Sonntag, 19. April 2015

Jadegrün und Honiggelb



Eine neue Wohnung eröffnet so viele Möglichkeiten! In den letzten Wochen habe ich mir unzählige Gedanken über die Einrichtung gemacht, wir haben über die Farben der Wände diskutiert, über alte und neue Möbel, und haben uns Wohnzeitschriften gekauft, um Anregungen zu sammeln. Ich machte Skizzen und freute mich wie Bolle über all die tollen Ideen.

Anfang dieser Woche bekamen wir den Schlüssel für unsere neuen vier Wände und vermaßen die Räume. Da war dann erst einmal Schluss mit all den schönen Träumen und Ideen – und die Realität holte mich ein: Unser neues Schlafzimmer ist so winzig, dass wir uns ein neues, kleineres Bett kaufen müssen – das jetzige passt dort nämlich nicht rein. Ob die Waschmaschine tatsächlich (wie vorgesehen) im Bad stehen kann, ist fraglich, sagt mein Schwiegervater, da die Anschlüsse recht ungünstig positioniert sind. Auch das Kinderzimmer wirkt, wenn man all die Möbel reinstellt, plötzlich total klein. Werden die Kinder darin überhaupt genug Platz zum Spielen haben? Viele meiner schönen Ideen scheitern also an den tatsächlichen Gegebenheiten – und natürlich an unserem Budget… Grmpf.

Meine Vorfreude schrumpfte im Lauf der Woche zusehends. Es machte mir auch keinen Spaß mehr, die Wohnzeitschriften durchzublättern und alle möglichen Einrichtungsvorschläge zu markieren. Denn diese Zeitschriften führten mir all die Mängel unserer neuen Wohnung vor Augen; all die Dinge, die bei uns nicht möglich sind, erstrahlten dort in begehrenswertem Glanz. Unzufriedenheit machte sich in meinem Herzen breit. Und ein bisschen Missgunst. Sorgen keimten auf: Werden wir uns wohlfühlen? Werden die Kinder genug Platz haben? Zweifel schoben sich in den Vordergrund meines Bewusstseins: Haben wir uns zu früh für diese Wohnung entschieden? Hätten wir nicht doch lieber weitersuchen sollen? Haben wir uns geirrt, und diese Wohnung ist doch kein Gottesgeschenk?

Gestern haben Falko und sein Vater Farben und allen möglichen Krams fürs Wohnung-Streichen besorgt. Das Kinderzimmer wird honiggelb, das Wohnzimmer kirschrot, unsere Küche erstrahlt demnächst in „Koralle“, der Essbereich in „Manhattan“,  und unsere Schlafzimmerwände soll ein Streifen in „Jade“ zieren. Wunderschöne Farben, von uns ausgewählt. Und ich freu mich so darauf! Die Aussicht auf Wände in traumhaften Tönen stimmt mich plötzlich hoffnungsvoll. Die Lust zu Gestalten kommt langsam wieder zu mir zurück.

Ja, unsere neue Wohnung ist nicht perfekt (ebenso wenig wie unsere aktuelle übrigens) – aber das war uns von Anfang an klar. Unsere neue Wohnung entspricht nicht den idealisierten Darstellungen in Einrichtungsmagazinen – na und? Wir haben keinen Goldesel auf dem Balkon stehen – brauchen wir aber auch nicht!
Jetzt, wo wir die genauen Maße kennen, können wir endgültig planen und Lösungen finden, die zu uns und den Bedingungen der neuen Wohnung passen. Ich kann neue Ideen spinnen und ausprobieren, was geht. Und wie so oft nehme ich mir heute wieder neu vor, mich auf das Positive zu konzentrieren und für das Gute in meinem Leben dankbar zu sein. Da gibt es so viel, allein in Bezug auf unser neues Zuhause: 

  • Wir bekommen eine Spülmaschine, einen tollen neuen Ofen, einen Herd mit Dunstabzug und Schränke, die sich nach oben hin öffnen (sodass ich mir den Kopf nicht mehr an Schranktüren stoßen werde, yayy!)
  • Die Kinderschlepperei in den vierten Stock hat ein Ende – im neuen Haus gibt’s einen Aufzug.
  • Wir haben eine Badewanne!
  • Die Kinder bekommen ein eigenes Zimmer und Falko und ich haben unser Schlafzimmer (bald…) wieder für uns.
  • Das Wohnzimmer hat einen separaten Essbereich – ich freu mich auf einen neuen, großen Esstisch, an dem viele Gäste Platz finden und an dem ich mich allein oder mit Noemi kreativ austoben kann!
  • Ich freu mich auf die frischen, fröhlichen Farben an den Wänden.
  • Und auf das Gefühl von Freiheit und die tolle Aussicht im siebten Stock (auf Wolke sieben sozusagen….)!

Das alles erinnert mich daran, dass auch die neue Wohnung mein gelobtes Land ist. Mit gewissen Bedingungen und Grenzen, ja, aber auch ganz vielen Möglichkeiten und Spielräumen. Gott geht mit, dessen können wir uns sicher sein. Mehr noch: Er wartet dort schon auf uns, mit weit ausgebreiteten Vaterarmen, und bereitet allerhand Gutes für uns vor. Das zu entdecken, darauf freue ich mich!

Und die ollen Zeitschriften schmeiß ich am besten direkt in den Müll, denn die machen mich nur unglücklich…

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