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Montag, 24. Dezember 2018

24. Türchen


24. Türchen: Ein Gedanke zum Warten - und ein kleines Weihnachtsgeschenk für euch!










Dieses Weihnachten ist mein drittes mit Kinderwunsch.
Auch wenn der Gedanke daran, gerade kein Kind in mir zu tragen, nicht mehr so schmerzhaft ist, wie er einmal war - das Warten bleibt.
Ich bin und bleibe eine Wartende.

Damit bin ich nicht allein.
Wir alle warten auf das eine oder andere,
mehr oder weniger dringend,
mehr oder weniger sehnsüchtig.

Vor Kurzem habe ich einen interessanten Gedanken gehört, der mich seitdem beschäftigt, und den ich euch an diesem letzten Tag des Advents mitgeben möchte:

"Beim Warten kommt es nicht so sehr darauf an, ob ich das, worauf ich warte, auch bekomme -
die Frage ist vielmehr, welche Person ich werde, während ich warte."

Was macht das Warten mit mir?
Wie warte ich?
Werde ich bitter, zynisch, misstrauisch?
Oder reifer, empathischer, vertrauensvoller?
Gebe ich auf oder halte ich durch?
(Und bedeutet loslassen automatisch aufgeben?)

"Warten verwandelt uns" - das habe ich mal bei Christina Brudereck gehört.

Die Frage ist nur, in wen oder was.

Ich weiß, dass mein über zweijähriges Warten mich verändert hat.
Jesus und ich, wir haben verschiedene Phasen durchschritten.
Gemeinsam.
Und ich glaube, darauf kommt es an.

Dass wir zusammen mit Jesus warten.
Und dass wir auf Ihn warten.
Voller Vertrauen und Hoffnung und Freude.


Das Beste kommt noch.
Dessen bin ich gewiss.

Wir sind nicht nur Wartende.
(Wir warten nicht auf Godot!) 

Wir sind Erwartende,
und das macht doch einen ziemlichen Unterschied!



Danke, dass ihr in diesem Advent mit mir zusammen unterwegs wart - es war mir eine Freude!

Als Dankeschön und als kleines Weihnachtsgeschenk habe ich ein letztes Freebie für euch vorbereitet: Mein erstes selbst erstelltes seamless pattern - ein weihnachtliches Muster, das ihr euch als Geschenkpapier ausdrucken oder für andere Basteleien verwenden könnt.


Freebie Geschenkpapier



Ihr dürft es euch gern herunterladen und ausdrucken -für euren privaten Gebrauch.

Gesegnete Weihnachten euch allen!




Sonntag, 23. Dezember 2018

23. Türchen


23. Türchen: Das Abenteuer der Weihnacht


Jeden Abend feiern wir mit unseren Kindern Advent. Wir zünden die Kerzen am Adventskranz an, singen Weihnachtslieder und lesen eine fortlaufende Geschichte.

Es ist eine schöne Geschichte mit toll illustrierten Bildern; die biblische Weihnachtsgeschichte wird kindgerecht erzählt - Marias Verlobung mit Josef, die Ankündigung des Engels, ihre beschwerliche Reise nach Bethlehem und dann, in einem ärmlichen Stall, die Geburt Jesu.

In der Geschichte sind alle nett zueinander. Die einzige negative Figur ist der Herold, welcher alle Bewohner Nazareths auffordert, sich in ihrer Geburtsstadt zählen zu lassen. Abgesehen davon sind wirklich alle sehr nett.
Marias vorhochzeitliche Schwangerschaft ist für Josef überhaupt kein Problem.
Maria reitet tapfer auf einem Esel und beklagt sich kein einziges Mal.
Die Frau eines Wirtes zeigt dem heiligen Paar ihren Stall und bringt ihnen sogar Essen vorbei.
Die Geburt Jesu dauert gefühlte zwei Minuten und verläuft ohne Komplikationen.
Das Jesuskind ist (oh Wunder!) blondgelockt und lächelt seine Mutter an, anstatt zu weinen...

Ja, es ist eine Kindergeschichte.

Und doch... mir ist sie trotzdem zu süßlich, zu glatt, zu einfach.

Wenn alle so nett und freundlich zueinander wären, wenn die Welt ein solch gastlicher Ort wäre - dann hätte Jesus gar nicht kommen müssen. Und ich glaube, das auch Kinder das schon verstehen können. Dass auch sie spüren und erleben, dass unsere Welt zerbrochen ist.

Meine Kinder sind noch klein und sie werden die Weihnachtsgeschichte noch oft lesen. Sie werden Predigten darüber hören und viele verschiedene Interpretationen und irgendwann wird sich ihnen, so hoffe ich, ein komplexeres Bild auftun über die Geschehnisse von damals.


Advent, das bedeutet Ankunft.
Vielleicht kommt das Wort aber auch von adventure. Abenteuer. Könnte doch sein...

Der allererste Advent war adventurous. Abenteuerlich.
Für Maria und Josef.
Für tausende andere, die ebenfalls unterwegs waren.
Für das kleine Jesuskind, das vom Himmel auf die Erde kam, in Windeln gewickelt und in eine Futterkrippe gelegt wurde.
Das, nur wenige Wochen alt, zum Flüchtling wurde.

Gott wird Mensch - was für ein Abenteuer!

Abenteuerlich auch für die Hirten und für die Weisen aus dem Morgenland.

Sie alle hatten es nicht leicht.
Die Welt, in der sie sich bewegten, war nicht immer freundlich zu ihnen.
Sie erlebten Schwierigkeiten, Anfeindungen, Abweisung, Ausgrenzung, Zweifel, Verfolgung, Angst, Schmerz.

Ganz genau wie wir.
Auch für uns verläuft die Advents- und Weihnachtszeit nicht immer so glatt und harmonisch wie wir es gerne hätten.
Krankheit, Tod, Arbeitslosigkeit, Sorgen, Streit und Stress sind auch im Advent eine Realität.

Jeder von uns erlebt seine eigenen Adventures...

(Und auch Heiligabend kann abenteuerlich verlaufen.)

Mittendrin im Adventure ist Jesus.
Das Gottkind in der Krippe.
Einer, der weiß, was es heißt, fern der Heimat zu sein.
Der Armut kennt, Kälte und Schmerz,
und dass die Dinge nicht so laufen wie erträumt.
(Maria und Josef hatten sich die Geburt ihres ersten Kindes sicher ganz anders vorgestellt.)

Der all seinen Reichtum, all seine Macht freiwillig hergegeben hat um uns nah zu sein.
So nah wie es nur geht.
So menschlich wie nur möglich.
Geboren von der Jungfrau Maria...

Das liebe ich so sehr an Weihnachten!
Dass, wenn wir uns doch schon wieder streiten und das Essen anbrennt und die Geschenke nicht rechtzeitig ankommen und ich mich über mich selber ärgere, ich im selben Augenblick weiß:
Das alles kann Jesus nicht abschrecken.
Im Gegenteil: Genau deshalb, weil wir so sind, wie wir sind, ist er zu uns gekommen!
Weil wir uns streiten und Fehler machen und uns über uns selber ärgern und es nicht schaffen, auch nur annähernd "perfekt" zu sein.
Deshalb ist er gekommen - um uns zu erlösen.
Um uns zu sagen und zu zeigen, wie sehr wir geliebt sind.

Sein Abenteuer auf der Erde endete nicht im Stall.
Da fing es gerade erst an!
Jesus Adventure führte ihn bis ans Kreuz und ins Grab, hinab in das Reich der Toten und zurück ins Leben! Aus lauter Liebe zu uns.

Liebe ist ein Abenteuer!
Wer wüsste das besser als Jesus.

Sein Abenteuer mit uns geht weiter, jeden Tag.
Im Advent und auch sonst.

Wenn wir mit Jesus unterwegs sind, ist eigentlich jeden Tag Advent.
Weil wir auf seine Ankunft warten.
Und weil jeder Tag ein Adventure ist.

Ich wünsche mir mehr Geschichten, die das so erzählen.
Nicht nur für Kinder.




Samstag, 22. Dezember 2018

22. Türchen

{enthält eine Verlinkung/unbeauftragte Werbung}


22. Türchen: Eine Adventsmeditation (von Anne)


Ankommen


Advent, das bedeutet Ankunft.
Der Retter kommt an auf der Welt.
Die Botschaft kommt an in unseren Herzen.
Das Geschenk kommt gut bei der Familie an.
Das Päckchen kommt bei mir an.
Der verlorene Sohn kommt zu Hause bei seinem Vater an.
Das Flugzeug mit den Winterurlaubern kommt in wärmeren Gefilden an.

Fliehen wir vor etwas, wenn wir uns in dieser kalten Zeit nach Geschäftigkeit und Urlaub sehnen?
Kommen wir wirklich da an, wo unser Herz zur Ruhe kommt? Wo die Quelle des Lebens ist?

Ich wünsche mir, dass Gottes Geist mich an dem Zufluchtsort ankommen lässt. In meinem Herzen,
nah an Gottes Herz. Dass ich diesen Advent aus Kraft, Liebe und Besonnenheit schöpfen kann.
Liebe gebe, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Kraft habe für Überstunden und das Leid, das andere oder mein eigenes Leben an mich herantragen.
Besonnenheit und Selbstbeherrschung, wenn meine Nervenstränge von den Umständen wie ein
Schlitten hin- und hergezerrt werden und ich lieber zu Lebkuchen und heißer Schokolade greifen
will, als die Situation mit Abstand und Bedacht zu beurteilen.

Ich komme an und stelle meinen Schlitten, der so voll beladen ist, auf dem Hof ab. Die Pferde, die
mit mir durch gingen, werden ruhig. Ich gebe den Ballast an den Hausherrn ab. Klopfe meine
schneenassen Stiefel auf der Matte ab, bevor ich frei und dankbar in mein Vaterhaus eintrete. Es ist
warm und hell erleuchtet. Es duftet und summt, es lebt. Hier bin ich und hier darf ich sein.
Angekommen bei ihm.






Dies war Annes letzter Beitrag zum Adventskalender. Vielen Dank, liebe Anne, für deine Unterstützung!

Lasst ihr doch gern einen Kommentar da; ich bin sicher, sie freut sich :)




Mittwoch, 19. Dezember 2018

19. Türchen


{enthält unbeauftragte Werbung}

19. Türchen: Schenken - Zeit statt Zeug


Hast du schon alle Weihnachtsgeschenke besorgt - oder fehlen dir noch welche?

Bevor du dich jetzt hektisch durchs Internet klickst oder dich ins Getümmel in der Fußgängerzone stürzt, habe ich einen Tipp für dich, der dir ganz viel Stress erspart und bei den Beschenkten bestimmt für leuchtende Augen sorgt.

Verschenk doch mal dich selbst.
Verschenk ein bisschen Zeit mit dir.

Auf der Internetseite Zeit statt Zeug findest du ganz viele Ideen, wie das aussehen kann.
Außerdem kannst du direkt einen Gutschein für eine gemeinsame Aktion verschicken und einen eigenen Wunschzettel schreiben.

Ich finde die Idee total super und werde sie auf jeden Fall  umsetzen!




Dienstag, 18. Dezember 2018

18. Türchen



18. Türchen: Eine besondere Geschenkidee (von Anne)


Es gibt Menschen, die einfach nicht gerne Weihnachtskarten verschicken oder nicht wissen, wohin
damit, wenn sie sie gelesen haben. Vielleicht gehörst du zur ersten Sorte oder kennst jemanden, der
sich lieber über persönliche Worte freut. Ein Anruf wäre gut, aber lässt sich nicht immer in den
stressigen Adventsalltag einbauen.




Mein Vorschlag: Schreib dir eine Liste der Menschen, die du dieses Jahr zu Weihnachten mit einer
persönlichen Sprachnachricht beschenken möchtest. Das geht über WhatsApp oder indem du eine
Audiodatei aufnimmst und auf anderem Wege verschickst.
Sprich der jeweiligen Person Kraft, Mut und Freude zu und segne sie für die kommende Zeit! Bitte
Gott vorher vielleicht auch um einen Bibeltext für diesen Menschen, den du dann vorlesen kannst.
Wie schön ist es, wenn man so eine persönliche Nachricht bekommt, die von Gott geprägt ist und
die man zudem immer wieder anhören kann!
Viel Freude dabei.







Montag, 17. Dezember 2018

17. Türchen


17. Türchen: Allerlei schöne Geschenke und eine große Rabatt-Aktion im Shop!


Eine Woche noch bis Heiligabend! Höchste Zeit also, die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen und Weihnachtskarten zu verschicken.
Um euch manch schwierige Entscheidung ein bisschen zu erleichtern, möchte ich euch heute ein paar Produkte aus meinem Shop vorstellen, die sich toll als Weihnachtsgeschenke machen - und euch einen Rabatt-Code verraten, der nur heute gilt :)
Um es euch leichter zu machen, habe ich bei jedem Produkt einen Direktlink zum Shop eingefügt.

Hier sind meine Geschenkideen:

...für Enkel, Nichten, Neffen und Nachbarskinder:

Ein hochwertiges, liebevoll illustriertes A4-Poster fürs Kinderzimmer! Derzeit könnt ihr aus drei Motiven wählen: 






... für Freunde, die frisch umgezogen sind und noch kahle Wände haben:

Original Kunstwerke - Mixed-Media-Leinwände in unterschiedlichen Größen und Ausführungen!








... für einen Menschen, der ein gutes Wort gebrauchen kann:

Eins von 13 handbemalten Tonschildern! Ein Tonschild kostet nicht viel, ist aber ein  persönliches und mutmachendes Geschenk.






... für eine Frau, die du schätzt und bewunderst:

Ein Original-Lettering, inspiriert von Sprüche 31:

Lady Wisdom
Lady Charity
Lady Dignity



... für Männer (und Switchfoot-Liebhaber):

Eine Mixed-Media-Leinwand mit Switchfoot-Songtexten!

Live it well
Hope is the anthem



... für eigentlich alle:

Ein schön illustrierter Wandkalender mit den Monatssprüchen für 2019.






Ich bedanke mich bei euch für jede Bestellung, für jedes Herzchen und jede Bewertung auf etsy - all das unterstützt meine Arbeit und macht es mir möglich, meinen Traum zu leben!


Hier ist noch der Rabatt-Code, den ihr nur heute (!) bei eurer Bestellung angeben könnt, um 10% Preisnachlass zu erhalten:  MERRYCHRISTMAS10

Der Rabatt gilt für alle Produkte außer die personalisierten Letterings und die Ausmalbilder.


Fröhliches Shoppen, ihr Lieben - ich freue mich auf eure Bestellungen! 




Montag, 3. Dezember 2018

3. Türchen



3. Türchen: Zum Nachdenken


Auch wenn man es sich heute mit all den Plätzchen, der opulenten Deko und der Weihnachtsmusik-Dauerbeschallung gar nicht mehr vorstellen kann: Der Advent war ursprünglich eine Fastenzeit, festgelegt für die Zeit zwischen dem Martinstag und dem Erscheinungsfest (Epiphanias).

Was macht dieser Gedanke mit dir - Advent als Fastenzeit?

Worauf möchtest du in diesem Advent ganz bewusst verzichten? 




Dienstag, 13. November 2018

Deine Stimme




Unsere tiefste Angst ist nicht,
dass wir unzulänglich sind,
Unsere tiefste Angst ist,
dass wir unermesslich machtvoll sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten,
nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns: „Wer bin ich eigentlich,
dass ich leuchtend, begnadet,
phantastisch sein darf?“
Wer bist du denn, es nicht zu sein?
Du bist ein Kind Gottes.
Wenn du dich klein machst,
dient das der Welt nicht.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun,
wenn du schrumpfst,
damit andere um dich herum,
sich nicht verunsichert fühlen.
Wir sind alle dazu bestimmt,
zu strahlen, so wie die Kinder.
Wir wurden dazu geboren,
die Herrlichkeit Gottes, die in uns ist,
zu offenbaren.
Sie ist nicht nur in einigen von uns,
sie ist in jedem Menschen.
Und wenn wir unser eigenes Licht
erstrahlen lassen,
geben wir unbewusst anderen Menschen 
die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
Wenn wir von unserer eigenen
Angst befreit sind,
wird unsere Gegenwart
ohne unser Zutun andere befreien.

Marianne Williamson (A return to love)




Was ich am Leben, wie Gott es erdacht und geschaffen hat, so liebe, ist (unter vielem anderen), dass wir immer dazu lernen können. Dass es immer etwas Neues zu verstehen, zu entdecken, zu begreifen gibt. Dass es nie zu spät ist, einen Aha-Moment zu erleben. Dass Gott mit uns weitergeht, jeden Tag, dass er uns neue Perspektiven eröffnet, Weite schenkt.
Unser Gott ist nicht knauserig oder engstirnig.
Er ist unendlich verschwenderisch und großzügig.
Er liebt es, uns zu beschenken.
Er lässt meinen Becher überfließen.
Er mag es bunt und wild und vielfältig. 

Und ich bin so dankbar, dass ich das immer mehr schmecken und sehen darf.

Am vergangenen Wochenende war ich zusammen mit etwa 25 anderen christlichen Bloggerinnen zur "Netzleuchten"-Konferenz eingeladen, initiiert von Veronika Smoor und Christina Schöffler, organisiert vom SCM-Verlag.
Dass ich überhaupt eingeladen wurde, hat mich überrascht.
Ich bin doch nur ein kleines Licht im großen weiten Internet.
Ein leises, heiseres, manchmal Tränen-ersticktes Flüstern im tosenden Datensturm des Word Wide Web.

Aber dann habe ich doch zugesagt und bin mit klopfendem Herzen hingefahren.
Gott sei Dank.


Ich komme aus einer Welt, in der Individualismus ziemlich negativ bewertet wird. In der wenig gelobt und bestätigt wird, damit sich niemand stolz erhebt. In der Selbstverwirklichung ein Schimpfwort ist und man seine Fähigkeiten und Erlebnisse runterspielt (und sich doch so sehr nach Anerkennung sehnt).
Der Ursprung dieser Haltung liegt wahrscheinlich unter anderem im Ausruf Johannes des Täufers: "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen" (Johannes 3,30). Das Ich hat keinen Platz. Das Ich ist nicht wichtig, darf nicht wichtig sein.

Inzwischen bin ich mir sicher, dass dieser Vers anders zu verstehen ist.
Dass es darin nicht um Individualismus geht (ich meine, Johannes der Täufer war in gewisser Weise auch Individualist - von wegen Einsiedler in der Wüste und ein ziemlich spezieller Geschmack in Sachen Klamotten und Ernährung...), sondern um das Ego.
Es ist ein Weg, auf dem ich nun schon eine Weile unterwegs bin - ein Weg, der neu und heilsam und unfassbar befreiend ist - und auf dem ich am vergangenen Wochenende ein gutes Stück voran gekommen bin.


Am Eröffnungsabend stellte jede Teilnehmerin sich selbst und ihren Blog vor, erzählte von ihrer persönlichen Lebenssituation und von ihrem Herzensthema. Jede kam zu Wort. Und keine war ein kleines Licht. Vielmehr sah ich in jeder von ihnen ein Leuchten und Strahlen und Funkeln von ganz tief innen. Netzleuchten. Ich hörte starke Stimmen - Stimmen, die etwas zu sagen haben, im lauten Brausen des Internets. Eine wunderschöne Vielfalt. Fülle. Überfluss.

Und am Samstag ging es dann konkret um die eigene Stimme.
Um meine Stimme.
Von der ich mir manchmal nicht sicher bin, wie sie eigentlich klingt.
Die ich so oft mit der anderer vergleiche.
Worte, die eine andere so viel besser findet als ich.
Und wieder eine andere, die genau den richtigen Ton trifft.
Die das ausdrückt, was ich fühle, aber nie im Stande wäre, in Worte zu fassen.

Veronika sagte in ihrem einführenden Impuls: "Ja, es stimmt: Andere können es besser. Aber keine kann es so wie du. Du, und nur du, kannst mit deiner eigenen Stimme schreiben. Die hat keiner außer dir. Und egal, wie viele oder wie wenige Menschen deine Texte lesen: Irgendjemand braucht deine Stimme."

Das ging mir nah.
Ich erkannte die tiefe Wahrheit, die darin steckt.
Meine Stimme habe nur ich.
Wenn ich sie nicht gebrauche, tut es niemand.
Wenn ich stumm bleibe, dann fehlt etwas.
Meine Stimme ist nicht zu ersetzen.




Das Thema der eigenen Stimme zog sich durch das gesamte Wochenende und blitzte immer wieder in neuen Facetten auf:

Im Lobpreis, der nur dann so wunderschön und voll klingt, wenn jede Stimme dabei ist.
Wir brauchen einander.
Wir brauchen jede Stimme.

Im Referat zum Thema "Marke und Profilierung": Könnte man es so sehen, dass ich eine Marke Gottes bin?
Ein einzigartiges "Produkt", mit dem Gott der Menschheit seine Liebe nahe bringen möchte - auf eine Art und Weise, in der nur ich es kann?
Wie kann ich der Welt das schenken, das Gott in mich, ganz individuell und einzigartig, hineingelegt hat? Und wie kann ich andere dazu ermutigen, das auch für sich herauszufinden?
Ein großartiger Gedanke, der mich seitdem nicht loslässt.

In der Predigt am Sonntag, die Veronika mit dem Zitat von Marianne Williamson schloss.
Lass dein Licht erstrahlen.
Lass deine Stimme erklingen.
Trau dich, wunderbar zu sein und strahlend hell zu leuchten!

Nicht, weil du deine eigene kleine Sonne bist, deine eigene geniale Schöpfung -
nein, weil du ein unendlich geliebtes Kind Gottes bist, Sein Ebenbild, ein kostbares Einzelstück (Prädikat: besonders wertvoll) mit einem von Gott persönlich zusammengestellten Paket an Fähigkeiten, Stärken, Lichtpunkten, Aufgaben und Wirkungsstätten, das es so kein zweites Mal gibt in diesem weiten Universum.

Wenn Gott das Ich egal wäre, und wenn er etwas gegen Individualismus hätte -
warum hat er uns dann so wunderbar vielfältig und bunt und schillernd und unterschiedlich erschaffen?

Er wollte uns so, jede für sich, ganz besonders und unvergleichbar.
Er wollte mich so, wie ich bin, als genau dieses Ich. 
Mit dieser Stimme, die manchmal zu laut ist und dann wieder vor Unsicherheit zittert.
Die vieles zu sagen hat und manchmal doch besser still wäre.
Die nach Worten ringt und dann, meistens, auch welche findet.
Die Dinge sagt, die weh tun und die Wunden heilen.
Diese Stimme, die nichts Besonderes ist - aber doch einzigartig und unverwechselbar.
Eine Stimme, die es so kein zweites Mal gibt.


Und wenn eine andere Stimme erklingt, hell und stark und wahr, dann muss ich nicht verschüchtert erstummen.
Ich darf zuhören.
Applaudieren.
Lachen über diesen genialen Einfall Gottes.
Und ich darf einstimmen, mit meiner eigenen Stimme, in das große Gotteslob.

Denn darum geht es doch: Gottes Liebe weitergeben, Seinen Namen verkünden, Ihn groß machen.

Nicht mit einem einzigen, ewig gleich klingenden Ton aus tausend geeichten Kehlen.

Nein.
Vielmehr:
Jede mit ihrer eigenen Stimme.
Laut und leise.
Hell und dunkel.
Schrill und dumpf.
Sopran und Alt.
Dur und Moll.
Besänftigend und kämpferisch.
Schwarz und weiß.
Pfeffer und Salz.
Zart und hart. 

Vielfältig, bunt und wild und auch mal ein bisschen schräg.
Ja, eine kleine Dissonanz gehört auch dazu!

Du darfst einstimmen in den Chor:
Deine Stimme hast nur du.
Deine Stimme fehlt, wenn du schweigst.

Lass dein Licht brennen.
Stell es nicht unter einen Scheffel -
dafür hat Gott dich nicht angezündet.
Leuchte! 
Hell und warm und weit.
Damit dein Licht viele einlädt, an den Tisch zu kommen
und zu schmecken, wie gut unser Gott ist,
wie verschwenderisch und großzügig.

Freebie zum Runterladen und Ausdrucken für den privaten Gebrauch - teilen nur mit Hinweis auf die Urheberschaft. Danke!

Als Erinnerung an dieses Wochenende für mich und meine lieben Blogger-Kolleginnen und auch für jede von euch, die das hier liest, habe ich ein kleines Lettering erstellt - ein Freebie zum Runterladen und Ausdrucken und Aufhängen.
Für die Kloß-im-Hals-Momente, oder wenn du mal wieder denkst, dass die anderen Stimmen so viel besser klingen als deine eigene.

Deine Stimme zählt.
Lass nicht zu, dass sie fehlt
im Chor der Leuchtreklamen,
die im Dunkeln blinken und rufen,
dass die ganze Welt es hört:
Gott liebt dich!
Ganz genau so, wie du bist.





 


Sonntag, 28. Oktober 2018

Warum wir Halloween nicht feiern




In den letzten Jahren nimmt der Halloween-Trend immer mehr zu und es ist schwer, sich all den Kürbisfratzen, Totenschädeln und Gruselartikeln zu entziehen, die schon Anfang Oktober in der Werbung und in Geschäften zu finden sind. Auch auf Blogs ist vermehrt von Halloween zu lesen, mit Deko-Tipps und gruseligen Rezepten und (scheinbar) familientauglichen Aktivitäten.

Für mich ist diese Faszination, ehrlich gesagt, befremdlich.
Wir als Familie feiern Halloween ganz bewusst nicht, und ich möchte gern ein paar Gedanken mit euch teilen, warum wir das nicht tun - und wie wir stattdessen den 31. Oktober begehen.

Bevor ich auf unsere Beweggründe eingehe, möchte ich noch voranstellen, dass dies meine bzw. unsere persönliche Meinung ist und wir diese Erkenntnisse für uns als Familie so für richtig halten. Wenn ihr das mit euerer Familie anders handhabt, interessiert mich auf jeden Fall das Warum und wie ihr zu meinen Argumenten steht! Zögert also nicht, mir einen Kommentar zu hinterlassen oder auch eine Nachricht zu schreiben.

Also, warum wir Halloween nicht feiern:

1) Wir finden die Art und Weise, wie dieses Fest begangen wird, nicht sinnvoll und nachahmenswert. Abgesehen davon, dass Halloween total kommerzialisiert wird und es dabei um keine vermittlungswürdigen Werte, sondern primär um Süßigkeiten und Grusel geht, waren diese beiden Aspekte für unsere Entscheidung entscheidend:

  • Wir möchten unsere Kinder nicht zu Erpressung anstiften
Natürlich kann man es lustig finden, dieses ganze "trick-or-treat", "Süßes-oder-Saures"-Prinzip. Ein harmloses Spiel für die Kinder.
Ganz so lustig und harmlos ist es aber nicht. Wir haben zumindest schon erlebt, dass die Drohung in die Tat umgesetzt wurde, dass Hauswände mit Eiern beworfen wurden und ähnliches. Vielleicht nicht von kleinen Kindern, aber zu einer Zeit, zu der auch kleine Kinder draußen unterwegs waren.
Letztlich ist "Süßes-oder-Saures" nichts anderes als Erpressung, und dazu werden wir unsere Kinder nicht anstiften oder gar dabei begleiten.
Das ist nicht die Ethik, die unser Handeln bestimmen soll.

  • Wir halten es für bedenklich, Kinder dazu zu ermutigen, Süßigkeiten von fremden Menschen anzunehmen
Noch weniger nachahmenswert finden wir aber die Praxis, dass Kinder herumlaufen (zunächst noch in Begleitung ihrer Eltern, später aber auch allein), um bei fremden Menschen zu klingeln und Süßigkeiten zu verlangen - Süßigkeiten, die wir ihnen sonst einschärfen, niemals von Fremden anzunehmen!
Mal abgesehen davon, dass wir nicht so darauf stehen, dass unsere Kinder Unmengen von (größtenteils) billigen Süßigkeiten einsammeln und verzehren - Halloween ist unter Umständen eine Möglichkeit für Menschen mit bösen Absichten, Konakt zu Kindern aufzunehmen und sie mit Süßigkeiten anzulocken.
In einem ländlichen Setting, wo man sich ohnehin untereinander kennt, ist diese Gefahr möglicherweise geringer, aber gerade in der Stadt, wo so viele Menschen dicht an dicht wohnen und man unmöglich alle Nachbarn kennen kann, möchten wir nicht, dass unsere Kinder an Halloween unterwegs sind.


2) Wir können nicht hinter dem stehen, was an Halloween gefeiert wird:
  • Die Herkunft von Halloween ist zumindest dubios
Ob Halloween einen keltischen (heidnischen) Ursprung hat, wird von manchen Seiten bestritten. Ein klar christliches Fest ist es jedoch auch nicht, wenn es auch auf den katholischen Feiertag Allerheiligen fällt.
Natürlich könnte man argumentieren, dass auch urchristliche Feste wie Weihnachten und Ostern mit teilweise heidnischen Bräuchen und Symbolen begangen werden. Dem gegenüber steht aber die Tatsache, dass wir als Christen genau wissen, was und vor allem wen wir an Weihnachten und Ostern feiern, und dass dieser Jesus bei diesen Festen für uns im Mittelpunkt steht.
Bei Halloween ist das nicht der Fall, und an Fasching übrigens auch nicht. (Und der Kommerzialisierung und Sinnentleerung der christlichen Feiertage stehe ich auch sehr kritisch gegenüber!)

  • Wir können und wollen das, was an Halloween gefeiert wird, nicht feiern
Dies ist für uns das wichtigste und entscheidende Argument, Halloween nicht zu feiern: Wir können und wollen die Dunkelheit nicht glorifizieren. Dämonen, Geister, Hexen, Totengebeine - all diese Wesen stehen für den Tod und für das Böse.
Wir aber glauben an das Leben, wir möchten Kinder des Lichts sein, wir glauben an den Sieg Jesu über das Böse!
Ich habe in letzter Zeit Erfahrungen mit einer jungen Frau gemacht, die in okkulten Verstrickungen gefangen ist. Für sie haben Dämonen und Geister eine ganz andere Realität als die meisten von uns sich das vorstellen können. Es gibt in ihrem Leben eine dunkle Macht, die sie zerstören will, und ich bete so sehr dafür, dass Jesus sie frei macht - dass sie erlebt, dass das Böse nicht in ihrem Leben herrschen darf.
Auch deshalb bin ich sehr vorsichtig mit Phänomenen, die in Richtung Esoterik oder gar Okkultismus gehen. Ich halte nichts davon, Zauberei oder lustige "Hex! Hex!"-Geschichten zu verharmlosen.  Nicht aus Angst, sondern weil ich allem, was Jesus ablehnt und verspottet, keinen Raum zugestehen möchte. Er ist der Herr, und er ist der Heiland, und außer ihm gibt es keinen anderen!
Nicht zu Halloween und an keinem anderen Tag.


Mir ist klar, dass Halloween auch in gläubigen Familien immer mehr salonfähig wird.
Ich bin keine, die grundsätzlich gegen alles ist.
Aber ich bin auch nicht einfach für etwas, nur weil alle anderen es toll oder unbedenklich finden.
Und an Halloween finde ich überhaupt nichts Gutes.


Wie begehen wir aber nun den 31. Oktober?

In unserer Gemeinde findet schon seit vielen Jahren am Abend des 31. Oktobers das sogenannte "Reformationstagsfeuer" statt. Wir feiern im Gemeindegarten mit Lagerfeuer, Stockbrot, Würstchen vom Grill, Glühwein und Kinderpunsch und (für die Kinder ganz wichtig) vielen Knicklichtern.
Es gibt eine Andacht oder einen Impuls zum Thema Reformation - im vergangenen Jahr, anlässlich des 500. Reformationsjubiläums, gab es ein etwas umfangreicheres Programm. Wir konnten uns zum Beispiel alle als Martin Luther verkleidet fotografieren lassen :)


Die Gemeindekinder lieben dieses Fest und haben darin eine schöne Alternative zum Süßigkeiten erpressen gefunden - Süßigkeiten gibt es am Reformationstag in der Gemeinde natürlich auch.

Unsere Kinder sind relativ klein und bekommen den Hype um Halloween noch nicht so mit.
Wenn es für sie ein Thema wird und sie zusammen mit anderen Kindern verkleidet um die Häuser ziehen möchten, werden wir mit ihnen besprechen, warum wir das nicht wollen. Die Argumente, die ich euch oben aufgelistet habe, sind auch für Kinder verständlich.
Wir bieten ihnen eine schöne Alternative: Eine Art zu feiern, die Gemeinschaft fördert, die Jesus in den Mittelpunkt stellt, die wie ein Licht leuchtet in einer dunklen Nacht.

Es gibt für uns einfach keinen einzigen Grund, Halloween zu feiern, nur lauter Gründe, die in unseren Augen dagegen sprechen - und deshalb tun wir es nicht.



Was denkt ihr darüber?
Wie handhabt ihr Halloween mit eurer Familie?

Ich bin gespannt auf eure Kommentare!


Sonntag, 21. Oktober 2018

Loslassen



Unser Keller war voll.
So voll, dass man, um ihn betreten zu können, sich erst einmal den Weg frei räumen musste.

Das nervte mich schon lange.
Das meiste Zeug, das dort unten in Kisten, Kartons und Tüten lagerte, waren Baby- und Kleinkind-Dinge. Schuhe. Milchfläschchen. Spielzeug. Kinderwagenzubehör. Und vor allem: Klamotten. Einige davon hatte mein Bruder für seinen Sohn bekommen - trotzdem war der Keller noch voll. Wir haben alles aufgehoben, weil wir dachten, da kommt ja noch eins...

Zwei Jahre später warteten wir noch immer, der Krempel türmte sich währenddessen im Keller höher und höher auf - und belastete mich. Auch wenn ich mich nicht wirklich oft im Keller aufhalte, so fühlte ich mich doch beschwert von all dem Zeug, das wir gerade überhaupt nicht brauchen, und das wir - so sieht es gerade aus - nie mehr brauchen werden.

Monatelang habe ich mit mir gerungen: Geben wir die Sachen weg oder warten wir noch damit - und wenn ja: Wie lange? Mich von all den Erinnerungen und "Sachen-für-den-Fall-der-Fälle" zu trennen, fiel mir schwer.
Wäre das nicht Aufgeben?
Was, wenn doch noch ein Kind kommt?

An einem Abend vor etwa zwei Wochen entschieden wir ganz spontan: Wir würden den Keller entrümpeln und alles weggeben, was wir noch an Baby- und Kleinkindsachen hatten.

Ich ging direkt am nächsten Tag ans Werk: Verschaffte mir einen Überblick, schmiss unbrauchbare Sachen weg, sortierte Klamotten, fotografierte Autoschale, Wickeltasche, Kinderwagen-Fußsäcke, Gitterbettchen und Kinderstuhl und stellte sie bei ebay-Kleinanzeigen rein. Zum Verschenken. Es kostete mich einige Nerven, aber letztlich wurde alles abgeholt.
Einige Spielsachen legte ich für unseren Neffen in eine Kiste, andere bekam unsere Kita und manches wanderte auch in den Müll.
Drei große Kisten mit (hauptsächlich) Mädchen-Klamotten schaute ich durch: einige wenige Teile behielt ich als Andenken, eine Kiste mit wirklich schönen Sachen ließ ich eine Freundin durchschauen, den Großteil packte ich für eine Kleiderkammer von Bekannten aus der Gemeinde zusammen. Die werden auch die vier Kartons voller Kinderschuhe bekommen.

Unser Keller ist wieder betretbar.
Und ich fühle mich total befreit.
Es ist, als wäre eine große Last von meinem Herzen genommen.

Das dritte Kind ist damit zwar noch nicht vom Tisch - wenn sich doch noch ein kleiner Mensch zu uns gesellen möchte, werden wir ihn so gern willkommen heißen! Und wir wissen auch, dass sich alles finden wird - das, was wir für ein drittes Kind brauchen, werden wir schon bekommen (und wir wissen, dass man für den Anfang sehr viel weniger braucht als man noch beim ersten Kind denkt!).

Trotzdem... ich übe mich im Loslassen.
Das Mich-Trennen von all den Babysachen ist ein praktischer Schritt, der es meinem Herzen leichter machen soll - und ich glaube, es funktioniert.








Montag, 8. Oktober 2018

Fülle



Mein Leben ist gerade so voll!
Als ich die Kinder zum Kindergarten gebracht hatte, warf ich schnell eine Ladung Wäsche in die Maschine, aß ein Croissant zum Frühstück (während ich die Texte der heutigen Bibellese las) und radelte dann los zur Grundschule, um unsere Tochter dort für das nächste Schuljahr anzumelden.
Zurück zu Hause führte ich ein Telefonat mit der Druckerei, bei der Anne und ich unsere 365-Tage-Kalender (!) drucken lassen möchten, und informierte sie anschließend über den Stand der Dinge.
Jetzt piepte die Waschmaschine und ich konnte die Wäsche aufhängen. Schnell noch einen Instagram-Beitrag (samt Story) posten und an den Computer: mit dem Layouten des 365-Tage-Kalenders beginnen.
Den Ofenkürbis mit Feta schob ich zwischendurch in den Ofen; nachdem ich meine Portion verdrückt hatte, ging es weiter mit dem Layout.
Gerade rechtzeitig kam ich am Kindergarten an, um die Kinder abzuholen. Heute gingen wir nicht allein nach Hause, sondern nahmen uns Besuch mit - eine Kindergartenfreundin mit ihrer Mama. Diese begleite ich nun schon seit mehreren Jahren durch teilweise sehr schwere Zeiten. Gerade in den letzten Wochen habe ich verstärkt für sie gebetet und nun öffnet sie sich mehr und mehr für Jesus, möchte sogar am Sonntag mit uns den Gottesdienst besuchen!
Wir Mamas saßen auf der Couch, tranken Kaffee und redeten über alles mögliche, während die Kinder im Kinderzimmer spielten. Als sie sich verabschiedeten, setzte ich mich wieder an den Computer, um noch weiter zu arbeiten. Irgendwann kam mein Mann nach Hause, wir aßen zu Abend, hatten zum ersten Mal an diesem Tag richtige "Familienzeit".
Jetzt sind die Kinder im Bett - ich habe Nachrichten an verschiedene Freundinnen und an meine Familie geschrieben, und dann war da noch dieser Blog-Post, der unbedingt raus wollte...

Ein voller Tag! Und der morgige wird nicht viel anders aussehen...
Die Kinder, der Haushalt, unsere Ehe, Freundschaften, die Gemeinde, Beziehungen im Kindergarten und in der Nachbarschaft - all das habe ich in den letzten Jahren zu jonglieren gelernt.
Seit ein paar Monaten bin ich aber auch noch eine "working mom", eine kleine Unternehmerin, die ihr Business zum Laufen bringen will.
Das hat meinen Alltag ziemlich radikal umgekrempelt.

Und ich muss zugeben, dass ich daran zu knapsen habe.

Ich bringe meine Kinder jetzt früher zur Kita, damit ich mehr produktive Stunden für mein Business nutzen kann. Das gemeinsame Frühstück fällt dadurch weg.
Der Haushalt leidet - Priorität haben einfach andere Aufgaben.
Spontan mal unter der Woche eine Freundin zum Frühstück treffen? - nicht mehr ohne weiteres möglich.
Am Abend entspannt mit dem Mann auf der Couch sitzen und einen Film schauen - da gibt es so oft noch ein oder zwei Punkte auf der To-Do-Liste, die ich abarbeiten muss möchte.

Und wenn ich dann endlich - viel zu spät und todmüde - im Bett liege, kommen meine Gedanken nicht zur Ruhe.


Ich dachte, dass es mich glücklicher machen würde, meinen Traum zu verwirklichen und das zu tun, was ich schon so lange tun möchte.
Aber das ist nur die eine Seite der Medaille.
Ich bin, wie ich schon einmal geschrieben habe, eine ziemlich "extreme" Person: Wenn ich etwas tue und davon wirklich begeistert bin, dann will ich mich voll und ganz darauf konzentrieren. Dann ziehe ich das durch und ordne alles andere diesem Projekt unter. Dann werde ich zum Arbeitstier!
So geht es mir mit meinem Shop: Ich bin Feuer und Flamme für mein kleines Business und würde am liebsten alle 24 Stunden des Tages in den Shop investieren. Alle anderen Tätigkeiten und Aktivitäten stören mich da nur...

Nun besteht mein Leben aber nicht nur aus meiner neuen Selbstständigkeit.
Kinder, Haushalt, Ehe, Freundschaften, Gemeinde, Beziehungen im Kindergarten und in der Nachbarschaft sind auch noch da, wollen auch noch was von mir!

Es gibt Momente, da bin ich überhaupt nicht glücklich. Da bin ich einfach nur müde und überfordert und genervt von allem. Da möchte ich mein "einfaches" Leben zurück - die Zeiten, in denen ich dreimal die Woche frühstücken gehen konnte, in denen die Wohnung glänzte, in denen ich mich nach einem Nachmittag auf dem Spielplatz wie eine Übermutter fühlte und am Abend mit meinem Mann auf dem Balkon ein Glas Vinho Verde schlürfte...

Als ich wieder einmal auf dem Weg zur Kita war, auf dem letzten Drücker wie irgendwie immer in letzter Zeit, und meine Gedanken rasten und die To-Do-Liste in meinem Kopf immer länger wurde, da ploppte auf einmal ein ganz anderer Satz auf:

"Du hast in deinem Leben gerade eine wunderbare Fülle!"

Und plötzlich bemerkte ich, wie herrlich blau der Himmel strahlte und dass meine Füße über einen gelben Blätterteppich schritten, dass in meiner Jackentasche eine glatte Kastanie steckte und wie zärtlich warm die Sonne mein Gesicht streichelte...
Was für ein wunderbarer Tag! Was für ein wunderbares Leben! Was für eine Fülle!

Dass ich das alles habe:
einen Mann
zwei Kinder
ein Zuhause
Klamotten zum wechseln
lauter Bekannte, die mich unterwegs in ein Gespräch verwickeln
Freundschaften
eine Gemeinde und einen Hauskreis
Kaffee-Dates am Nachmittag
diesen Blog
mein kleines Business
tausendundeine Idee in meinem Kopf
wunderschöne Projekte für den Shop
einen interessanten Fußweg zum Kindergarten (wenn ich eine Erleuchtung habe, dann sehr oft genau auf diesem Weg!)
Menschen, für die ich da sein kann
ein Auge für Schönheit
meinen Körper und ein Fahrrad
...

und meinen Gott, der mich immer wieder daran erinnert!


Dieser Satz, dieser Moment war ein Wendepunkt für mich.
Ein Perspektivwechsel.
Aus einem überforderten "Mir ist alles zu viel"
wurde ein dankbares "Ich habe ja so viel!"

Nicht alles wird dadurch einfacher und die Herausforderungen bleiben dieselben - aber mein Herz ist leichter seitdem. Ich empfinde weniger Druck.
Und wenn der Stresspegel steigt, erinnere ich mich selbst daran: "Was für eine wunderbare Fülle!"

Ich möchte diese Fülle leben.

Wenn ich gerade am Computer sitze und arbeite und mein kleiner Sohn kommt herein, um mir sein neustes Bauwerk zu zeigen - das ist Fülle.
Wenn ich nach einem vollen Tag noch einen Blog-Post schreiben kann - das ist Fülle.
Wenn das Nudelwasser kocht und im gleichen Augenblick die Waschmaschine piept und eine neue Bestellung reinkommt - das ist Fülle.
Wenn ich mich auf dem Weg zur Kita verspäte, weil ich mich mit einer Nachbarin verquatsche - Fülle.
Wenn ich abends nicht schlafen kann, weil mein Gehirn vor Ideen überquillt - Fülle!

So möchte ich meinen Alltag sehen: durch die rosarote Brille der Dankbarkeit.

Ich bin dankbar für dieses prallgefüllte Leben.
Es ist gut.
So viel mehr als ich erbeten habe.
So viel mehr als ich verdiene.
Es ist alles Gnade,
alles Geschenk.

Alles.












Sonntag, 16. September 2018

#i_weigh - was mich wirklich ausmacht




Was bin ich wert?
Was macht mich aus?
Wer bin ich - und bin ich so gut genug?

In den sozialen Medien kursiert ein Foto der Kardashian-Frauen, auf dem jede der Dargestellten mit einer Zahl versehen ist - ihrem Gewicht in Kilogramm. Die Schauspielerin Jameela Jamil rief als Reaktion auf dieses Foto (das ich übrigens selbst nicht gesehen habe) die Kampagne #i_weigh ins Leben: Frauen sollen sich nicht länger über ihr Gewicht oder ihre Körperform definieren, sondern über das, was sie im Leben erreicht haben, wer sie in Beziehungen sind, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sie erworben haben. So haben schon über tausend Frauen gepostet, was sie - in ihren Augen - ausmacht:
Mutter
Ehefrau
Schwester
politisch engagiert
Abitur
finanziell unabhängig
Künstlerin
Sportpreise gewonnen
Muslima
Weltreise gemacht
Tumor überlebt
Träumerin
großer Freundeskreis
...



Mich hat das sehr nachdenklich gemacht.

Auf der einen Seite finde ich es gut, von übertriebenen Körperbildern wegzukommen, von der Verherrlichung der Idealfigur - kein Mensch, egal ob Mann oder Frau, sollte auf seinen Körper reduziert werden und sich ausschließlich darüber definieren, ob man dem Schönheitsideal unserer Gesellschaft entspricht oder nicht.

Auf der anderen Seite: Den tatsächlichen Wert eines Menschen stellt auch diese Instagram-Kampagne nicht fest.

Das Prinzip bleibt dasselbe, nur dass anstelle des Gewichtes andere, vielfältigere Parameter treten.
Dann vergleiche ich eben nicht meinen Körper mit dem anderer Frauen. Ich vergleiche mich aber trotzdem, ich messe und stelle Unterschiede fest. Ich fühle mich in manchen Bereichen unterlegen, in anderen entwickle ich ein Gefühl von Stolz und Überheblichkeit.

Was ist mit der ungewollt Kinderlosen, mit der Verlassenen, mit der Schulabbrecherin, der Hartz-IV-Empfängerin, der Rollstuhlfahrerin, der Einsamen, der Abgehängten...?

Nein, gerade das wollen wir doch nicht - oder?
Immerzu dieses Vergleichen und Auftrumpfen und sich selber Darstellen und gut Ankommen...
Ich bin es leid.



Und doch liegt es mir so nahe.
Ich möchte auch gern aufzählen, was ich alles kann und habe und bin:
Mutter, Ehefrau, zwei Studienabschlüsse, Künstlerin, Bloggerin, Unternehmerin, Freundin, Hauskreisleiterin...

Aber bin das wirklich ich, im Kern?
Unter der Schale, wenn man mal ein bisschen bohrt, was ist da?

Was bleibt noch von mir, wenn das alles zerbricht:
Wenn Kinder nicht kommen oder behindert geboren werden, wenn Beziehungen unschön enden, wenn ich das Augenlicht verliere, wenn mein Mann gefeuert wird, wenn Freunde sich abwenden, wenn die Gemeinde sich zerstreitet, wenn ich das Business gegen die Wand fahre, wenn mir alle Haare ausfallen und die Zähne, wenn mir plötzlich die Worte fehlen und mein Studienabschluss keinen Pfifferling mehr wert ist...

Wer bin ich dann noch?

Oder hat das alles gar keine Auswirkung auf mich als die, die ich wirklich bin?




Was ist, wenn ich Gott frage?
Wie lautet seine Antwort?
Was macht mich aus?
Was bin ich wert?

Ich bin
gewollt
von Anfang an
bin geliebt
vom Schöper des Universums
bin geformt
von seiner Hand
gesehen
noch bevor ich geboren wurde

geschaffen nach Gottes Ebenbild
bei meinem Namen gerufen

Ich bin
teuer erkauft:
Jesus hat sein Leben gegeben
für mich
den Tod am Kreuz auf sich genommen
aus Liebe zu mir

Ich bin frei.

ich bin
angenommen
aus lauter Gnade
als Gottes Kind
aufgenommen
in Seine Familie

ein Tempel des Heiligen Geistes
erwählt und bestimmt,
Frucht zu bringen -
Frucht, die bleibt.

und das alles nicht aus mir heraus,
es ist nicht meine eigene Leistung

Das alles verdanke ich Jesus.

Durch Gottes Gnade bin ich,
was ich bin (1. Kor.15,10)


Meine Antwort auf #i_weigh:
Was ich wiege?

Ich wiege Gottes Liebe.
Ich wiege Jesu Blut.
Ich wiege seine unverdiente, unendliche Gnade.


Das ist es, was mich wirklich ausmacht. Uns alle.



Wir sind alle so unendlich kostbar!
Weil wir so geliebt sind.

Ganz egal, was wir haben oder nicht, was wir erreicht oder vergeigt haben, ob wir gut ankommen bei anderen oder nicht, welche Zahl die Waage anzeigt (oder Follower auf Instagram), ob wir zu den Verlierern oder Gewinnern der Gesellschaft gehören.
Für unsere Identität spielt das alles keine Rolle.
Wir können dem, was Gott uns in Jesus schenkt, doch nichts mehr hinzufügen - das brauchen wir auch nicht.
Seine Liebe, sein Leben ist alles für mich.




Auch all die anderen Dinge - Familie, beruflicher Erfolg, besondere Fähigkeiten und Gaben - sind nichts, worauf wir uns etwas einbilden können. Das alles sind Geschenke. Das alles ist Gnade.
Ich nehme dankbar an, was Jesus mir gibt. Ich vertraue darauf, dass es genug ist.










Dienstag, 11. September 2018

Von Followern und Nachfolge



Heute Vormittag hatte ich auf Instagram 200 Follower. Ein Meilenstein und mein persönlicher Rekord, der heute Abend vielleicht schon wieder Geschichte ist.
200 - das ist im Vergleich zu den allermeisten Instagram-Profilen, denen ich folge, eine verschwindend geringe Zahl. Da reden wir eher über tausende, zehntausende Follower!

Ich bin ein ganz kleines Licht und würde so gern viel heller leuchten. Meine Reichweite vergrößern. Die Follower-Zahlen durch die Decke gehen lassen. Auch wenn ich mich oft frage, warum diese 200 Leute mir überhaupt folgen - bin ich überhaupt so interessant, bietet mein Account einen Mehrwert, habe ich überhaupt das Recht, mit meinem Content die Zeit anderer Menschen in Anspruch zu nehmen?
Das denke ich in selbstkritischen Momenten. Meistens drehen sich die Gedanken doch eher darum, wie ich an mehr Follower komme, wie ich es schaffe, dass noch viel mehr Menschen meinem Bild ein Herzchen geben.

Vor ein paar Tagen habe ich mich mit jemandem unterhalten, der auch auf Instagram aktiv ist und dessen Account auch nicht so richtig in die Gänge kommt. Wir sprachen über Hashtags und Challenges und Strategien und ob man dadurch mehr Follower bekommt, dass man auf anderen Profilen mehr Herzchen und Kommentare hinterlässt...

Und irgendwann während dieses Gesprächs dachte ich: Stop! Das will ich doch eigentlich gar nicht!

Natürlich gehört Social Media und besonders Instagram für mich von nun an zu meinem Business dazu. Es ist ein wichtiger Bestandteil meines Marketings (wie sich das anhört!); Instagram ist - neben diesem Blog - die Plattform, auf der ich das, was ich mache und verkaufe, präsentieren kann.
Natürlich ist Wachstum etwas Schönes und etwas, das ich mir wünsche.

Aber nicht so.
Nicht, indem ich nur noch darüber nachdenke, wie ich meine Zahlen pushen kann.
Nicht, indem ich Zahlen verherrliche und mich darüber definiere, wie viele Likes mein letzter Post bekommen hat (ebenfalls verschwindend wenige Herzchen im Vergleich zu den meisten Profilen, denen ich folge).
Nicht, indem mein Selbstwert davon abhängt, ob ich mehr oder weniger als 200 (Tausend) Follower nachweisen kann.

Ich möchte inspirieren. Möchte die Gaben nutzen, die Gott mir gegeben hat und sie zu seiner Ehre einsetzen. Ja, ich möchte auf IHN hinweisen mit meiner Kunst und IHN verherrlichen - nicht mich selbst oder irgendeine Zahl.
Ich möchte Dinge machen, die schön und wertvoll sind, die dem Herzen gut tun und Mut machen, die Wahrheit und Gnade enthalten.

In meinem Leben soll es um Nachfolge gehen und nicht um Follower.
Ich wünsche mir eine Reichweite bis in die Ewigkeit,
Frucht, die bleibt.

Das gilt für mein kleines Kreativ-Business genauso wie für mein persönliches Leben.
Das klingt total naiv und weltfremd - aber wir sind an keiner Stelle der Bibel dazu aufgefordert, uns den Maßstäben der Welt anzupassen und ihre Werte auf Teilbereiche unseres Lebens anzuwenden, während wir sonntags in der Kirche dann Gott allein anbeten.
Vielmehr möchte ich alle Bereiche meines Seins, privat und beruflich, an Gottes Maßstab ausrichten.

"Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit" - so heißt es doch in Matthäus 6,33. Das ist eine große Herausforderung, gerade für ein Business und für Social Media.
Denn da geht es primär um Zahlen und messbaren Erfolg.


Egal, ob ich heute Abend bei 201 oder 199 Followern stehe - darauf kommt es in Ewigkeit nicht an.
Anstatt mich zu fragen, wie ich mehr Follower auf Instagram (oder hier auf dem Blog oder auf Etsy oder wo auch immer) für mich gewinne, möchte ich mich darauf konzentrieren, wie ich Jesus in allem, was ich tue, nachfolgen kann. 
Was Er von mir möchte. 
Was Ihn groß  macht.

Um Frucht zu bringen, muss ich in Jesus bleiben und Er in mir - das habe ich gerade erst gelesen (Johannes 15). Was mich unheimlich ermutigt hat, war die Tatsache, dass wir von Jesus erwählt und dazu bestimmt sind, Frucht zu bringen - Frucht, die bleibt (Vers 16)! Und dafür müssen wir uns nicht einmal besonders anstrengen oder irgendwelche Seminare besuchen oder an unserer Persönlichkeit feilen: Es ist Jesus allein, der Wachstum und Frucht bewirkt. Ohne ihn können (und sollen) wir nichts tun.


Was bedeutet das nun konkret für meinen Umgang mit Instagram und mein Kreativ-Business?


Ich mache mein Ding, zusammen mit Jesus. Das, was ich kann, was Gott mir aufs Herz legt, was Gott groß macht, was schön ist... für Ihn. Produkte, die ich entwerfe und anbiete, sollen einen Mehrwert haben und auf Ihn hinweisen, lauter oder leiser. Das ist der Maßstab.

Alles, was daraus folgt, nehme ich aus Gottes Hand. Erfolg oder Misserfolg, Weiterkommen oder Scheitern, der Name des Herrn sei gelobt.

Ich versuche, weniger nach links und rechts zu schauen. Inspiration ist schön und gut, Vergleiche vergiften das Herz und machen schnell unzufrieden (oder überheblich).

Anstatt andere Kreative als Konkurrenz zu sehen, möchte ich verstärkt die Zusammenarbeit mit ihnen suchen, sie ermutigen und bestärken. Gemeinsam können wir so viel mehr erreichen - gerade in der Nachfolge, gerade wenn es darum geht, Menschen mit Jesus bekannt zu machen.

Wenn es nicht weitergeht, wenn Zweifel hochkommen, wenn der Erfolg ausbleibt, möchte ich immer wieder neu vertrauen und den Blick auf Jesus richten. Mir Seine Perspektive auf mich und das, was ich tue, schenken lassen. Treu bleiben.


Das ist eine große Herausforderung und ein Lernfeld für mich.
Ich weiß nicht wirklich, welche Frucht ich berufen bin, für Jesus zu bringen.

Aber ich weiß:
"Treu ist, der euch ruft; er wird's auch tun." 
(1.Thess. 5,24)





Mittwoch, 5. September 2018

Monatsspruch September


Im August habe ich es leider nicht geschafft, den Monatsvers für unser Wohnzimmer (und für euch, zum Ausdrucken) zu lettern - für den September gibt es wieder einen!
Diesmal sogar in noch besserer Qualität als sonst: Ich habe das Lettering nämlich nicht nur eingescannt, sondern auch (im Rahmen meiner Möglichkeiten) bearbeitet und aufgehübscht.

Es ist ein interessanter Vers, der für September ausgesucht wurde.
Ich habe mir den Kontext in Prediger 3 angeschaut, und siehe da, unser Vers steht in sehr prominenter Gesellschaft: "Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde", geboren werden und sterben, pflanzen und ausreißen, umarmen und loslassen, lieben und hassen.

Nur dass der Mensch dies alles nicht wirklich ergründen kann.

Wir haben ja gar keine Vorstellung von Zeit und Timing und von dem, was wichtig ist;
wir verstehen ja nicht die Ewigkeit und das, was Gott tut.
Für uns ist das, was uns gerade beschäftigt, oft riesengroß und aufregend neu, teilweise belastend und schier überwältigend.
Für Gott nicht: "Was geschieht, das ist schon längst gewesen, und was sein wird, ist auch schon längst gewesen; und Gott holt wieder hervor, was vergangen ist." (Vers 15).

Gott ist der Ewige, der alles in der Hand hält.
Er ist es, den wir fürchten sollen.
Nicht das, was uns sonst so riesengroß erscheint.
Das ist nur ein Hauch.

Dieser Vers rückt meine Perspektive zurecht.
Er relativiert das, was mir in meiner Überforderung absolut erscheint.


Wir sind für die Ewigkeit geschaffen.
Unser Herz strebt nach Ewigkeit:
Wir möchten, dass die Liebe ewig währt.
Wir sehnen uns nach Beständigkeit,
nach "für immer".

Gott hat uns so gemacht.
Kleine Menschen mit unsterblichen Seelen.
Mit Ewigkeit im Herzen
aber so wenig Vermögen, diese zu fassen.

Wir begreifen nicht, was Gott tut. Warum. Wann. Wie.
Kleine Menschen...

Großer Gott.

Ich will aufsehen zu ihm.
Nach dem trachten, was oben ist,
was Bestand hat,
für immer und ewig.

Ich möchte mich bei all den alltäglichen Dingen des Lebens, die mich belasten und beschäftigen und einnehmen immer wieder fragen: Was wird damit in 10 Jahren sein? Ist es auch dann noch wichtig? Wie sieht dieses Problem aus, wenn du es durch die Ewigkeitsbrille betrachtest? Wie groß ist es dann noch?

Den kleinen und großen Sorgen des Alltags flüstere ich zu:
Mein Gott ist immer noch größer! 
Meiner Angst um morgen werfe ich entgegen:
Meine Zeit steht in Gottes Hand!
Den vergänglichen Verlockungen sage ich:
Ich strebe nach dem, was ewig ist.
Dem bohrenden Ehrgeiz und der Angst vor Versagen kann ich erwidern:
Ein jedes hat seine Zeit.


 ***

Das sind meine Gedankenfetzen zum Monatsspruch.
Vielleicht möchtet ihr ja gleich mal zur Bibel greifen und den Vers im Zusammenhang lesen.
Vielleicht druckt ihr euch das Lettering aus und hängt es irgendwo auf, zur Erinnerung.

Das würde mich freuen!
Kommt gut in den Herbst und macht es euch gemütlich :)




Mittwoch, 22. August 2018

Freispruch



Ein warmer, sonniger Tag. Summer in the City, meine Tochter und ich mitten drin. Wir waren unterwegs, um ein paar Dinge zu erledigen, waren sehr viel hin und hergelaufen und wollten nun zurück nach Hause fahren, mit dem Bus. An der Bushaltestelle gab es noch einen freien Sitzplatz, den ich meiner Tochter überließ.
Plötzlich machte sich Unmut breit. Eine andere Frau stand auf, um ihren Sitz einer älteren Dame mit Krückstock anzubieten. Ich war total in Gedanken gewesen und hatte sie nicht bemerkt, sonst hätten wir ihr den Platz natürlich überlassen. Ein älterer Herr, der auch auf der Bank saß, regte sich extrem über mich auf. "Hauptsache, das Kind sitzt! Und im Bus wird dann natürlich auch kein Platz gemacht." Ich entschuldigte mich bei der älteren Dame, ich hatte sie überhaupt nicht gesehen, und für sie war das auch kein Problem. Aber der ältere Herr konnte sich nicht beruhigen. Zeterte immer weiter, nannte mich "unverschämt", schüttelte den Kopf über mich, schaute mich missbilligend an...
Das war zu viel für mich. Es war ungerecht und falsch und vollkommen übertrieben - und doch konnte ich diese Situation nicht einfach von mir abstreifen. Warum hatte ich die Frau nicht bemerkt? War ich wirklich unverschämt? Hatte der ältere Herr vielleicht recht? Aber warum musste er mich so angehen?
Ich fing an zu weinen, konnte die Tränen einfach nicht zurückhalten.

Das war am Montag. Eine Situation von mehreren in den vergangenen Wochen, in denen ich von vollkommen fremden und unbeteiligten Menschen unfreundlich angegangen, kritisiert und verurteilt worden war. Und immer hatte es mit den Kindern zu tun: Eine ältere Dame in Potsdam, die mir vorwarf, ich würde meinem Kind Trost verweigern (weil ich nicht wollte, dass sie meinem weinenden Kind ein Bonbon gab); eine Autofahrerin, die mich als "schlechtes Vorbild" für meine Kinder beschimpfte, als wir versuchten, eine schwer einsehbare Straße zu überqueren; ein Fahrradfahrer, der sich einmischte...

Ich kann das alles nicht von mir abschütteln. Ich zermartere mir den Kopf, wie ich mich besser hätte verhalten können, ob ich vielleicht doch einen Fehler gemacht habe, ob ich wirklich eine schlechte Mutter bin, wie ich solche Kommentare in Zukunft vermeiden kann (inzwischen verstehe ich immer besser, warum so viele Menschen sich in ihren Autos verschanzen. Darin ist man auch vor Kritik und unfreundlichen Anmachen etwas besser geschützt.)

Menschen, die mich nicht kennen und nur diesen einen Moment mit mir teilen, haben eigentlich kein Recht, über mich zu urteilen. Eine einzige, aus dem Zusammenhang gerissene Situation sagt rein gar nichts über mich als Person aus. Diese Leute wissen nichts von mir und uns als Familie, und doch maßen sie sich krasse Urteile an.
Seit ich Mutter bin, scheine ich eine Person des öffentlichen Lebens geworden zu sein, der jeder ungefragt und ungeschminkt seine Meinung entgegenpfeffern darf. Ich bin mir sicher, dass dies ein Phänomen ist, das viele Frauen kennen. Ständig mischt sich jemand ein - zum Teil nett gemeint, selten aber wirklich hilfreich. Irgendetwas scheint man als Mutter immer falsch zu machen, und es gibt viele Menschen, die es als ihre Aufgabe ansehen, Kinder vor ihren unfähigen Müttern zu schützen.

Und diese Kritik an dem Verhalten meiner Kinder oder an meinem (vermeintlichen) Erziehungsstil trifft und verunsichert mich extrem. Das ist ein Lebensbereich, der hochsensibel und -emotional ist, wo krasse Fronten aufeinandertreffen, wo es um unser höchstes Gut geht: unsere geliebten Kinder!
Ein jeder verurteilender Satz kratzt an meinem Selbstwert, an meiner Sicherheit, an meiner Identität. 



Noch am Abend, als ich schon im Bett lag, dachte ich noch über das Erlebte nach.
Ein Stempel war mir aufgedrückt worden: unverschämt , ein Urteil gefällt: schuldig, und ich fühlte mich so hilflos.

Aber dann erlebte ich etwas, das ich in letzter Zeit häufiger erlebe: Mein Fall ins Dunkel wurde vom Heiligen Geist aufgehalten. Ich fiel in seine Hände und er hob mich empor, zurück ins Licht - indem er mich daran erinnerte, was wirklich wahr ist. Mein Problem ist, dass ich so oft Lügen glaube...
Und so erinnerte er mich an die Wahrheit, in Form von zwei Bibelpassagen:

Mir ist's aber ein Geringes, 
dass ich von euch gerichtet werde oder 
von einem menschlichen Gericht;
auch richte ich mich selbst nicht.
Ich bin mir zwar nichts bewusst,
aber darin bin ich nicht gerechtfertigt;
der Herr ist's aber, der mich richtet.
Darum richtet nicht vor der Zeit,
bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringt,
was im Finstern verborgen ist,
und wird das Trachten der Herzen offenbar machen.
Dann wird einem jeden von Gott
sein Lob zuteil werden.
1. Korinther 4,3-5


So gibt es nun keine Verdammnis für die,
die in Christus Jesus sind.
Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen?
Gott ist hier, der gerecht macht.
Wer will verdammen?
Jesus Christus ist hier,
der gestorben ist, ja vielmehr,
der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes sitzt,
und uns vertritt.
Römer 8,1+33-34

 
Niemand (!) hat das Recht, mich zu verurteilen - nicht einmal ich selbst!
Nicht, weil ich unfehlbar bin, über jeden Zweifel erhaben, tadellos, perfekt.
Sondern weil Jesus für mich gestorben ist, weil er, der ohne Sünde und vollkommen perfekt war, für mich den Freispruch bei Gott erwirkt hat. Dank und Preis sei ihm allein!

Ich bin freigesprochen und dieses Urteil kann niemand aufheben als Gott allein.

Egal, ob ich tatsächlich falsch gehandelt habe oder nicht, ob ich mir meiner Verfehlung bewusst bin oder nicht - Jesus Christus ist hier und Gott spricht mich frei.
Andere Menschen haben mit ihrem Urteil genauso wenig Macht über mich wie meine eigenen selbstverdammenden Gedanken. All diese Urteile zählen nicht, sie haben keinen Wert, keinen Sinn, keine Gültigkeit.





Das ist so eine befreiende Botschaft! Ich bin tatsächlich frei!

Natürlich heißt das nicht, dass ich von nun an mit Scheuklappen durchs Leben gehen werde, dass jede berechtigte Kritik an mir abperlt und mir mein eigenes Verhalten in der Gesellschaft von nun an wurscht ist. Ich werde mich weiterhin darum bemühen, meinen Mitmenschen freundlich, respektvoll und hilfsbereit zu begegnen und auch meine Kinder zu einem solchen Verhalten anzuregen.

Aber wenn ich das nächste Mal blöd angemacht werde, wenn ich wieder (und es wird wieder passieren!) von jemandem verurteilt werde, dann werde ich nicht zulassen, dass mir ein Stempel aufgedrückt wird. Denn das Urteil hat Gott schon gesprochen, es lautet "unschuldig". Ich werde mein Leben nicht länger im Gerichtssaal verbringen, wenn ich doch schon längst freigesprochen bin.

Ich bin frei, mich zu entschuldigen, wenn es nötig ist. Ich bin frei, das Urteil eines anderen Menschen über mich abzuklopfen wie Staub.


Und ich möchte auch mein eigenes Urteil zurückhalten. Was für mich gilt, gilt für die anderen nämlich auch: Der einzige, der das Recht hat, ein Urteil zu sprechen, ist Gott. Mir steht das nicht zu. Und in den allermeisten Fällen fehlt mir sowieso der Kontext, um mir eine vernünftige Meinung bilden zu können (und doch ploppen verurteilende Gedanken so schnell auf, zumindest bei mir!).

Lasst uns doch weniger über einander urteilen und dafür mehr positive, aufbauende, ermutigende Dinge sagen!
Ein Satz, den jede Mama so viel lieber hören würde (und auch viel besser gebrauchen kann) als gutgemeinte Kommentare zu Beikost, Stillen in der Öffentlichkeit oder Disziplin ist:

"Ich finde, Sie machen das ganz wunderbar mit Ihrem Kind!" 

Wie wäre es, wenn wir das einfach mal sagen? Wenn wir uns um Verständnis bemühen, um ein Lächeln, wenn wir anderen den Vortritt lassen, einen Sitzplatz anbieten, Entschuldigen aussprechen und annehmen und auch mal ein ernstgemeintes Kompliment?

Das wäre so ein schönes Leben, für uns alle...