Montag, 6. Februar 2017

Mut am Montag





Es war kein guter Start in den Tag: Leichte Bauchschmerzen kündigten mir die nächste Periode an. Also doch kein Oktoberbaby.
PMS und Enttäuschung gingen eine unheilvolle Verbindung ein – die Leidtragenden waren mal wieder meine Kinder, deren Mama schon kurz nach dem Aufstehen ungeduldig und leicht reizbar war, die den Kleinen in seinen Schneeanzug zerrte und auf dem Weg zur Kita in Tränen ausbrach.
Schmerzhafte Gedanken schießen durch meinen Kopf: „Es ist schon ganz richtig, dass du kein drittes Kind bekommst! Das ist die Strafe dafür, dass du eine so schlechte Mutter bist…“

Auf dem Heimweg fühlte ich mich plötzlich besser. Trotz und ungewohnte Energie stiegen in mir auf. Dann eben nicht, ich kann auch ohne ein drittes Kind glücklich werden! Ich blieb sogar meinem Vorsatz treu, einmal am Tag den Aufzug rechts liegen zu lassen und die sieben Stockwerke per Fuß zu erklimmen. Ich wollte mich nicht noch schlechter fühlen, weil ich gekniffen habe…
Beim Frühstück schlug ich die Losungen auf:

„Was hast du, das du nicht empfangen hast?
Wenn du es aber empfangen hast,
was rühmst du dich dann,
als hättest du es nicht empfangen?“
(1.Korinther 4,7)


Wie überaus passend an diesem Tag!
Mich erinnert der Vers daran, dass es beim Kinderkriegen nicht um Leistung geht – ich muss nicht „funktionieren“, muss  nicht „liefern“! Vielmehr habe ich meine beiden Kinder aus Gottes Hand empfangen, einfach so, weil er es wollte. Er hat sie mir anvertraut, ohne mein eigenes Zutun.
Wenn ich jetzt nicht empfange, ist das nicht meine „Schuld“, sondern es gilt im Umkehrschluss, dass Gott mir diese Gabe zum jetzigen Zeitpunkt nicht zuteilwerden lassen möchte. Aus welchen Gründen auch immer.

Und während ich weiter darüber nachdenke, wird mir bewusst, dass ich ja jeden Tag so viel empfange, weit über die „Empfängnis“ hinaus! Ja, ich habe zwei Kinder, aber selbst ohne sie habe ich in meinem Leben bereits unendlich viel empfangen, und empfange täglich so viel.

Ich muss also nicht so tun, als hätte ich nicht empfangen. Das entspricht nicht der Wahrheit.

Heute habe ich schon all das bekommen:

erholsamer Schlaf ohne Unterbrechungen
(alle Mamis wissen, was das allein für ein Geschenk ist!)
einen Mann, der extra früh aufsteht, damit er abends früher zu Hause ist
einfaches Aufstehen
eine warme, schöne Wohnung
Wasser aus dem Wasserhahn
Gesundheit
Auswahl an Kleidung und Schmuck
gesunde, fröhliche Kinder
warme Kleidung für die Kinder
einen sicheren, guten Ort für meine Kinder mit engagierten, liebevollen Erzieherinnen
Sicherheit und Bewahrung unterwegs
Frühstück
Ruhe
Zeit für mich
eine Waschmaschine
eine Spülmaschine
meine Bibel
die Fähigkeiten, zu lesen und zu schreiben,
und mir Gedanken über mein Leben zu machen
die Beziehung zu Jesus
Freundinnen, denen ich depressive Kurznachrichten schicken darf
Frieden in diesem Land
Vergebung für meine Schuld
Trotz und Elan


Ich will nicht länger die Lügen glauben, die in meinen Gedanken aufploppen und mich zerstören wollen.

Es ist eine Lüge, dass ich nicht „empfangen“ kann.
Die Wahrheit ist, dass ich Tag für Tag unendlich viel Gutes von Gott empfange.
Das ist genug.
Es ist eine Lüge, dass ich eine „schlechte“ Mutter bin.
Die Wahrheit ist, dass ich an meinen Kindern schuldig werde, immer wieder.
Die Wahrheit ist auch, dass Vergebung und Veränderung möglich sind, bei Jesus.
Jeden Tag neu, und wenn nötig, noch viel öfter.


Ich wünsche euch eine gesegnete Woche!



Kommentare:

  1. Hi Reh,
    bei uns ging es gestern in der Predigt um Dankbarkeit und da passt dein Blogpost gut dazu - ja, ich will auch dankbar sein für alles, was ich empfange. Mit dem, was ich habe, verantwortungsvoll umgehen. Momentan wünsche ich mir so sehr mehr berufliche Aufträge und rudere hin und her, ziemlich rastlos. Aber die Zeit hat Gott mir jetzt gegeben, um innerlich anzukommen, wo er mich haben will und umzudenken ... das, was ich habe, gut zu machen. Das ist zwar ein anderes Thema als dein Kinderwunsch :) aber ich finde es ist ähnlich. Liebe Grüße! Anne

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  2. Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. An dir soll sichtbar werden, was es bedeutet, wenn ich jemanden segne.
    1. Mose 12,2

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  3. Danke für deine Worte. Mir ist gerade bewusst, dass ich das Wort "Dankbarkeit" aus meinen Kopf gestrichen hatte. Ich sitze gerade in einem Depressionsloch, in dem ich mit allem hadere. Dankbar zu sein - für all das, was ich habe - ab sofort werde ich das wieder üben.
    Zuerst nochmal DANKE für deinen Blog!

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