er ist mir ein Anker in stürmischen Momenten.
Wenn ich denke, dass ich ganz dringend arbeiten gehen und Geld verdienen muss, dann erinnere ich mich selbst daran: Set your mind on the things above. Es ist richtig, jetzt und hier für meine Familie da zu sein, Zeit zu haben für Menschen, die mich brauchen, seien es meine Kinder, Nachbarn, Freunde oder Fremde. Ich möchte lieben, begleiten, dienen, beten, helfen, segnen. Das tun, was Jesus uns vorgelebt hat.
Wenn die Ungewissheit der Zukunft mich quält und es mir schwer fällt, nicht zu wissen, was Gott für mich im Sinn hat, dann sage ich mir selbst: Set your mind on the things above. Gott hält die Zukunft in seiner Hand und ich kann ihm vertrauen. Er wird mich versorgen: Alles andere wird mir zufallen, wenn ich zuerst nach Seinem Reich und Seiner Gerechtigkeit trachte. Wenn ich im Kleinen treu bin, übe ich für die großen Dinge.
Wenn ich das Gefühl habe, dass andere mich für mein Zuhause-Bleiben verurteilen, dann beschützt mich dieser Satz: Set your mind on the things above. Was Menschen über mich denken, ist vollkommen irrelevant. Es ist sogar egal, was ich selbst über mich denke! Das, was zählt, sind Gottes Gedanken, und die sind gut. Er spricht sie über meinem Leben aus, und wenn ich ganz genau lausche, kann ich sie hören... Du bist mein geliebtes Kind, an dem ich Wohlgefallen habe.

Insgesamt saß ich an diesem Samstagmittag vielleicht 15 Minuten an meinem Schreibtisch, bevor die Partyvorbereitungen weitergingen und der Trubel begann. Aber diese 15 Minuten waren genug. Meine Reserven aufgefüllt. Ich hatte mich aktiv kreativ betätigt, eine Frage gestellt und eine Antwort erhalten.
Was will man mehr?








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