Samstag, 10. Mai 2014

Ich male also



Kreativität kann man nicht verbrauchen.

Je mehr man sie nutzt, desto mehr hat man.

Maya Angelou


„Ich male also“ – so steht es in großen weißen Buchstaben auf einer Wand in der Stadt, in der mein Mann und ich getraut wurden. Diese drei Wörter haben mir immer gefallen, sie haben mich angesprochen. Fast wie eine Aufforderung. Mal doch mal wieder was!
Vermutlich wollte der Schreiber (ich gehe irgendwie davon aus, dass er männlich ist) aber nicht einfach nur feststellen, dass er malt, oder die Nachbarschaft auffordern, es ihm gleich zu tun – wahrscheinlich sollte der Satz noch weitergehen: „bin ich“. Ich male, also bin ich. Wer weiß, wer oder was ihn daran hinderte, sein Werk zu vollenden. Ich male, also bin ich – dieser Satz könnte von mir kommen. Oder würde ich sagen: Ich schreibe, also bin ich?
In den letzten Wochen habe ich nämlich diese beiden so geliebten und doch vernachlässigten Interessen wiederentdeckt. Meine beiden allerersten Hobbys. Im Kindergarten habe ich den ganzen Tag gemalt und gebastelt. Ich erinnere mich, dass die Erzieherinnen mich ständig überreden wollten, doch mal etwas anderes zu tun – aber darauf hatte ich gar keine Lust. Und ich weiß noch, wie ich an einem verregneten Nachmittag in meinem Zimmer saß und malte, und plötzlich war es Abend – mehrere Stunden hatten sich für mich angefühlt wie wenige Minuten, so vertieft war ich in meine Bilder. Das Lesen und Schreiben Lernen dann in der Grundschule war eine Offenbarung für mich. Auch daran habe ich noch sehr klare Erinnerungen, wie mich jeder neue Buchstabe begeisterte, wie ich alles Geschriebene lesen wollte, das meine Augen streifte, und wie ich meine ersten Geschichten schrieb. In denen ging es eigentlich immer um Pferde… das jedenfalls hat sich inzwischen geändert.
Die Faszination des geschriebenen Wortes und der Bilder aber ist für mich ungebrochen. Sie hat in den vergangenen Tagen und Wochen sogar noch zugenommen.
Am 2. Und 3. Mai nahm ich an einem Nachwuchsautorenseminar des SCM R. Brockhaus teil. Der Verlag hat mich in sein Nachwuchsautoren-Förderprogramm aufgenommen, nachdem ich zu einem Wettbewerb drei Kurzgeschichten (ich weiß schon gar nicht mehr, welche) eingereicht hatte. Die ganze Familie fuhr also nach Kassel – ich zum Schreiben, Falko zum Kind Hüten (und das Kind hatte keine andere Wahl). Eigentlich verdiene ich es gar nicht, mich „Nachwuchsautorin“ zu nennen, denn dafür müsste ich ja erst einmal etwas schreiben, geschweige denn veröffentlichen. Falko ermutigte mich aber sehr, am Seminar teilzunehmen und ich dachte mir, das wäre eine nette Abwechslung und vielleicht auch Quelle der Inspiration. Das war es dann in der Tat. Unsere Referentin, Christina Brudereck, brachte uns ihre wunderschönen Texte und tolle Schreibaufgaben mit; wir schrieben also wirklich viel an den zwei Tagen. Herrlich! Und total erstaunlich, was in zwanzig oder dreißig Minuten entstehen kann.
Meine Vorsätze, die ich am Ende des Workshops formulierte, lauten: 1. Jeden Tag etwas schreiben, egal was. 2. Mir ein Projekt suchen, an dem ich arbeite und welches schließlich veröffentlicht wird (sprich: Ich will ein Buch schreiben. Verrückt!) An Vorsatz 1 habe ich mich bisher gehalten, was mir überhaupt nicht schwerfiel. Im Gegenteil: Ich habe so viele Ideen und noch viel mehr Enthusiasmus! Auch Vorsatz 2 ist auf einem guten Weg. Mittlerweile habe ich sogar zwei Schreibprojekte, an denen ich arbeite. Zeit müsste ich haben, ganz ganz viel Zeit! 
Ach, ich bin so glücklich! Deshalb schmeiße ich auch grad mit Ausrufezeichen um mich, aber egal!!! Vielleicht noch ein paar Emoticons zur Abrundung? :D :D :D
Und ich schreibe nicht nur, ich habe auch zu meiner zweiten Jugendliebe zurückgefunden – ich zeichne und male wieder, bzw. ich übe mich im Illustrieren (für mein Projekt Nr.1). Und jetzt, wo die Fastenzeit vorbei ist, kann ich auch wieder backen. So wunderbar ist das Leben! Ich fühle mich, als wäre ich aus einem hundertjährigen Schlaf erwacht. Und so voller Energie und Tatendrang. Je mehr ich schreibe und zeichne und lese und male, desto glücklicher bin ich. 

So, und weil ich grad so fröhlich und dankbar bin, gibt’s für euch jetzt noch ein Kuchenrezept, ein paar Fotos und einen Text von mir :)


Apfelkuchen mit Rosmarin
(von Annik Wecker)


Zutaten für die Apfel-Rosmarin-Füllung:
2 säuerliche Äpfel (z.B. Boskoop)
2 EL Butter
3 TL Rosmarinnadeln (gehackt)
2 EL Apfelsaft
1 EL Zucker

Für den Teig:
250g Mehl
1 TL Backpulver
1 TL Natron
½ TL Zimt
1 Prise Salz
170g weiche Butter (+ Butter für die Form)
170g braunen Zucker
3 Eier
125g Sauerrahm (oder Creme fraîche)

Äpfel schälen, vierteln, das Kerngehäuse entfernen und die Apfelstücke in Würfel schneiden. Butter in einer Pfanne zerlassen und die Apfelwürfel zusammen mit den Rosmarinnadeln und dem Apfelsaft bei mittlerer Hitze 5 min dünsten. Zwischendurch ein paar Mal umrühren. Die Apfelmasse mit  Zucker bestreuen und noch 1-2 min weiterdünsten. Beiseite stellen.
Für den Teig das Mehl mit Backpulver, Natron, Zimt und Salz mischen. In einer anderen Schüssel die Butter schaumig schlagen. Den braunen Zucker dazu geben und unter die Butter rühren. Die Eier nacheinander kräftig unterschlagen. Die Mehlmischung und den Sauerrahm abwechselnd in zwei bis drei Portionen unterrühren, bis ein glatter Teig entstanden ist.
Die Apfelmischung mit dem Teigschaber unter den Teig heben, diesen anschließend in eine Springform füllen.
Backen bei 150°C für ca. 60 min.
Vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben und den Kuchen mit Schlagsahne servieren.



Ein kleines 5-Minuten-Gedicht vom Schreibseminar, passend zum Kuchen:

Wenn morgen schon die Welt vergeht,
will einen Apfelbaum ich heute pflanzen.
Kommt her, Verzweifelte, und seht
Die Hoffnung auf dem Grabe tanzen!
Unapfelig geht ihr zugrunde –
Schöpft Zuversicht in dieser Stunde!
Legt einen Kern bald in die Erde,
auf dass ein Hoffnungsbäumchen werde.



Bis bald - und denkt immer daran:

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