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Sonntag, 21. Oktober 2018
Loslassen
Unser Keller war voll.
So voll, dass man, um ihn betreten zu können, sich erst einmal den Weg frei räumen musste.
Das nervte mich schon lange.
Das meiste Zeug, das dort unten in Kisten, Kartons und Tüten lagerte, waren Baby- und Kleinkind-Dinge. Schuhe. Milchfläschchen. Spielzeug. Kinderwagenzubehör. Und vor allem: Klamotten. Einige davon hatte mein Bruder für seinen Sohn bekommen - trotzdem war der Keller noch voll. Wir haben alles aufgehoben, weil wir dachten, da kommt ja noch eins...
Zwei Jahre später warteten wir noch immer, der Krempel türmte sich währenddessen im Keller höher und höher auf - und belastete mich. Auch wenn ich mich nicht wirklich oft im Keller aufhalte, so fühlte ich mich doch beschwert von all dem Zeug, das wir gerade überhaupt nicht brauchen, und das wir - so sieht es gerade aus - nie mehr brauchen werden.
Monatelang habe ich mit mir gerungen: Geben wir die Sachen weg oder warten wir noch damit - und wenn ja: Wie lange? Mich von all den Erinnerungen und "Sachen-für-den-Fall-der-Fälle" zu trennen, fiel mir schwer.
Wäre das nicht Aufgeben?
Was, wenn doch noch ein Kind kommt?
An einem Abend vor etwa zwei Wochen entschieden wir ganz spontan: Wir würden den Keller entrümpeln und alles weggeben, was wir noch an Baby- und Kleinkindsachen hatten.
Ich ging direkt am nächsten Tag ans Werk: Verschaffte mir einen Überblick, schmiss unbrauchbare Sachen weg, sortierte Klamotten, fotografierte Autoschale, Wickeltasche, Kinderwagen-Fußsäcke, Gitterbettchen und Kinderstuhl und stellte sie bei ebay-Kleinanzeigen rein. Zum Verschenken. Es kostete mich einige Nerven, aber letztlich wurde alles abgeholt.
Einige Spielsachen legte ich für unseren Neffen in eine Kiste, andere bekam unsere Kita und manches wanderte auch in den Müll.
Drei große Kisten mit (hauptsächlich) Mädchen-Klamotten schaute ich durch: einige wenige Teile behielt ich als Andenken, eine Kiste mit wirklich schönen Sachen ließ ich eine Freundin durchschauen, den Großteil packte ich für eine Kleiderkammer von Bekannten aus der Gemeinde zusammen. Die werden auch die vier Kartons voller Kinderschuhe bekommen.
Unser Keller ist wieder betretbar.
Und ich fühle mich total befreit.
Es ist, als wäre eine große Last von meinem Herzen genommen.
Das dritte Kind ist damit zwar noch nicht vom Tisch - wenn sich doch noch ein kleiner Mensch zu uns gesellen möchte, werden wir ihn so gern willkommen heißen! Und wir wissen auch, dass sich alles finden wird - das, was wir für ein drittes Kind brauchen, werden wir schon bekommen (und wir wissen, dass man für den Anfang sehr viel weniger braucht als man noch beim ersten Kind denkt!).
Trotzdem... ich übe mich im Loslassen.
Das Mich-Trennen von all den Babysachen ist ein praktischer Schritt, der es meinem Herzen leichter machen soll - und ich glaube, es funktioniert.
Mittwoch, 15. März 2017
Ich...
… hab grad wenig Lust
auf Schreiben.
Deshalb ist es hier so ruhig. Aber nicht nur deshalb (siehe
unten)…
Aber weil ich mich irgendwie „verpflichtet“ fühle und denke,
ich habe zu lange nichts geschrieben, und weil ich außerdem immer wieder merke,
wie gut das Schreiben tut, wie sehr
ich es gerade in den Phasen brauche, in denen ich eigentlich keine Lust habe, darum
tu ich es doch.
Diese „Ich…“-Kategorie geht dann immer am besten, auch mit
wenig Muße und Hirnschmalz.
… hab ein krankes
Kind zu Hause (und werde langsam selber krank…).
Gerade als ich dachte: „YAY, der Frühling kommt – endlich
ist die Krankheitszeit vorbei!“ erwischt es uns wieder. Der letzte Montag
begann um fünf Uhr früh mit einem sich übergebenden Kind (dem es schon wenige
Stunden später wieder hervorragend ging); am Freitag dann bekam eben jenes Kind
Fieber… Und ich bin so schlecht als
Krankenschwester! Wirklich! (Dabei war
das lange Jahre mein Berufswunsch als Kind. Krankenschwester. Ich. Was für ein
Witz!)
Nicht nur, dass ich mich mit Krankheiten und deren
Behandlung nicht gut auskenne und jedes Mal wieder rätselratend vor meinem Kind
stehe, was nun zu tun sei (irgendein
Buchtipp für mich?!?). Viel schlimmer ist, dass mir schnell das Mitgefühl
abhandenkommt. Ein, zwei Tage intensives Kümmern gehen ja noch, aber dann muss
der Patient gefälligst gesund sein!
Besonders schwer fällt mir dabei, auf meine eigenen Pläne zu
verzichten und diese mir-nichts-dir-nichts über den Haufen zu werfen. Weil ich
hochsensibel bin und sehr unflexibel. Leider wahr.
Fast dachte ich, ich wäre besser darin geworden, weil ich
letzte Woche echt cool geblieben bin, sowohl am Montag, als auch am Freitag – doch
dann war das Kind gestern immer noch nicht gesund und ich hätte ausflippen
können!
Aber ich übe mich im Akzeptieren und Kapitulieren. Stelle
mich darauf ein, dass es bald auch das andere Kind erwischen wird (aber zuerst
mich selbst: mir ist abwechselnd heiß und kalt, der Kopf ist dicht, der Hals
schmerzt…) und dass ich am Wochenende nicht wie eigentlich geplant zur family-Teamsitzung fahren werde. Nur für
den Fall der Fälle…
… tue so als ob ich
frühjahrsputze.
In diesem Jahr habe ich mir keine Putz-Liste erstellt, die
ich im März und April abarbeiten möchte. Vielmehr nehme ich mir einen Raum nach
dem anderen vor, putze die Fenster, wische Schränke aus, fahre mit dem
Staubwedel über die Lampe und lasse fünfe gerade sein. Mit dem Kinderzimmer bin
ich schon fertig, im Wohn- und Esszimmer sieht es auch schon ganz gut aus (ist
sogar meinem Liebsten gestern aufgefallen). Mal sehen, wie weit ich in den
nächsten Tagen komme, in Anbetracht der Tatsache, dass ein Kind krank ist.
Auf Instagram habe ich neulich einen Satz gelesen, der zu
meinem Putz-Mantra werden könnte: „Bei uns
ist sauber genug, um gesund zu sein –
und dreckig genug, um glücklich zu sein.“
… sticke (!?).
Noch ein Grund für die Ruhe auf meinem Blog ist mein neustes
Hobby: Sticken. Ich habe den „Fehler“ begangen, mir dieses supercraft-Kit
zu bestellen, und bin dem Sticken gerade total verfallen (und das, obwohl ich
Beschäftigungen, bei denen man richtig akkurat sein muss, eigentlich nicht so
mag – und der Faden sich bei mir dauernd verheddert…)!
Bei meinen Hobbys bin ich meistens ziemlich extrem: Wenn mir
(wie eben im Moment) das Sticken Spaß macht, dann tue ich tage- (oder, wenn es blöd läuft, wochen-)lang nichts
anderes, und vernachlässige sowohl mein Tagebuch, als auch den Blog und die
Instagram doodle-Challenge, die mir noch vor einer Woche total viel Spaß
gebracht hat. Und dann, von einem Tag auf den anderen, werde ich von dieser
Beschäftigung genug haben und mir eine andere suchen, der ich dann eine
Zeitlang exzessiv nachgehen werde...
Aber eigentlich ist es doch schön, dass ich so viele Hobbys
habe und mich immer wieder für etwas Neues begeistern kann ;) Wenn ich etwas
anfange, bin ich jedenfalls mit Feuer und Flamme dabei!
… faste (nicht)?
Für diese Fastenzeit habe ich mir (wie es so meine Art zu
sein scheint) sehr viel vorgenommen:
Ich wollte erstens wieder mit lebe-leichter anfangen,
um die Kilos, die seit Weihnachten wieder dazugekommen sind (hüstel), loszuwerden. Zweitens führe ich
ein Passions-Art-Journal, für das
ich die Passionsgeschichte in 48 kleine Texthappen zerlegt habe, die mir als tägliche
Prompts für das Art Journal dienen. Drittens überdenke ich meinen
Internetkonsum mit Hilfe von Annes sehr durchdachtem und gelungenem Fastenkalender(kann ich wirklich nur empfehlen! Ich
denke, es ist nicht zu spät, jetzt noch einzusteigen!)
Aber obwohl das alles für sich sehr wertvolle Punkte sind,
die mir gerade „dran“ erscheinen und hinter denen ich total stehe, ist es mir
nicht richtig möglich, meine Vorhaben diszipliniert und bewusst durchzuziehen.
Ein Tag nach dem anderen vergeht, einen Abend nach dem anderen liege ich im
Bett und denke an das Franzbrötchen, das ich doch gegessen habe, an die Serie, die ich trotzdem gestreamt habe, an die Art Journal Seite, die ich irgendwie nebenbei gestaltet habe…
Habe ich wieder zu viel gewollt und scheitere deshalb so
kläglich? Verlange ich zu viel von mir – oder habe ich es einfach nur nicht
drauf?
… prokrastiniere und
bedaure gleichzeitig, dass nichts vorwärts geht.
Momentan habe ich (wieder mal) das Gefühl, dass es in meinem
Leben viele Baustellen gibt, an denen nichts passiert. Noch immer träume ich
von der kreativen Selbstständigkeit, verschiebe aber die konkreten Schritte
immer weiter nach hinten. Anstatt mich diszipliniert an den Schreibtisch zu
setzen und das zu tun, was ich doch eigentlich am allerliebsten mache, fällt
mir ein, dass ich ganz dringend noch die Küchenschränke auswischen muss. Klar.
Ständig wird eine Idee von der nächsten überrannt, sodass ich nicht dazu komme,
eine von ihnen vernünftig zu verfolgen und umzusetzen. Auch das ist eine Form
von Prokrastination.
Ja, ich hänge irgendwie in den Seilen. Mal fehlt mir die
Energie, dann die Zeit, schließlich der Mut und der Glaube, dass mein Vorhaben
gelingen kann. Meine eigene berufliche Zukunft ist das heiße Eisen, das ich aus verschiedenen Gründen nicht wage,
anzugehen. Ich vermute auch, dass mein Kinderwunsch damit zu tun hat: Wenn ich
jetzt noch ein Baby bekomme, gewinne ich wieder Zeit, in der ich mich mit dem
anderen Thema nicht auseinandersetzen muss. Blöd eigentlich.
Viel besser wäre: Ärmel hoch und los!
Aber jetzt bin ich ja erstmal krank…
… feiere den
Frühling!
Ach, was ist das schön, überall die Krokusse und
Schneeglöckchen sprießen zu sehen! Es ist doch jedes Mal wieder ein Wunder. Ich
liebe es, mir den Frühling in Form von Tulpen, Hyazinthen, Ranunkeln und
Osterglocken ins Haus zu holen – viel mehr Deko braucht man dann gar nicht,
finde ich.
Und weil man die Feste so feiern soll, wie sie fallen, gibt
es Anfang April bei uns eine „Welcome-Spring-Party“ mit hoffentlich vielen
lieben Freunden, einem frühlingshaften Mitbring-Buffet und unserem ersten
selbstgebrauten Bier! (Mein Liebster hat von mir zum Geburtstag ein
Bierbrau-Set geschenkt bekommen und der erste Versuch reift gerade in unserem
Keller vor sich hin. Auch für mich als überzeugte Nicht-Bier-Trinkerin eine
spannende Sache!)
Ich hoffe, dass der Neuanfangsfunke der Natur bald auch auf
mich überspringt! Dass ich neue Energie bekomme und endlich die
Herausforderungen angehe, die auf mich warten! Wunder gibt es schließlich immer
wieder… ;)
Montag, 26. September 2016
Mut am Montag
Putzen für die Ewigkeit
"Wer im Geringsten treu ist,
der ist auch im Großen treu."
Lukas 16,10
Das kennen wir doch alle:
Irgendjemand (wer bloß?) trampelt mit schmutzigen Schuhen durch den frisch
gewischten Flur, das Mittagessen landet überall nur nicht im Kindermund, und
die Wäscheberge türmen sich bis zur Decke, obwohl die Waschmaschine dauerläuft…
Es gibt Zeiten, da kann ich das als „normalen Alltag“ abtun und rege mich nicht
weiter darüber auf (bringt ja sowieso nichts).
Und dann gibt es Tage, an denen es
mich wahnsinnig macht und ich mich sehr wohl aufrege! Mein frisch gewischter
Boden!!!! Diese Hose hast du gerade seit fünf Minuten an – und keine Ahnung, ob
ich diese Flecken jemals rauskriege!!! Für dieses Mittagessen hab ich eine
Stunde in der Küche gestanden!!! AAAAHHHH, ich flipp aus!
Als ich mich mal wieder über die
Sinnlosigkeit meines Tuns aufgeregt hatte – noch während mein Temperament
langsam abkühlte – wurde mir klar, welche Sehnsucht hinter meiner Wut steckt: Ich möchte etwas tun, das Bestand hat.
Für die Ewigkeit, oder wenigstens für ein Menschenleben. Ich möchte, dass meine
Anstrengung etwas bewirkt, dass dauerhafte Veränderung eintritt, dass mein
Handeln Sinn hat. Und während ich das noch dachte,
wurden meine Gedanken schon (vom Heiligen Geist, das glaube ich!) auf eine
höhere Stufe gehoben: Ok, das Putzen an sich ist nicht für die Ewigkeit und die
Dauer der Sauberkeit ist stark begrenzt. Aber wenn du für deinen Mann und deine
Kinder ein schönes Zuhause schaffst, wenn du ihnen dienst und für sie sorgst,
dann ist das durchaus etwas, das Bestand hat. Und Sinn! Denn du tust das alles ja aus Liebe.
Als ich diesen Gedanken
weiterverfolgte, begriff ich, dass Putzen und Haushaltführen durchaus eine
geistliche Komponente in sich tragen. Denn das, was ich in Liebe und Treue für
meine Familie tue, bleibt von Gott nicht unbemerkt. Er sieht mich und meinen
Dienst, wie mühsam und nichtig er mir manchmal scheint, und dass ich trotzdem dran bleibe.
Die Liebe ist, was für ihn zählt.
Die Liebe trägt gute Früchte, daran glaube ich ganz fest.
Die Liebe hat für immer Bestand.
Die Liebe gibt unserem Handeln Sinn.
Und ich weiß: Wenn ich unermüdlich und treu meine Aufgaben in Haushalt und Familie (und so weiter) erfülle, übe ich mich gleichzeitig in der Nachfolge Jesu. Er ist mein Vorbild, wenn es darum geht, durchzuhalten. Und er ist derjenige, der mir die nötige Liebe schenkt, sodass die Arbeit mir schon leichter von der Hand geht.
Die Liebe ist, was für ihn zählt.
Die Liebe trägt gute Früchte, daran glaube ich ganz fest.
Die Liebe hat für immer Bestand.
Die Liebe gibt unserem Handeln Sinn.
Und ich weiß: Wenn ich unermüdlich und treu meine Aufgaben in Haushalt und Familie (und so weiter) erfülle, übe ich mich gleichzeitig in der Nachfolge Jesu. Er ist mein Vorbild, wenn es darum geht, durchzuhalten. Und er ist derjenige, der mir die nötige Liebe schenkt, sodass die Arbeit mir schon leichter von der Hand geht.
In diesem Sinne: Frohes Putzen heute!
Donnerstag, 16. Juli 2015
Die Unendlichkeit des Vormittags
Die schönen Zeiten, in denen ich morgens noch in Ruhe
aufstehen, mich fertig machen und das Frühstück vorbereiten konnte, während
beide Kinder selig schliefen, scheinen leider (zumindest vorläufig) vorbei zu
sein. Ach, was war das schön, nach einer anstrengenden Nacht zwischen sieben
und halb acht ins Bad zu schlurfen und eine halbe Stunde später mit einem
dampfenden Tee die tolle Aussicht auf dem Balkon zu genießen… Ich startete
entspannt und vorbereitet in den Tag, konnte meistens sogar mit Noemi
frühstücken, bevor der kleine Bruder sich fröhlich krähend aus dem Schlafzimmer
meldete. (Ja, ihr könnt mich ruhig ein bisschen beneiden – aber nicht zu sehr.
Denn das ist Vergangenheit.)
Aktuell sehen meine Morgen so aus, dass zwischen sechs und
sieben Noemi wie ein kleines buntes Nachtgespenst durch die Wohnung geistert
und mich zum Aufstehen zwingt. Während ich unter der Dusche stehe (schnell,
schnell!), kann ich nur hoffen, dass sie keinen Unsinn verzapft, zum Beispiel ihren Bruder weckt. Nachdem auch das Kind angezogen ist, mache ich unter Noemis
quengelndem Gejammer Frühstück. Sobald wir uns an den Tisch gesetzt haben,
erwacht mein Kleiner aus dem Schlaf, kläglich kreischend. Mit ihm auf dem Schoß
versuche ich, mein Müsli möglichst unfallfrei in meinen Magen zu befördern,
parallel Noemi davon abhaltend, wahlweise wie ein Schwein aus seinem Trog zu
fressen, das Müsli mit dem Löffelkatapult durchs Zimmer zu schleudern oder das
Obst mit den Fingern lustig spritzend zu zerquetschen. (Na, kommt euch das
bekannt vor?)
Als ich heute Morgen den Tisch abwischte, war es gerademal
acht Uhr! Was bedeutete: Noch vier Stunden bis zum Mittagessen und Noemis
(wohlverdientem) Mittagsschlaf.
Wie, bittschön, überstehe ich diese vier Stunden?
Normalerweise blieben mir nach dem Frühstück noch etwa zweieinhalb Stunden bis
es Zeit wurde, das Mittagessen zu kochen. Die bekam ich mit Aktivitäten wie
wickeln, stillen, Wohnung saugen, einkaufen, die Wäsche machen, spielen, durchs
Kinderzimmer tanzen und nochmal wickeln immer ganz gut gefüllt.
Nun aber erscheinen mir die Vormittage schier endlos.
Unbarmherzig langsam kriechen die Zeiger vorwärts und auch die Kinder kennen
keine Gnade. Bisher waren es eher die Nachmittage, die ich wegen ihrer Zähheit
fürchtete – nun strecken mir die Vormittage kackfrech die Zunge raus.
Ich hab’s echt versucht, aber Jammern bringt auch in diesem
Fall rein gar nichts, und so notiere ich hier für mich (und alle jungen Mamas da
draußen, meine Leidensgenossinnen!) meine bisherigen Erkenntnisse darüber, wie
auch die Unendlichkeit des Vormittags überwunden werden kann.
- Plane deinen Tag am Vorabend
Überlege dir am Abend vorher, was am nächsten Tag ansteht
und was du gern erledigen möchtest. Du kannst dir sogar einen (sehr ungefähren)
Zeitplan erstellen. Nimm dir nicht zu viel vor und versteife dich nicht auf ein
bestimmtes Vorhaben – am Ende kommt es doch anders – aber schreib ruhig einige
Dinge auf, aus denen du ggf. auswählen kannst. Plane auch schöne Highlights,
wie zum Beispiel: Morgen möchte ich mit meinem Kind malen. Sieh nach, ob du
alle Materialien da hast, dann kannst du am nächsten Tag direkt loslegen.
Ich habe mich jetzt auch entschieden, gegen zehn Uhr ein
zweites Frühstück einzulegen. Das war bisher nicht notwendig, jetzt ist es aber
eine willkommene Zäsur an einem endlosen Vormittag.
Es ist sinnvoll, der gesamten Woche eine Struktur zu geben.
Plane feste Termine ein, wie z.B. den Besuch einer Krabbelgruppe an einem festen
Wochentag. Auf diese Weise hast du immer was zum Vorfreuen.
Vielleicht ist es auch notwendig, alte Strukturen und
Routinen zu verändern – zum Beispiel das Mittagessen vorzuverlegen. Da lohnt es
sich, mal was Neues auszuprobieren.
2. Lass dir Zeit bei allem, was du tust
Das klingt erstmal einfach, ist es aber nicht. Ich zumindest
bin ein sehr aufgaben- und ergebnisorientierter Mensch, und ich erledige meine
Aufgaben gern schnell. Langsamkeit regt mich auf (aber das ist ein anderes
Thema…). Es ist von Vorteil, nicht gegen die Uhr zu arbeiten, sondern mit ihr.
Dann soll Noemi eben jede Erbse einzeln aufspießen. Wenn’s ewig dauert – umso
besser, denn während sie sich als Erbsenzählerin betätigt, ist sie immerhin zufrieden und beschäftigt…
3. Beziehe die Kinder möglichst in alles ein
Ich habe festgestellt, dass es sich lohnt bei den
Ergebnissen der Hausarbeit kleine Abstriche zu machen, wenn dafür der
Spaßfaktor (bei den Kindern und damit auch bei mir selbst) steigt. Noemi ist
zwar noch klein, aber sie „hilft“ ganz gern beim Staubsaugen. Das geht dann
zwar deutlich langsamer, aber vielleicht sind wir zu zweit sogar gründlicher…
Wenn ich die Wäsche aufhänge, reicht sie mir wahlweise Wäschestücke oder
–klammern, und wir reden darüber, wem dieses oder jenes Kleidungsstück gehört
(das weiß sie echt schon richtig gut!). Auch beim Spülmaschine-Ausräumen (NEU!)
macht sie oft mit, Betten aufschütteln zählt zu ihren Lieblingshobbys und
Aufräumen geht mit ihr ebenfalls super. Und Samuel bewundert uns während wir
arbeiten ;)
4. Verlass die Wohnung!
Den ganzen Vormittag in der Wohnung zu verbringen, ist keine
gute Idee – auch dann nicht, wenn es wie aus Kübeln schüttet. Früher oder
später findet man sich unweigerlich in einer Situation wieder, die nur noch durch
einen Tapetenwechsel gerettet werden kann. Frische Luft, Bewegung, „soziale
Kontrolle“ durch Passanten auf der Straße (die einen davor bewahrt,
auszuflippen…) – das sind die Zutaten, die man braucht, um sich wieder
einzukriegen. Das gilt für Mama ebenso wie für die Kinder. Egal, ob du auf den
Spielplatz gehst, einkaufen oder einfach nur eine Runde um den Block –
Hauptsache RAUS.
5. Bleib nicht allein
Unendliche Vormittage vergehen schneller in Gesellschaft.
Such dir eine Krabbelgruppe oder geh zum Babyschwimmen. Lern andere
Kleinkind-Mamas kennen und verabrede dich mit ihnen. Probier einen neuen
Spielplatz oder ein Eltern-Kind-Café aus. Vielleicht hat auch eine Freundin
ohne Kind Lust, mal einen freien Tag mit dir zu verbringen, oder eine ältere
Dame aus der Nachbarschaft freut sich über lebhaften Besuch… Zeit mit anderen Erwachsenen (!) zu verbringen, erlebe
ich immer wieder als total wohltuend.
6. Nimm die wertvollen Momente wahr
Ganz egal, wie anstrengend ein Tag ist und wie unendlich zäh
– „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heit‘ren Stunden nur!“ ;)
7. Mach dir bewusst: Es geht vorüber!
Wenn ich in den fast zwei Jahren meines Mama-Daseins etwas
gelernt habe, dann ist es vor allem dies: Alles
ist nur eine Phase – es geht vorüber! Diese Erkenntnis ist mir schon oft
zum Trost geworden: Es werden wieder andere Zeiten kommen, an denen ich ohne
Baby an der Brust aufwachen und allein
das Frühstück vorbereiten werde, ganz in Ruhe. Ich werde, irgendwann, wieder
mehr Zeit für mich haben und für Falko, werde wieder arbeiten und so etwas wie
ein „eigenes“ Leben führen.
Mir ist aber bewusst: Auch diese Aussicht hat eine
Kehrseite. Meine süßen Kleinen werden dann picklige Pubertiere sein… Adieu,
zahnloses Babylächeln, feuchte Noemi-Schmatzer und Entwicklungsmeilensteine!
Ihr werdet mir in der Zukunft sicherlich sehr fehlen. Solange ich euch habe,
genieße ich euch.
Dies waren sie, meine „glorreichen sieben“ Alltagstipps.
Wenn ihr noch weitere auf Lager habt, wäre ich sehr interessiert daran, sie zu
erfahren. Schreibt mir gern oder erzählt mir bei unserem nächsten Plausch
davon! Bis dahin, seid frohen Mutes!
Dienstag, 31. März 2015
Was koche ich heute?
Irgendwo habe ich mal gehört, dass es für eine Frau zwei
große Lebensfragen gibt: Was koche ich heute? Und: Was ziehe ich an? Ist
natürlich ganz schön kurz gedacht, und manche würden wohl auch sagen frauenfeindlich, aber so ein kleines
bisschen Wahrheit steckt schon drin. Jedenfalls in meiner aktuellen
Lebensphase. Für intensives Rumphilosophieren fehlt mir einfach die Zeit.
Was ziehe ich an?
(Sprich: Ist das Oberteil von gestern mit Babyspucke drauf noch in Ordnung? – Passt
schon, soll doch jeder sehen, dass ich Mama bin!)
Was koche ich heute?
(Kriterien für die Auswahl: Es muss meiner Großen schmecken, darf den Kleinen
nicht blähen, soll ggf. Reste vom Vortag verwerten, sollte möglichst schnell
und einfach zu machen sein, dabei aber trotzdem gesund, also mit Gemüse. Und
aktuell mag ich am liebsten NEUE Rezepte!)
Mit meinen Klamotten halte ich mich morgens nicht lange auf,
aber die Mahlzeiten beschäftigen mich schon eine Weile. Um die Sache zu
vereinfachen, habe ich schon vor einigen Monaten begonnen, einen Speiseplan für
die Woche zu erstellen. Am Sonntagabend setze ich mich für einen Moment hin und
überlege, was ich an den einzelnen Tagen kochen möchte. Bei manchen Gerichten
bietet es sich an, die doppelte Menge zuzubereiten und zweimal davon zu essen.
Aber das mache ich eigentlich nicht besonders oft, weil ich Abwechslung mag und
mir das Kochen viel Spaß macht.
In letzter Zeit fiel es mir aber schwer, Gerichte
auszuwählen. Irgendwie hatte ich keine Lust mehr auf Nudeln mit Tomatensauce
(obwohl das eins von Noemis Lieblingsgerichten ist…) und den üblichen
Standardkram aus meiner Rezeptsammlung. Meistens stocherte ich einigermaßen
lustlos in meinem Teller rum. Und sonntagabends saß ich ratlos vor meiner
Wochentabelle…
Also habe ich mein Rezeptbuch überarbeitet: Einige Rezepte
flogen raus, andere wurden neu aufgenommen, außerdem bewahre ich die Rezepte
nun in Klarsichthüllen in einem Ordner
auf. So kann ich neue Gerichte leichter aufnehmen und das Papier ist vor Fettspritzern
und Dreckfingern sicher.
Und ich habe mir ein neues Ordnungssystem überlegt. In
meinem bisherigen Rezeptbuch folgte ich der Standardeinteilung in „Suppen und
Eintöpfe“, „Salate“, „Hauptgerichte“ und so weiter. Diese erwies sich für meine
Wochenplanung allerdings als nicht so praktisch, da ich gern eine ausgewogene
Mischung von Nudel-, Kartoffel-, Reis- und sonstigen Gerichten sowie
Vegetarisches, mit Eiern, Fleisch und Fisch haben möchte, diese aber aus den
üblichen Kategorien nicht so gut ersichtlich ist.
Deshalb habe ich eine große Tabelle angelegt und die Rezepte
entsprechend einsortiert:
Vegetarisch
|
Mit Fleisch
|
Mit Fisch
|
Mit Eiern
|
Süß
|
|
Nudeln
|
|||||
Reis
|
|||||
Kartoffeln
|
|||||
Sonstiges (Couscous, Quinoa etc.)
|
Auch die Rezepte im Ordner folgen diesem System, sodass ich
die Gerichte leichter finde.
Wenn ich meine Wochenplanung mache, nehme ich mir die
Tabelle zur Hand und habe alle Gerichte im Überblick. Die Auswahl fällt mir auf
diese Weise deutlich leichter – auch kann ich neue Rezepte leichter als bisher
aufnehmen (als alle Blätter in einem Ringheft gebunden waren).
Diese Neuerungen sind wirklich neu und müssen sich
vielleicht noch für die unterschiedlichen Jahreszeiten bewähren, aber meine
ersten Erfahrungen damit waren nur positiv. Vielleicht wird sich mein System
auch noch weiterentwickeln. Man könnte zum Beispiel das saisonale Angebot von
Obst und Gemüse miteinbeziehen. Und für die Zukunft plane ich einen Glossar,
der einzelne Zutaten aufführt (z.B. Brokkoli, Lachs, Kokosmilch) und die
passenden Rezepte dazu. Denn manchmal hat man ja noch Reste im Kühlschrank, die
man gern verwerten möchte. Auf diese Weise wäre es einfacher, ein Gericht zu
finden, mit dem z.B. man die übrigen Kichererbsen aufbrauchen kann. Somit werden vielleicht weniger
Lebensmittel weggeworfen.
Neben meinem Rezepteordner nutze ich zur Zeit das Buch Parents need to eat, too von Debbie Koenig, das ich von meiner lieben Freundin Ulrike zu Noemis Geburt geschenkt
bekommen habe. Zuerst war ich von den US-amerikanischen Maßen und Angaben etwas
abgeschreckt, jetzt bin ich aber total begeistert von den Rezepten und probiere
jede Woche mindestens ein neues aus (lieber zwei oder drei!). Die Gerichte sind
anders als die, die bisher auf unserem Speiseplan standen, sie sind lecker und
ziemlich unkompliziert in der Vor- und Zubereitung. In einem Kapitel zum
Beispiel sind die Gerichte in einzelne, kürzere Zubereitungsschritte
eingeteilt, sodass man Schlafphasen der Kinder zum Kochen nutzen kann (nap-friendly!) anstatt eine Stunde lang
ununterbrochen in der Küche werkeln zu müssen, was manchmal ohnehin unmöglich
ist.
Das einzige Manko bei den Rezepten ist, dass sehr viele von
ihnen Bohnen, Erbsen, Linsen und andere potentiell blähende Zutaten enthalten,
was für stillende Mamas (bzw. deren Babys) zum Problem werden kann. Bei Samuel
habe ich allerdings schon einiges ausprobiert und festgestellt, dass er in der Hinsicht
offensichtlich nicht empfindlich ist. Das ist toll, denn dann kann ich dieses
superleckere und einfache Gericht öfter einplanen:
Zitronige
Brokkoli-Kichererbsen-Pasta (für 3-4)
1 Dose Kichererbsen
in ein Sieb geben, abspülen und abtropfen lassen. 1 große Zitrone auspressen. Kichererbsen in einer Schüssel mit ¼ cup Olivenöl und dem Zitronensaft mischen,
mit Salz und Pfeffer würzen. Beiseite
stellen.
200g Nudeln al
dente kochen.
Einen großen Topf Salzwasser zum Kochen bringen.
Währenddessen 1 Brokkoli in seine
Röschen zerteilen. Die Brokkoli-Röschen ins kochende Wasser geben und etwa 4
Minuten kochen, sodass sie noch bissfest sind. In der Zwischenzeit 2 Knoblauchzehen abziehen und in
Scheiben schneiden. Den fertigen Brokkoli abtropfen lassen.
2 EL Olivenöl in
einer Pfanne erhitzen, den Knoblauch hineingeben und kurz anschwitzen, dann den
Brokkoli und ½ TL Chiliflocken dazugeben.
Unter Wenden etwa 5 Minuten garen, bis der Brokkoli weich ist. Kichererbsen und
Marinade zufügen und 1-2 Minuten köcheln lassen, bis die Kichererbsen heiß
sind. Die Nudeln ebenfalls zufügen, alles mit Salz und Pfeffer würzen.
Zum Schluss 2
gehäufte EL geriebenen Parmesan unterrühren, bis die Nudeln von einer leichten
Sauce überzogen sind. Mit extra Parmesan servieren.
Guten Appetit!
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