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Sonntag, 20. September 2015

Kreativ-Blockaden überwinden





Es ist (so gut wie) Herbst – die Kreativ-Jahreszeit hat begonnen! Passenderweise bin ich gerade ganz begeistert von meinem neuen DIY-Projekt (was es genau ist, möchte ich aber hier noch nicht verraten…) und denke ständig darüber nach. Kennt ihr das, wenn man es gar nicht erwarten kann, eine Idee in die Tat umzusetzen? Am vergangenen Sonntagnachmittag öffnete sich mir ein Zeitfenster und ich setzte mich an den Tisch, mit Aquarellkasten, Pinseln und Papier und ganz genauen Vorstellungen, wie mein Ergebnis am Ende aussehen sollte. Zuerst machte ich mit Bleistift eine Skizze, die ich dann kolorierte. Aber schon mit der Bleistiftskizze war ich nicht so recht zufrieden. Und erst meine Aquarell-Stümperei! Es ist so frustrierend! Das entstandene Bild entsprach in keiner Weise dem, was ich mir vorgestellt hatte. Ich war ernüchtert. Und ein bisschen deprimiert. Anscheinend bin ich nicht annähernd so gut, wie ich immer denke. Von wegen, „das könnte ich auch!“ wenn ich schöne Illustrationen in einer Zeitschrift sehe oder ein Bild in einer Ausstellung. Mitnichten! Klarer Fall von Selbstüberschätzung, mal wieder.

Manchmal, wenn es ganz schlimm ist, verspüre ich den Impuls, einfach aufzugeben. Sieh doch ein, dass du es nicht drauf hast!, flüstert mir eine fiese Stimme zu. Du bist einfach schlecht. Eine Möchte-Gern, sonst nichts. Lass es besser sein. Alles. Auch deinen Blog. Interessiert doch eh keinen. Und so weiter. Es ist eine gemeine Stimme, und dumm ist sie noch dazu. Ich höre jetzt gar nicht mehr hin.
Denn ich muss kreativ sein, muss schreiben, es geht gar nicht anders.
Und mein Projekt schmeiße ich auch nicht hin. Schließlich ist es nicht für mich, sondern als Geschenk gedacht. Da beiße ich mich jetzt durch.

Von Gesprächen mit Freundinnen weiß ich, dass es nicht nur mir so geht – immer wieder höre ich, dass Kreativ-Projekte irgendwie nicht so geraten, wie man sie sich vorgestellt hatte. In der Woche habe ich immer wieder darüber nachgedacht, wie ich positiv mit solchen Fehlschlägen umgehen könnte, und dies sind meine Ergebnisse:

Prozessorientiert statt ergebnisorientiert denken
Bei Kunst und Kreativität geht es eigentlich viel mehr um den Prozess als um das Produkt. Schon allein die kreative Betätigung macht glücklich und entspannt (und berauscht, irgendwie….). Also möchte ich mich wieder stärker in Achtsamkeit üben, also darin, im Hier und Jetzt zu sein. Das Blatt, der Pinsel, die Farben und ich, die Bewegung meiner Hand, das leise Geräusch des Pinsels, die Freude am Schöpferisch-Sein.

Übung macht die Meisterin
Ich habe es ja schon erwähnt – das mit der Aquarell-Malerei habe ich noch nicht so raus. Aber ich habe es auch noch nicht wirklich intensiv geübt. Wir werden besser, wenn wir etwas wiederholen. Es lohnt sich also, nicht zu schnell aufzugeben!

Aus Fehlern lernen
Mein Haupt-„Fehler“ beim Starten neuer Projekte ist, dass ich mich ziemlich kopflos hineinstürze. Wenn ich Feuer und Flamme für eine Idee bin, muss ich sie sofort umsetzen und nehme mir nicht die Zeit, alles zu durchdenken, die notwendigen Materialien zusammenzusuchen und so weiter. An irgendeinem Punkt komme ich dann nicht mehr weiter – und bin total frustriert. Weil es nicht so wird, wie ich es mir erträumt hatte.
Für mich bedeutet das also, erst einmal einen Schritt zurückzutreten und mir die Zeit zu gönnen, die eine Idee braucht um zum Projekt mit Hand und Fuß werden zu können.
Überhaupt bin ich eher der übereilige Typ… das ist auch beim Aquarellieren das Problem, glaube ich.

Neue Wege beschreiten
Vielleicht ist die Aquarelltechnik nicht die richtige für mein Projekt. Ich fühle mich damit unsicher und möchte lieber noch etwas üben (siehe oben) und vielleicht mal einen Kurs machen.
Wenn es wirklich mal aufs Ergebnis ankommt, weil man es verschenken möchte (zum Beispiel), ist es sinnvoll, eine Technik zu wählen, mit der man sich wohlfühlt.
Inzwischen habe ich ein paar Techniken ausprobiert: Ölkreiden (zu grob), Collage (zu aufwendig) und Buntstifte (hm…). Vielleicht werde ich am Ende doch zur Kamera greifen und die Fotos dann bearbeiten bzw. mit selbst gezeichneten Elementen ergänzen, mal sehen.

Sich besprechen
Mein Mann ist zwar selber kein „Künstler“, aber ich bin immer wieder über seine Kreativität erstaunt. Und es ist sowieso immer erhellend, mich mit ihm über meine Kreativ-Projekte auszutauschen. Er bringt mich auf neue Ideen. Und zum Lachen. Er ermutigt mich.
Eigentlich fände ich es total cool, eine Art „Künstler-Gruppe“ zu gründen. Mit Freundinnen gemeinsam kreativ werden und sich austauschen über die eigenen Projekte, seien es Fotos, Geschichten, Lieder, Bilder oder Gedichte…

Play to an audience of One
Ich bin kreativ, weil es mir Spaß macht. Und ich schenke gern, vor allem Selbstgemachtes. Mir ist aber aufgefallen, dass die Motivation hinter meinen Kreativ-Projekten oft unter anderem auch darin besteht, dass ich bewundert werden und von anderen hören möchte: „Wow, das hast du gemacht! Wie toll! Ich könnte sowas ja nicht…“ Diese verdrehte Herzenseinstellung muss ich immer wieder meinem Vater im Himmel hinhalten und meinen Fokus auf ihn richten. Denn alles, was wir tun, soll  zur Ehre Gottes geschehen. Und aus Liebe zu den Menschen, ihnen zu dienen. Und weil wir uns an den Gaben freuen, die Gott uns schenkt.

Was heißt schon „perfekt“? Der Abschied vom Ideal…
Meine Texte und Bilder werden eigentlich nie so, wie ich sie mir in meinem Kopf erträume. Sie sind nie „perfekt“. Ich habe mal gehört, dass die Teppichkünstler der Navajos bewusst einen Fehler in ihre Arbeiten einweben – einfach, weil der Teppich sonst nicht perfekt wäre. Es würde ja der Fehler fehlen! Oft hat das Fehlerhafte einen besonderen Reiz, der dem Glatten, Perfekten, Harmonischen total abgeht. Ich wünsche mir mehr Mut zum Unperfekten!

Finde deinen Stil – imitiere nicht andere!
Ach, es gibt so viele unendlich begabte kreative Menschen auf dieser Welt. Den meisten von ihnen kann ich nicht das Wasser reichen. Ich wäre nicht einmal in der Lage, sie zu imitieren… Sollte ich deshalb aufhören zu schreiben, zu zeichnen, zu malen? Nein – denn am Ende sind es doch meine Texte und Bilder, und niemand außer mir könnte so schreiben oder zeichnen oder dichten wie ich es tue. In gewisser Weise erfüllen wir doch durch das Ausleben unserer Kreativität einen göttlichen Auftrag. Wir sind fruchtbar, wir nehmen unser gelobtes Land ein, wir wuchern mit unseren Pfunden, wir verherrlichen den Schöpfer.
Wir dürfen unseren eigenen Stil entdecken! Ich bin bestimmt nicht die nächste Paula Moderssohn-Becker, aber das muss ich auch nicht sein. Weil ich einfach ich sein darf. (Danke für die Ermutigung, Shauna!)

Lasst uns den Ursprung aller Kreativität, unseren genialen Künstler-Schöpfer feiern, indem wir immer mehr entdecken, was wir mit unseren Händen, mit unseren Lippen, mit unseren Herzen und Köpfen erschaffen können! 


Freitag, 11. September 2015

Stand der Dinge





Stand der Dinge – Augenringe? Ja, irgendwie schon. Die letzten Wochen waren (und sind) ziemlich anstrengend: Falko ist diesen Monat einige Tage berufsmäßig unterwegs, Samuel wacht nachts alle zwei Stunden auf und findet schwer zurück in den Schlaf und seine große Schwester verarbeitet den Kita-Start mit Hilfe heftigster Tobsuchtsanfälle (unter anderem beim Abholen von der Kita und vor dem Schlafengehen). Den Haushalt lasse ich gerade mal wieder ein bisschen schleifen, weil ich einfach nur müde und erschöpft bin.
Und trotzdem – es geht mir gut und ich bin sehr, sehr dankbar. Komisch eigentlich.

Es ist zwar erst September, aber ich denke zur Zeit schon recht viel an Weihnachten und daran, dass auch dieses Jahr bald zu Ende geht; ein Jahr, für das ich mir ja ein paar Dinge vorgenommen hatte. Erinnert ihr euch an meine Liste 15 für 2015? Den aktuellen Jahreszeitenwechsel möchte ich diesmal zum Anlass nehmen, Zwischenbilanz zu ziehen und mich neu auf das zu fokussieren, was ich gern erreichen möchte, bis der Kalender 2016 anzeigt (das wird auch ein spannendes Jahr – ich werde 30!!!).

1. Noch ein Baby bekommen. In das Leben zu viert starten. Noemi helfen, große Schwester zu werden. Den Alltag meistern, so entspannt wie möglich.
Check! Samuel ist inzwischen fast acht Monate alt und richtig gut in unserer Familie angekommen. Wir sind unendlich froh, ihn zu haben. Ok, er könnte nachts mal durchschlafen und es wäre auch schön, wenn die Spuckerei  endlich aufhörte… aber das ist eigentlich auch alles, was ich Schlechtes über unser jüngstes Familienmitglied sagen kann. Er ist gesund und fit und süß und lieb und unheimlich witzig. Abgesehen von ein paar leicht brutalen Machtdemonstrationen zwischendurch geht Noemi sehr liebevoll mit ihrem Bruder um, und es ist Mama-Glück pur, die beiden zusammen zu beobachten. Und ich – oh Wunder! – meistere den Alltag. Überwinde die alltäglichen Herausforderungen inzwischen ziemlich gut, und das normalerweise allein. Was sicherlich auch daran liegt, dass unsere Kinder grundsätzlich kooperativ sind und immer gut mitmachen, wenn’s drauf ankommt. Gott sei Dank!

2. Schreiben. Jeden Tag – sei es auch nur ein Wort. Meinen Blog pflegen – möglichst jede Woche einen Eintrag. Mein Buchprojekt beenden und einschicken.  
Check! Das mit den regelmäßigen Blogeinträgen erlebt ihr ja selber ;) Es gibt Phasen, in denen schreibe ich mehr und dann schreibe ich auch wieder weniger – und manchmal schreibe ich nur noch für den Blog, das ist dann nicht so gut. Aber ich bleibe dran und genieße es total. Schreiben ist mein Ausgleich. Meine Medizin, meine Therapie, meine Freundin, mein Gebet, meine Freude.


 
      3. Stricken: Das Zopfmuster lernen.
Wie gut, dass der Herbst da ist! Dann kann ich meine Stricknadeln rausholen und loslegen. Das Zopfmuster steht noch aus.
 
 4. Eine neue Bleibe finden und darin ankommen. Nachbarschaftliche Bande knüpfen.
Half-check. Und so viele Gründe zum Danken: Unsere neue Wohnung ist so schön und wir fühlen uns alle sehr, sehr wohl hier. Wir haben so viel Platz – ganz neue Möglichkeiten, Gäste zu beherbergen, Partys zu feiern – oder sich mal zurückzuziehen.
Was allerdings das Ankommen im neuen Bezirk und der Hausgemeinschaft angeht, hinken wir noch etwas zurück. Ich vermisse unseren „alten“ Bezirk sehr und fühle mich hier, am neuen Ort, oft fremd und irgendwie… anders. Hier im Haus sind mir zwar bisher nur freundliche und hilfsbereite Menschen begegnet, gleichzeitig ist mir bewusst, dass es auch problematische Mieter gibt: Müll und Uringeruch im Aufzug, Beschwerden am schwarzen Brett über laute Gelage und brennende Zigaretten, die auf fremde Balkone geworfen werden, auch Zigaretten im Sandkasten und Babys, die Fanta aus der Dose zu Trinken bekommen, Streitigkeiten, die ich am Rande mitkriege.
Wir haben es immer noch nicht hinbekommen, unseren unmittelbaren Nachbarn Kuchen vorbeizubringen und uns vorzustellen. Wir haben auch noch niemanden eingeladen, obwohl wir das von Anfang an vorhatten. Ich stelle bei mir die Tendenz fest, mich als etwas Besseres zu fühlen, Vorurteile zu hegen. Da war es total gut, dass mir eine Freundin bei der Einweihungsparty sagte: „Hier habt ihr die Möglichkeit, Salz und Licht zu sein.“ Ja, das stimmt! Und ich denke immer mehr darüber nach, wie das konkret aussehen könnte.

5. Feiern: Thanksgiving mit Truthahn und vielen Gästen an unserem großen Esstisch.
Ok, da ich hab eine gute Ausrede: Thanksgiving kommt erst noch!
Trotzdem, Gastfreundschaft und Feiern sind uns wichtig und wir machen kleine Mini-Schritte in diese Richtung.

6. Zurück zum Vor-Noemi-Gewicht.
Ähem. Weiß nicht, ob ich das dieses Jahr noch schaffe. ABER ich habe diese Woche festgestellt, dass mir Vor-Noemi-Hosen wieder passen! Ich finde, das zählt auch irgendwie…

7. Danken:  Mich auf das Gute in meinem Leben besinnen, auf all das unverdiente, geschenkte Glück; mich nicht über Mangel oder Defizite definieren. Dank kultivieren. Liebe weitergeben.
Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückschaue, sehe ich, dass Gott in diesem Bereich an meinem Herzen gearbeitet hat. Ich bin zufriedener als ich es vor einem Jahr um diese Zeit war, dankbarer, mehr im Hier und Jetzt, glücklicher. Und ich glaube, dass ich mich auch etwas seltener beklage. Auch dafür bin ich wiederum dankbar. Ja, auch die Dankbarkeit nehme ich dankbar aus Gottes Hand.

8. Bibellesen: Einen Modus finden, der zu mir und meinem Alltag passt. Regelmäßig lesen – allein, mit Falko, mit den Kindern, in einem Hauskreis.
Seit fast zwei Wochen lese ich wieder jeden Morgen in der Bibel. Wenn ich aus dem Bad komme und die Kinder noch schlafen (beziehungsweise in ihren Betten liegen…), setze ich mich auf die Couch und lese einen Abschnitt oder ein Kapitel. Angefangen habe ich mit dem Epheserbrief, heute habe ich Philipper beendet. Die ersten Tage waren es nur die Bibel und ich, ich verzichtete auf Unterstreichungen oder Notizen (wie sie sonst meine Art sind), und Gott sprach einfach so zu mir, ganz eindrücklich, durch sein Wort. Gestern habe ich dann doch begonnen, mir etwas aufzuschreiben, weil ich Gottes Reden irgendwie bewahren, nicht vergessen wollte. Es gibt immer wieder Durststrecken, in denen ich von solchen notierten Gottesbegegnungen sehr profitiere.
Für den Moment bin ich sehr glücklich mit dieser Herangehensweise und solange die Kinder es mir ermöglichen, möchte ich so weitermachen.
Neu ausprobiert habe ich das Bible Art Journaling und war sehr begeistert davon. Es erscheint mir fast „ungeistlich“ zu schreiben, es habe mir „Spaß gemacht“ (Überreste meiner familiären Prägung…), aber so war es! Dafür braucht man allerdings etwas mehr Zeit und Ruhe, sodass ich es nicht so leicht zwischendurch einschieben kann.
Und einen Hauskreis starten wir auch ganz bald, mit einigen Jugendlichen aus unserer Gemeinde. Darauf bin ich schon total gespannt und freue mich total – mit jungen Leuten in der Bibel lesen, den vertrauten Worten mit einem frischen Blick begegnen und Gemeinschaft haben. Das wird gut.

9. Ehe: Unsere Eheabende wieder neu beleben und kultivieren, so wie es jetzt gerade für uns passt.
Unsere Abende werden allmählich ruhiger und wir haben wieder mehr Zeit für uns als Paar. Mit einem kleinen Säugling ist das mit den Eheabenden ja immer so eine Sache… nun schläft unser Kleiner aber immer früher und wir können eigentlich wieder mit den Eheabenden starten. Ich bin froh, dass meine 15-für-2015-Liste mich wieder daran erinnert hat!

10. Zuhören: Wirklich für andere da sein, eigene Bedürfnisse hinten anstellen, Gesprächspartner ausreden lassen, geduldig hören.
Ok, ich glaube, darin bin ich immer noch ziemlich schlecht… Aber ich möchte das üben und immer besser lernen.

11. Mein Rezeptbuch überarbeiten und als Ordner neu anlegen (mit neuen Kategorien und so, dass neue Rezepte leicht aufgenommen werden können)
Check! Die Ordner-Version hat sich auf jeden Fall bewährt und ich habe schon einige neue Rezepte aufgenommen.

12. Mama-Connections suchen, finden und gestalten: Zeit zusammen verbringen, sich gegenseitig entlasten, ermutigen statt beurteilen oder kritisieren
Noch so eine Baustelle, an der sich praktisch nichts getan hat. In unserem neuen Bezirk gibt es leider nicht so viele (schöne) Spielplätze wie in unserer alten Gegend, und wenn man mal auf den Spielplatz geht, trifft man dort kaum andere Kinder und deren Eltern an. Hier haben viele Leute einen eigenen Garten und gehen dann nicht unbedingt auf öffentliche Spielplätze. Auf diese Weise kann ich also keine neuen Bekanntschaften knüpfen.
Dafür ist Noemi jetzt in der Kita und es gibt Berührungspunkte mit anderen Eltern. Bisher hat sich da noch nichts weiter ergeben, aber das wird vielleicht noch, wenn die Kinder etwas größer sind und sich nachmittags zum Spielen verabreden.
Mein Plan war eigentlich, mich mit Samuel einer Spielgruppe anzuschließen, aber meine Vormittage waren in letzter Zeit so gut gefüllt (und ich war so müde), dass ich in der Richtung bisher noch nichts unternommen habe. Auch hier im Haus gibt es eigentlich viele Kinder und viele Mamas, aber auch da ist noch nichts passiert…
Ich weiß, Kontakte und Freundschaften „passieren“ nicht unbedingt. Sicherlich müsste ich aktiver werden und mehr auf andere zugehen. Das fällt mir jedoch ziemlich schwer, immer noch.

13. Wut: Einen positiven Umgang mit meinen Gefühlen finden, besonders mit der Wut. Selbstbeherrschung. Selbst-Empathie. Meine Wut ist nicht mein Diktator.
Es gibt nach wie vor Wut in meinem Leben. Aber deutlich weniger, und die Wut ist nicht mehr so heiß, nicht mehr so übermächtig, nicht mehr so überwältigend und so plötzlich. In der Umzugsphase hatte ich sehr stark damit zu kämpfen und fühlte mich oft wie ein einziges Nervenbündel. Manchmal hätte ich am liebsten die Einrichtung zerkloppt, manches Mal schrie ich in ein Kissen, weil ich so verzweifelt, so frustriert, so unglücklich war. Und ich hasste mich dafür. Ich war so, wie ich niemals sein wollte.
Wenn ich mich jetzt selbst beobachte, wie ich auf stressige Situationen oder bockige bzw. nicht-schlafen-wollende Kinder reagiere, bin ich tatsächlich überrascht, dass ich nicht mehr ausflippe. Es gibt zwar immer noch Momente, in denen ich laut werde, aber ich verliere nicht mehr die Kontrolle. Ich bin stabiler und verlässlicher geworden. Ich kann auch besser damit umgehen, wenn mein Mann später von der Arbeit kommt oder zwei Tage verreist und ich mit den Kindern allein bin. Noch vor ein paar Wochen machten mir solche Situationen Angst, heute ist es nicht mehr so.
Sicherlich hat das alles damit zu tun, dass unser Leben sich entspannt hat. Wir sind in der Wohnung gut angekommen, Noemi geht vormittags in die Kita, ich habe wieder mehr Zeit für mich und meine Projekte. Das tut mir sicherlich gut und trägt dazu bei, dass ich mehr abkann. Aber das wird als alleinige Erklärung nicht ausreichen. Nein, ich bin davon überzeugt, dass Gott auch hier an mir gearbeitet hat und weiter arbeitet. Dass meine Wut geschrumpft ist, hängt mit der Dankbarkeit zusammen, die ich nun stärker empfinde. Außerdem hat Gott mir das Bild von meinem Kanaan gegeben, meinem verheißenen Land, was mir sehr hilft. Ich bin zur Zeit sehr, sehr glücklich als Mama und Hausfrau – aber dazu weiter unten mehr.

14. Kreativität: Linolschnitt ausprobieren. Mal wieder ein großes Bild malen. Zeichnen. Karten gestalten. Fotografieren. 
Ach stimmt, der Linolschnitt! Der steht für dieses Jahr noch aus. Vielleicht wäre das die richtige Technik für die diesjährigen Weihnachtskarten… Insgesamt betätige ich mich wieder mehr kreativ und habe auch Lust bekommen, dies gemeinsam mit meiner Tochter zu tun. Sie kommt immer mehr in das Alter, in dem sie das kann, sie wird motorisch geschickter und kann sich länger auf eine Beschäftigung konzentrieren. Kreative Aktivitäten sind für mich ein wichtiger Ausgleich und ich bin immer wieder begeistert, welche Möglichkeiten Gott uns geschenkt hat, uns gestalterisch und schöpferisch auszutoben!

15. Ich bin nicht „nur“ Mutter! Lernen, diese Lebensphase anzunehmen und zu genießen, das Privileg des Mutter-seins wertschätzen und auskosten. Kinder, Familie und Haushalt als meine Aufgabe akzeptieren und kreativ angehen, ganz entspannt, präsent und mit Humor.
Ganz oben habe ich es schon erwähnt – tagsüber fordert mich gerade meine Tochter sehr und nachts lässt mich mein Sohn nicht schlafen. Und doch bin ich dankbar, zufrieden und glücklich. Und das allein ist für mich ein großes Geschenk, ein Wunder geradezu!
Denn ich habe schon Tage erlebt, an denen manches besser lief und ich trotzdem unglücklich war. Und verrückterweise finde ich das Leben mit zwei Kindern schöner (und einfacher) als mit einem Kind. Ich entdecke in mir selbst den Wunsch, noch ein bisschen länger mit den Kindern zu Hause zu sein, anstatt mich sofort nach Samuels Kita-Eingewöhnung ins Arbeitsleben zu stürzen. Ich lerne die Zeit mit den Kindern, unseren Tagesrhythmus, das Zuhause-Sein immer mehr zu schätzen. Mein Gefühl für die Kinder intensiviert sich – ich verstehe sie immer tiefer, fühle mit ihnen, kann besser auf sie eingehen, ihnen helfen. Es fällt mir leichter, meine eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen – ja, tatsächlich! Wenn Samuel sein Mittagessen ausspuckt und mit den Händen auf dem Boden verstreicht (er hat jetzt einen ganz schönen Aktionsradius und manchmal bemerke ich es zu spät…), dann mache ich wieder sauber und die Sache hat sich damit erledigt. Wenn ich nachts mit ihm durchs kalte Wohnzimmer tigere, verspüre ich nur noch Müdigkeit und keine Wut oder Verzweiflung mehr. Wenn Noemi einen Wutanfall bekommt, suche ich die Schuld nicht mehr bei mir. Ich kann ihre Wut besser ertragen. Ich kann die Dinge leichter so nehmen, wie sie sind, und einfach weitermachen.
Wenn ich auf die Monate seit der Geburt meines Sohnes zurückblicke, bin ich unendlich dankbar für all das Wachstum, das Gott geschenkt hat – meinen Kindern, uns als Familie und mir. Ich bin dankbar für seinen Reichtum, seine Gnade, seine Liebe, mit der er uns Tag für Tag aufs Neue überschüttet. Unverdienterweise. Und ohne zu Knausern.

Früher habe ich nicht verstanden, was die Leute damit meinten, wenn sie sagten, dass es ein „Abenteuer“ ist, mit Jesus unterwegs zu sein. Darunter konnte ich mir nichts vorstellen. Auch jetzt ist mein Leben nicht unbedingt abenteuerlich im Sinne von gefährlich/exotisch/außergewöhnlich. Aber es ist trotzdem spannend und es passieren Dinge – kleine Dinge, wie Erdbeeren im September oder dass mein Sohn sich quer durchs Zimmer kullert oder dass meine Tochter sich nach einem Wutanfall minutenlang an mich kuschelt oder dass mein Mann und ich uns immer wieder neu füreinander entscheiden... Wachstum passiert. Wunder geschehen. Und ich sage DANKE.

Sonntag, 30. August 2015

Feierzeit

Unsere Einweihungs- und Geburtstagsparty



Gestern war bei uns full house – wir haben unsere neue Wohnung eingeweiht und gleichzeitig als Ehepaar unseren 60. Geburtstag gefeiert (man wird schließlich nicht nur einmal 29…). Es war ein richtig schöner Tag, an den wir noch lange gern denken werden, und an dem ich euch hiermit ein bisschen teilhaben lassen möchte.



Eingeladen hatten wir mit einem Vorlauf von einem Monat – in der Sommerferienzeit war das aber anscheinend nicht genug Zeit. Von den über 60 geladenen Gästen kamen zunächst nur Absagen. Ich war enttäuscht. Letztlich kamen gestern doch ca. 25 Leute und es war total gut so. Ich konnte mich fast mit jedem Gast unterhalten und ein bisschen Zeit verbringen, was ich sonst ja gar nicht geschafft hätte. Die Bude war voll, aber niemand musste Platzangst bekommen, da die Leute nicht alle auf einmal kamen, sondern es ein Kommen und Gehen war. So hatten wir von 16 bis 23 Uhr liebe Menschen um uns herum.
Zur Erinnerung an diesen besonderen Tag baten wir darum, einen Gruß in unserem Gästebuch zu hinterlassen. An einem Ende des großen Buffet-Tisches hatte ich das Gästebuch mit Stiften, Stempeln und Masking Tapes ausgelegt und die meisten hatten großen Spaß, sich einzutragen.





Den ganzen Samstagvormittag verbrachte ich in der Küche, während mein Mann mit den Kindern eine kleine Radtour unternahm. So hatte ich meine Ruhe und genoss es total, mich der Beeren-Tarte mit weißer-Schokoladen-Creme und den Himbeer-Cupcakes zu widmen. Zum Buffet steuerten wir
außerdem zwei selbstgemachte Limonaden (Zitrone und Himbeere) bei, Kaffee, ein paar Süßigkeiten und Fruchtspieße. Die anderen Beiträge kamen von Gästen. Ich habe mich diesmal darauf verlassen, dass mir schon ein paar Leute anbieten würden, etwas mitzubringen – und so kam es auch. Am Ende war alles bis auf den letzten Krümel verputzt; sogar der wunderschöne Frucht-Pfau (mitgebracht von einem sehr kreativen Teenie-Mädel aus der Gemeinde) musste in kürzester Zeit daran glauben.




Am liebsten hätte ich die Deko selbst gebastelt, schließlich fehlten mir aber doch die Ideen und die Nerven. Im Wesentlichen kommt es bei der Einweihungsparty ja ohnehin auf die Wohnung an, in ihrem „natürlichen“ (aber ordentlichen…) Zustand. Also habe ich schon in den Tagen vorher begonnen aufzuräumen und grob zu putzen. In verschiedenen Räumen arrangierte ich gemütliche Sitzecken, damit die Partygesellschaft sich verteilen kann und überall einen kleinen Snack vorfindet. Da es draußen sonnig und angenehm warm war, konnten wir auch auf dem Balkon sitzen, was richtig schön war. Und eine Girlande sowie ein paar Papier-Fächer haben wir auch noch aufgehängt.



Was schenkt man am besten – zum Geburtstag und zur Wohnungseinweihung? Ich habe schon vor einiger Zeit eine Wunschliste erstellt, die Falko verwaltet. So habe ich zum Geburtstag eigentlich nur Dinge bekommen, die ich mir wirklich gewünscht habe und die ich gebrauchen kann: Sehr schöne CDs von JOCO, 2Flügel und Rend Collective, einen Leuchtglobus und den Besuch der Impressionismus-Expressionismus-Ausstellung (von Falko), einige Bücher und jeweils einen Gutschein für einen Künstlerbedarfsladen und „Paint your style“, einen Laden, wo man Keramik bemalen kann.
Zur Einweihung bekamen wir einen Blumenkasten voll Küchenkräuter, Erdbeerpflanzen und Venus Fliegenfallen (!) geschenkt. Eine andere Geschenkidee, die ich bestimmt nachmachen werde, war eine Tüte mit einem drei-Gänge-Menü für uns zwei: Minestrone aus der Dose, Nudeln mit Pesto, Schokolade und „Heidesand“ zum Nachtisch, dazu zwei Flaschen Limo.
In Zukunft möchte ich die Sache mit den Geschenken eigentlich immer mehr reduzieren. Wer braucht schon immer mehr Kram?! Wenn Gäste sich am Buffet beteiligen, ist das ein wunderbares Geschenk, finde ich, und mehr braucht es nicht. Auch ein Blumenstrauß macht viel Freude, ein handgeschriebener Brief oder ein Foto in einem schönen Rahmen. Ich verschenke gern Selbstgemachtes oder Dinge, die sich verbrauchen, wie eine hochwertige Body Lotion oder Schokolade…
Aber ganz ohne Geschenke kann ich, glaube ich, doch nicht leben – dafür liebe ich das Schenken und Beschenkt-werden viel zu sehr. Es ist für mich ein Weg, meine Liebe auszudrücken. 



Wir hatten die Party für den Nachmittag angesetzt und dementsprechend auch kein Abendessen eingeplant. Die letzten Gäste erschienen allerdings erst nach 19 Uhr und ich merkte, dass es mir – als introvertiertem Menschlein – doch etwas viel wurde. Ich dachte auch an meine Kinder, an ihre Essens- und Schlafensgewohnheiten und dass diese nun möglicherweise durcheinandergeraten könnten… Zum Glück habe ich ja gerade noch ein Stillkind, mit dem ich mich zurückziehen kann. So saß ich im Schlafzimmer auf unserem Bett, im Dunkeln, damit Samuel einschlief, und traf eine Entscheidung: „Ja, ich habe gern meine Ruhe. Ich mag auch einen regelmäßigen Tagesablauf und meine Routinen. ABER heute ist ein Feiertag und da muss es laut und voll und anders sein. Für heute ist es okay und es ist mir egal, wie lange es dauert. Ich möchte es genießen, solange ich diese lieben Menschen um mich habe, und dafür verzichte ich auch auf ein paar Stunden Schlaf. Denn ich bin zwar introvertiert und Mama und fast dreißig und irgendwie noch nie „cool“ gewesen, aber heute schieße ich mich nicht selbst ins Aus. Das ist heute unser Tag und ich koste ihn aus. Morgen kann ich wieder für mich sein und Noemi um Punkt acht ins Bett stecken.“
Das war gut und total wichtig für mich. Drei Jugendliche aus unserer Gemeinde blieben noch, als alle anderen gegangen waren, und ich konnte mit ihnen exklusiv Zeit verbringen (unsere Kinder schliefen schon). Der Tag verabschiedete sich mit einem Knaller, beziehungsweise, es waren sogar vier oder fünf Feuerwerke, die wir schließlich von unserem Esszimmerfenster aus bewunderten. Wir standen im Dunkeln am Fenster, aus meinem Laptop sang BenHoward, der Himmel explodierte in Weiß und Grün, Rosa und Gold, Falko schlang seine Arme um mich und ich war einfach nur dankbar. 


Zugegeben, das Foto ist nicht von gestern Abend (da wollte ich lieber im Moment verweilen, statt ihn fotografisch festzuhalten), aber das Feuerwerk ist trotzdem schön!