Sonntag, 20. Dezember 2015

Wir... im Advent




Fast zwei Wochen ist mein letzter Eintrag nun schon her – eine ungewöhnlich lange Pause für mich! Meine Finger müssen sich erst wieder an die Tastatur gewöhnen, und mein Hirn sich an einen ordentlichen Satzbau… aber schön ist es, wieder hier zu sein! Danke euch allen fürs Lesen, An-mich-denken, Dranbleiben und Kommentieren!
Der Advent neigt sich bereits seinem Ende entgegen, Weihnachten ist zum Greifen nah, und ich möchte euch heute Abend einladen auf einen kleinen Adventsrückblick. Wir… im Advent eben!

…erklimmen weiter die Stufen und kränkeln ein wenig.
Im Treppenhaus tut sich was und der Staub kriecht durch alle Ritzen in die Wohnung, aber bisher heißt es weiterhin durchhalten und sportlich sein (verkneift euch bittebitte die Frage nach dem Gewichtsverlust; so viele Treppen kann ich gar nicht steigen wie ich Dominosteine essen kann…). Das finde ich aber mittlerweile schon gar nicht mehr so schlimm. Noemi ist weiterhin kooperativ und möchte nun nicht mal mehr an meiner Hand die Treppen hoch, sondern ganz alleine. Samuel wird nicht leichter, ist aber in der Manduca auf meinem Rücken sehr zufrieden (und mir bisher beim Aufschnallen auch noch nicht runtergefallen), und ich gewöhne mich dran.
Vorletzte Woche bekamen Noemi und ich eine hochansteckende Bindehautentzündung, sodass meine Große ein paar Tage zu Hause bleiben musste. Die Vorteile: deutlich entspanntere Morgen und weniger Treppensteigen. Der Nachteil: Samuels Tagesrhythmus war völlig hinüber, wodurch die Nächte leider deutlich schlafärmer wurden als gut für uns sein konnte…
Aktuell scheint in der Kita ein bisschen Magen-Darm umzugehen – ich bete, dass wir verschont bleiben! Schnotternasen, Halsschmerzen und Hustenanfälle reichen für den Moment vollkommen.

… basteln mit Salzteig.


Nachdem ich auf mehreren Blogs über Salzteig-Basteleien gelesen und Noemi großen Eifer beim Plätzchenteigausrollen und –ausstechen bewiesen hatte, stellte auch ich eine Portion Salzteig her. Wir fertigten hauptsächlich Christbaumanhänger an  (ich wollte sie gern etwas filigraner haben, also stachen wir mit Hilfe eines Strohhalms viele kleine Löcher aus den Sternen und Herzen), machten aber auch Handabdrücke der Kinder, und ich formte ein paar Utensilien für eine zukünftige Puppenküche oder einen Kaufmannsladen. Unsere Werke sind gerade im Ofen – ich bin gespannt, wie sie am Ende aussehen!

… gehen durch ein finsteres Tal und werden ermutigt.
(Beziehungsweise: Ich ging durch ein finsteres Tal und wurde ermutigt…) In regelmäßigen Abständen werde ich zum Opfer meiner Hormone und erlebe eine Woche höchstdepressiver Stimmung. Dieses Mal kamen auch noch Noemis Kita-frei, Schlafmangel und Erkältung hinzu. Ich konnte das (wie es schien: permanente) Heulen und Schreien der Kinder kaum ertragen und wollte einfach nur die Bettdecke über den Kopf ziehen und schlafen – wie sollte ich diese Tage überstehen?
Dann, an einem Morgen, als mir das Aufstehen ganz besonders schwer gefallen war, ertönte in meinem Kopf plötzlich eine kleine, feine Melodie:

Weiche vor den Weihnachtskerzen, dunkle Nacht!

Jesus hat auch unsren Herzen Licht gebracht.

Dieses Lied kenne ich von der CD Weltjahresbestzeit von 2Flügel (sehr zu empfehlen, übrigens, auch als Weihnachtsgeschenk!), hatte ihm aber bisher keine größere Aufmerksamkeit geschenkt. Jetzt wiederholte es sich in Endlosschleife in meinen Gehörgängen und machte mich munter.Nimm das, miese Stimmung: Ich zünde jetzt ne Kerze an!

… freuen uns über unsere Kinder.
Seit etwa zwei Wochen kann Samuel stehen! Das ging auf einmal ganz schnell, nachdem er einige Zeit lang das Sich-Hochziehen an allen möglichen Gegenständen geübt hatte. Das Robben hat er inzwischen aufgegeben und krabbelt lieber durch die Wohnung. Das Patschen seiner Händchen auf dem Laminat finde ich unheimlich süß… Seit er diesen Entwicklungsschub hinter sich gebracht hat, ist er wieder deutlich besser drauf und strahlt den ganzen Tag. Dabei zeigt er stolz seine zweieinhalb niegelnagelneuen Zähne!
Und Noemi ersetzt mir jede Weihnachts-CD, denn sie singt praktisch ununterbrochen „O Tannenbaum“, „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ oder „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ (was bei ihr aber: Fleischröckchen heißt ;)). Und auch sie scheint irgendeine Phase überstanden zu haben, denn ihre Bockigkeit hat nachgelassen; das Leben kann so schön sein!

… machen Bible Art Journaling zu Jesaja 9 und reden über den Himmel.


Der letzte (und erste) Bible Art Journaling-Abend war so wunderbar, dass ich die Erfahrung gern noch in diesem Jahr wiederholen wollte. Und am Freitag trafen wir uns dann in etwas kleinerer Runde und lasen gemeinsam die ersten sechs Verse aus Jesaja 9 – einen klassischen Weihnachtstext.
Nach dem Gestalten und Basteln saßen wir noch lange zusammen und sprachen über die verheißene Herrschaft Jesu: Frieden, Recht und Gerechtigkeit in Ewigkeit! und über den Himmel. Wie wird es dort sein, vor allem, wenn Zeit und Raum keine Rolle mehr spielen? Wie wird unser Leben aussehen?
Eine Freundin meinte, sie wäre so gespannt darauf, wie ihr Zuhause im Himmel eingerichtet sein wird – schließlich hat Jesus uns zugesagt, Wohnungen für uns vorzubereiten, und er kennt uns, unsere Vorlieben und Bedürfnisse ja am besten! Für mich war dieser Gedanke vollkommen neu, ich hatte mir unter den himmlischen „Wohnungen“ irgendwie eher Plattenbauten vorgestellt… nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass Jesus einen liebevoll und persönlich eingerichteten Ort für mich vorbereiten könnte! Mir wurde klar, dass ich noch immer so klein von Jesus denke, dass ich in meinem tiefen Inneren noch nicht an seine Liebe zu mir glaube – dass ich deren Dimensionen nicht annähernd begreife! Wie sehr ihm daran liegt, mit mir zusammen zu sein, wie wichtig ich ihm bin und dass es mir gut geht! Da ist noch viel Misstrauen in mir, das habe ich jetzt verstanden.

… genießen unsere Adventskalender.
Dass Falko und ich uns gegenseitig Adventskalender schenken, ist bei uns schon Tradition. Und normalerweise verschenke ich auch an Familienmitglieder oder Freunde Adventskalender. Doch in diesem Jahr erlebte ich eine Prämiere: Ich wurde von einer Freundin mit einem Adventskalender überrascht! Jeden Tag freue ich mich auf und über die liebevoll gebastelten Streichholzschachteln meiner neuen Freundin Elly und fasse es nicht, dass mich jemand so gern haben kann…

… lernen wir unsere Nachbarn besser kennen.
Jeden Tag schaffen wir es zwar nicht, aber wir haben schon einige Adventsteller in unserem Haus verteilt. Manche Nachbarn nahmen den Teller überrascht entgegen und wünschten uns ebenfalls noch schöne Feiertage, viele öffneten darüber hinaus noch ihre Tür für uns und luden uns ein. Nicht selten gingen wir mit einem Geschenk zurück in unsere Wohnung – mit einer türkischen Nachbarin tauschen wir seitdem Gebäck munter hin und her (und fragen uns, wann das enden wird…). An Nikolaus fanden die Kinder zwei putzige Stoffschweinchen vor der Wohnungstür, und ein paar Tage später klingelte ein Nachbar mit seinem Sohn – ob wir ein bisschen Zeit hätten, dass die Kinder miteinander spielen? Einladungen werden ausgesprochen, die Pläusche im Treppenhaus immer ausgedehnter, den Namen auf den Klingelschildern ordnen wir nun Gesichter zu.
Und interessanterweise ergeben sich auch über unser Haus hinaus nun Gespräche – unterwegs sprach mich eine Frau an, die mir auf dem Spielplatz aufgefallen war, weil sie immer besonders missmutig dreinschaute. Wir gingen zusammen nach Hause und unterhielten uns richtig gut. Es ist doch immer wieder erstaunlich, was Gott aus dem, was wir ihm hinhalten, schaffen kann: Wir wünschten uns gute nachbarschaftliche Beziehungen und gingen den ersten Schritt, nun öffnen sich überall Türen und Gelegenheiten! Das ermutigt mich, die Dinge, die mir auf dem Herzen liegen, anzugehen und zu sehen, was Gott daraus macht.

… haben alle Geschenke beisammen (und die meisten schon eingepackt)!
Das ist auch der Hauptgrund, warum ich in den vergangenen zwei Wochen nicht zum Schreiben gekommen bin: Es mussten die Kalender mit (Kinder-)Fotos für die Familie zuerst geklebt und gestaltet, dann eingepackt und verschickt werden. Das Verpacken der Geschenke insgesamt nahm viel Zeit in Anspruch, weil ich dieses Jahr schöne Geschenkanhänger selber bastelte, kleine Wimpel aus Masking-tape an die Geschenkbänder klebte und so weiter. Und dann war da noch ein recht aufwändiges Geschenk-Projekt, über das ich aber erst nach Weihnachten berichten werde… :)
Jetzt sind wir aber fast fertig und ich freue mich schon sehr auf die Reaktionen der Beschenkten – das ist doch immer das Schönste daran!

… bereiten uns auf unser erstes Weihnachten in den eigenen vier Wänden vor!
Der Baum steht (damit er optimal zur Geltung kommt, haben wir das gesamte Wohnzimmer umgeräumt…), die Ente wartet im Tiefkühlfach auf ihren Einsatz und ich mache mir Gedanken über die Tischdekoration – das sind so aufregend neue Erfahrungen für mich! In den letzten Jahren waren wir über die Feiertage immer bei unseren Eltern zu Gast, schmückten deren Baum und aßen, was uns aufgetischt wurde. Dieses Jahr bleiben wir zum ersten Mal zu Hause, ersparen uns den Reisestress (ohne Auto immer besonders herausfordernd!) und laden stattdessen zu uns ein. An Heiligabend füllt sich die Bude mit Freunden, an den darauffolgenden Tagen trudelt die Familie ein. Es gibt noch viel zu tun, aber all das werde ich genießen – so zumindest der Plan.

Nur noch viermal schlafen bis Heiligabend! 
Ich wünsche euch ganz viel kindliche Vorfreude, heilige Erwartung und immer wieder zwischendurch einen besinnlichen Moment mit dem, den wir erwarten!



Montag, 7. Dezember 2015

Mut am Montag




Es ist viel zu spät und ich sollte längst schlafen, aber im Lauf des Tages werde ich wohl nicht zum Schreiben kommen – dabei habe ich gerade Ermutigung erfahren, die ich unbedingt an euch weitergeben möchte!
Am Freitagabend erfuhren wir, dass die Fahrstuhlarbeiten in unserem Haus deutlich länger andauern werden als angekündigt. Von drei Wochen war ursprünglich die Rede gewesen (die sind nun um), inzwischen nennt niemand mehr ein konkretes Datum, wann die Treppensteigerei ein Ende haben wird. „Januar“ wird gemunkelt, aber so genau weiß das niemand.
Als ich das hörte, fing ich direkt an zu heulen – vor Wut, Enttäuschung und Hilflosigkeit. Unser Familienalltag ist durch diese 120 Stufen so viel komplizierter als er ohnehin schon ist, wir werden an den Weihnachtsfeiertagen Falkos Oma wohl nicht zu uns einladen können, und meine Knie tun mir weh! Ich will nicht mehr, und ich kann nicht mehr; warum tust du mir das an?!? – so der (zensierte) Wortlaut meines Freitaggebets.

Vor ein paar Minuten, ich lag bereits im Bett, nahm ich noch kurz ein Buch zur Hand, Glimpses of Grace von Gloria Furman. Ich schlug die Seiten auf, zwischen denen mein Lesezeichen lag, und stieß auf die folgenden Verse:

„Aber Mose wurden die Arme schwer; darum nahmen Aaron und Hur
einen Sein und legten ihn hin, dass er sich daraufsetzte.
Die beiden aber stützten ihm die Arme, auf jeder Seite einer.
So blieben seine Hände erhoben, bis die Sonne unterging.“
(2. Mose 17,12)

Auf diese Weise besiegte das Volk Israel die Amalekiter – weil Aaron und Hur Moses Arme im Gebet stützten. Mose selbst ging die Kraft aus. Aber er war nicht allein! Da waren zwei gute Freunde und Mitstreiter an seiner Seite, die ihm halfen, seine Aufgabe zu erfüllen.

Auch mir werden die Arme so schwer, wenn ich Samuel die Treppen rauf und runter tragen muss! Besonders wenn er seinen rutschigen Schneeanzug trägt und ich Noemi an der Hand halte, habe ich bereits nach zwei Treppenabsätzen das Gefühl, mein Arm müsse jeden Moment abfallen. Teilweise trage ich meinen Sohn auf dem Rücken, aber es ist schwierig für mich, ihn allein in die Manduca zu schnallen (er hält nicht besonders still und mit all den Klamottenschichten ist es kompliziert). Wir haben noch keine gute Lösung gefunden; alles ist umständlich, raubt mir Zeit und Energie, die ich nicht habe.

Und dann lese ich hier von Männern, die ihrem Freund die Arme stärken!
Für mich sind diese Verse Erinnerung und Ermutigung zugleich:
Ich denke an die wunderbaren Menschen, die mir in den vergangenen Wochen geholfen haben – die vorbeigekommen sind, um auf Samuel aufzupassen, damit ich ihn nicht mit zur Kita nehmen muss, wenn ich Noemi abhole! Tausend Dank euch! 
Ich denke an unsere Nachbarin im sechsten Stock, die ihn mir auch schon ein paarmal abgenommen hat. An Falko, der die Einkäufe übernimmt, und auch die Kinder, wenn es ihm möglich ist.
Ich denke an die vielen tausend Stufen, die ich inzwischen erklommen habe, mit Kindern und ohne sie, und wir haben es bisher immer geschafft, irgendwie.
Vielleicht hat mir da auch mal ein Engel die Arme gestützt…

Und ich bin gespannt, welche Aarons und Hurs mir Gott in den kommenden Wochen zur Seite stellen, auf welche Weise er mir die Arme und Hände stärken wird. Er wird es tun, dessen bin ich gewiss.
So gehe ich nun zuversichtlich in diese neue Woche, im Wissen, dass mein Vater im Himmel schon weiß, was ich brauche und dass er mich versorgt. Immer und immer wieder neu.

Noch ein Vers kommt mir gerade in den Sinn - der ist für euch, für eure neue Woche:

"Aber die auf den Herrn harren,
kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden."
(Jesaja 40,31)

 

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Advent öffnet Türen




Das Haus, in das wir vor einem guten halben Jahr einzogen, hat 24 Wohnungstüren – es bietet sich als „lebendiger Adventskalender“ also geradezu an! Da wir uns noch gar nicht allen Parteien als neue Nachbarn vorgestellt haben (anscheinend macht man das auch gar nicht so?!) und uns grundsätzlich wünschen, nachbarschaftliche Beziehungen stärker zu pflegen, nutzen wir dieses Jahr den Advent, um jeden Tag ein „Türchen“  unseres Hauses zu öffnen.

Ich stelle also jeden Tag einen Teller mit Orange, Tannenzweig, Fröbelstern und Adventsleckereien zusammen, und sobald Falko von der Arbeit nach Hause kommt, besuchen wir einen unserer 23 Nachbarn. Gestern mussten wir an drei Türen klingeln, ehe uns jemand öffnete – dann aber wurden wir sehr herzlich empfangen. Nach einem kurzen Plausch im Treppenhaus verabschiedeten wir uns, nur Noemi blieb noch ein Weilchen bei ihren neuen Freunden ;) (Das war schon ein bisschen verrückt: Noemi saß plötzlich auf dem Arm unserer Nachbarin und nickte begeistert, als diese vorschlug, sie könne doch ein bisschen bleiben. Dann schloss sich die Tür, und wir hörten unsere Tochter auf der anderen Seite fröhlich erzählen und singen. Nach etwa einer Viertelstunde wurde sie vom Sohn der Familie wieder zu uns nach oben gebracht… )
Heute hatten wir gleich beim ersten Versuch Erfolg, und auch die Nachbarn gegenüber freuten sich über eine kleine Adventsüberraschung. (Nur Noemi war enttäuscht, dass sie nicht hereingebeten wurde und machte eine kleine Szene im Treppenhaus…)

Ich bin jedenfalls total gespannt auf all die Begegnungen mit unseren allernächsten Menschen in der kommenden Zeit! Auf den nächsten Adventsteller kommen vielleicht auch mal selbstgebackene Plätzchen (bisher hatte ich noch überhaupt keine Lust auf backen…) oder ein paar gebrannte Mandeln à la Elly – das Rezept dafür hatte ich heute nämlich in meinem Adventskalender :)

Euch allen wünsche ich eine gesegnete erste Adventswoche – in der vielleicht auch bei euch jemand klingelt, um einen Adventsgruß abzuliefern. Oder ihr werdet selbst zu einem Nachbarn-Erfreuer…? Wer weiß? 



Dienstag, 1. Dezember 2015

Advent, wie er Gott gefällt?




Manchmal fallen in einer Predigt Sätze, die noch eine ganze Weile in mir nachhallen. Am letzten Sonntag, am ersten Advent, war es mal wieder soweit. Es ging um Zacharias, den Hohepriester, dem ein Engel die Geburt seines Sohnes ankündigt, was er jedoch aufgrund seines hohen Alters nicht glauben kann und deshalb seine Fähigkeit zu sprechen einbüßt. Der Satz, der bei mir hängenblieb, war vielmehr eine Frage, und bezog sich eher auf einen Nebenaspekt der Geschichte – Zacharias und seine Frau Elisabeth führten nämlich „ein Leben, das dem Herrn gefiel“. Daraus folgerte unser Pastor die Frage für uns: „Feiern wir den Advent so, wie er Gott gefällt?“ Wir hatten ein paar Minuten, um darüber nachzudenken, aber ich war viel zu müde dafür. Also nahm ich die Frage mit nach Hause, und seitdem beschäftigt sie mich.

Ein Advent, wie er Gott gefällt – wie sähe das aus?
Gerade heute bin ich wohl total weit davon entfernt. Es war mal wieder ein Chaostag, so wie gestern auch schon, der damit begann, dass Noemi sich weder wickeln noch anziehen lassen wollte, bockte und schrie, und ich die Nerven verlor. Der gesamte Morgen war eine einzige Hetzerei: Noemis Adventskalender blieb (vorerst) ungeöffnet, weil ich weder Zeit noch Lust hatte, sie mit einem Geschenk zu beglücken, dann „schnell“ die Kinder anziehen und sieben Stockwerke runter, trip-trap, trip-trap, das eine Kind an der Hand, das andere (scheinbar schwerere) unterm Arm (ich habe die Stufen noch nicht gezählt, aber laut meinen Berechnungen sind es ungefähr 120. Wir sind in der dritten Woche und ein Ende ist nicht in Sicht), den Kinderwagen aus dem Keller hieven und zwei Häuser weiter klingeln – dort lebt ein Mädchen, dessen Mama hochschwanger ist, und so nehme ich das Kind eben mit zur Kita. Als meine Tochter endlich in ihrem Gruppenraum verschwunden ist, fliehe ich aus der Kita und heule mich nach Hause.
Und so ging der Tag weiter – zuerst verschüttete ich nur ein Wasserglas, dann den frisch aufgebrühten Kaffee (ihr müsst wissen, dass wir keine Kaffeemaschine besitzen, und ich mir den Kaffee von Hand durch einen Filter aufgieße – jedenfalls fiel die Tasse um, und heißes Wasser samt Kaffeesatz ergoss sich auf den Boden und überallhin…), außerdem stieß ich mir sämtliche Körperteile an sämtlichen Möbelstücken, meine Tochter verweigerte jegliche Kooperation und mein Sohn kommentierte das alles mit seinem ohrenbetäubenden Gekreische. Advent, Advent, meine Birne brennt! Heute Abend wollten wir dann zum ersten Mal in diesem Jahr Advent feiern, mit „Macht hoch die Tür“, Adventskalendergeschichte, Kerzenlicht und Gebet, aber auch diese schöne Familienzeit wurde durch das Gezicke unserer Großen leicht… unfeierlich. Plätzchen haben wir auch noch keine gebacken und irgendwie fehlt mir total der Antrieb...

Wie verbringe ich denn nun einen Advent, der Gott gefällt? So jedenfalls nicht…

Aber dann fällt mein Blick auf den „anderen Advent“, einen Adventskalender mit Bildern und Texten, den uns meine Tante Lilo auch dieses Jahr wieder zugeschickt hat. Da steht für heute ein Vers aus dem Lukas-Evangelium (17,21): „Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“
Wow, was für eine Aussage! Das Reich Gottes ist hier – mitten im Chaos, mittendrin in meinem Alltag, auch an den verkorksten Tagen. Genau daran erinnern wir uns ja besonders in der Weihnachtszeit: Gott wurde in diese Welt hineingeboren – in diese Welt, so wie sie ist, mit ihrem Schmutz und Hunger und Leid und Schmerz. Jesus war und ist sich nicht zu schade für meinen Alltag und für all das, was bei mir schief läuft. Er liebt mich, und er teilt […hier setze ich alles ein, was mich belastet…] mit mir.

Ich glaube, das ist ein Advent, wie er Gott gefällt: Wenn ich ihn mit ihm zusammen verbringe. Wenn ich mich daran erinnere, dass Er bei mir ist und mich versteht, dass Er mich durchtragen und befähigen möchte, dass Er mir vergibt und mich immer wieder annimmt, dass ich ja gar nicht allein bin, sondern im WIR leben darf, mit ihm. (Und das unterscheidet den Advent dann überhaupt nicht vom Rest des Jahres; das gilt ja immer!) Ein Leben (im Advent und auch sonst), das Gott gefällt, ist eines, das sich um IHN dreht, das von ihm ausgeht und bei ihm ankommt, immer wieder.

Ein Advent, wie er Gott gefällt – denke ich weiter darüber nach, kommen mir noch mehr Gedanken:

Wenn wir anderen Menschen dienen und ihnen eine Freude machendas gefällt Gott!
Mein Mann zum Beispiel freut sich sehr über seinen Adventskalender, den ich (mit toller Unterstützung durch eine liebe Freundin) aus Milchtüten für ihn gebastelt habe. Aber auch wenn ich einer hochschwangeren Frau den Kita-Gang abnehmen kann oder einer älteren Nachbarin morgens die Zeitung mitbringe, sind das kleine Adventmomente, die Gott ehren.
Und oft genug bin ich selbst die Beschenkte: Heute Nachmittag brachte mir Elly einen wunderschönen, selbst gestalteten Adventskalender vorbei! Für mich war das wie der Besuch eines Engels! (Auf dem Heimweg von der Kita sprachen Noemi und ich über Engel, und ich erklärte ihr, dass es auch Engel ohne Flügel gibt…)

Falkos Adventskalender 2015
Der wunderschöne Adventskalender, den Elly für mich gemacht hat!

Wenn wir Gemeinschaft miteinander haben – das gefällt Gott!
Meine Tochter und ich – wir haben es gerade nicht so leicht miteinander. Trotzdem hatten wir heute eine wunderschöne Dreiviertelstunde zu zweit, während Samuel schlief und Falko noch auf dem Nachhauseweg war: Aus Masking Tape klebten wir einen Weihnachtsbaum im Kinderzimmer. Wir „bastelten“ in Ruhe und Frieden miteinander, und all der Stress des Tages war vergessen.

Unser Masking-Tape-Christbaum
Der Adventsweg - ein Licht leuchtet schon!

Wenn wir unser Zuhause öffnen –das gefällt Gott!
Die Gemeinschaft, zu der Jesus uns ruft, beschränkt sich nicht auf unsere Familie: Dieses Jahr an Heiligabend werden wir mit Freunden feiern und ihnen Familie sein. Wir denken darüber nach, wie wir unser Zuhause immer mehr für andere öffnen können, vielleicht auch für Flüchtlinge. Jetzt, bei diesen Temperaturen soll kein Mensch draußen übernachten müssen.

Wenn wir unser Licht leuchten lassen – das gefällt Gott!
Als ich am späten Nachmittag für ein paar Besorgungen das Haus verließ, war die Sonne bereits untergegangen, der Himmel pechschwarz – trotzdem war es nicht wirklich dunkel. So viele Menschen haben ihre Fenster mit Lichtern geschmückt, Kerzen und Lampen brennen in den Häusern und Gärten – das liebe ich so an der „dunklen“ Jahreszeit: Dass wir jetzt unsere Lichter extra hell leuchten lassen, dass wir das Licht gerade jetzt so schätzen und lieben.
Und so zünde ich eine Kerze an, schenke ein Lächeln oder eine helfende Hand, und es wird ein bisschen heller in der finsteren Zeit.


„Das Volk, das im Finstern wandelt,
sieht ein großes Licht,
und über denen, die da wohnen im finstern Lande,
scheint es hell.
Denn uns ist ein Kind geboren,
ein Sohn ist uns gegeben,
und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter;
und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held,
Ewig-Vater, Friede-Fürst.“

(Jesaja 9,1+5)