Mittwoch, 23. März 2016

Dunkle Tage



Dunkle Tage. Meine Stimmung ist im Keller, Wut häuft sich in mir an und will raus, RAUS!
Drei Tage war ich praktisch allein mit den Kindern, mit meinen süßen, über alles geliebten Kindern, und mir ist einfach alles zu viel. Ich will es nicht, aber ich brülle, und in einem roten Moment habe ich meinen Kleinen an mich gedrückt, damit ich die Beherrschung behalte und nicht etwa die Hand gegen meine Tochter erhebe.
Dabei sind es gar nicht die Kinder, und auch nicht mein Mann oder sonst irgendwer.
Ich komme gerade mit mir selbst nicht klar. Diese Wut, die in mir schmort, die hege ich gegen mich selbst.
Gestern habe ich seit langer Zeit wieder einmal geweint, und da kamen die Tränen so heftig und ich konnte kaum aufhören.
Dabei bin ich doch eigentlich glücklich, oder nicht?
Ich poste über Ostereier und zeichne wieder täglich und fasse Mut, mir einen Traum zu erfüllen.
Ich habe glückliche, bezaubernde Kinder, einen tollen Mann, der mich unterstützt und treue Freunde, die mich (aus welchen Gründen auch immer) mögen.
Ich habe in meinem Leben noch nie etwas wirklich Schlimmes erlebt.

Und trotzdem ist da diese Wut und sie geht nicht weg, auch wenn es mir manchmal gelingt, so zu tun, als wäre sie nicht da.
Wenn sie dann hochkommt, ist sie wie ein Tier und ich krümme mich in meinem Bett zusammen und heule Rotz und Wasser und denke, dass es besser wäre, wenn es mich nicht gäbe.
Ich schlage um mich und boxe ins Kissen wie eine Verrückte und gar nichts wird davon besser.
Ich bin fast 30 Jahre alt, und doch komme ich mit mir selber nicht klar.
Das, was ich will, tue ich nicht,
und das, was ich nicht will, tue ich.

Immer wieder bedanken sich Menschen bei mir über meine Ehrlichkeit, Direktheit, Offenheit.
Und es stimmt, dass ich mich darum bemühe.
Trotzdem kam ich mir gestern Abend, in meinem tiefen, dunklen Loch, wie eine Blenderin vor. Auf dem Blog sieht am Ende ja meistens doch alles shiny shiny aus, von wegen Dankbarkeit und bla.
Und ich beschloss, das hier zu schreiben.
Das ist es, was bei mir los ist.
Bei mir ist gerade gar nichts gut.

(Und dann denke ich, dass ich ja ganz schön egoistisch bin, von wegen anderswo sterben Menschen und sind auf der Flucht und haben richtige Probleme und ich lamentiere hier so rum... ARGH! Gerade finde ich mich selbst einfach nur furchtbar.) 



Donnerstag, 17. März 2016

Ostereier dreimal anders




In meiner Kindheit haben wir Ostereier hauptsächlich im Farbbad gefärbt – jedenfalls erinnere ich mich nicht, dass wir sie auf andere Weise bemalt oder gestaltet hätten. Und so war es für mich in diesem Jahr eine richtige Prämiere zu entdecken, was man noch alles mit Ostereiern anstellen kann. Ich habe einige Eier ausgeblasen und gereinigt und dann ging es los:

Schlichte Ostereier im Federkleid
Bei einigen Eiern gab es beim Anstechen ein paar Schwierigkeiten, sodass die Schalen Risse bekamen oder die Löcher zu groß gerieten. Diese Schönheitsfehler lassen sich mit aufgeklebten Federn leicht kaschieren: Einfach die Eier dünn mit Kleber bestreichen und Federn andrücken – fertig.
Zusammen mit ein paar Wachteleiern und Federn machen sich die Eier richtig gut in einer Schale, wie ich finde :)



Doodle-Eier
Eigentlich zeichne ich am liebsten mit einem weichen Bleistift, aber in letzter Zeit haben es mir auch schwarze Permanent-Marker angetan. Mit ihnen kann man richtig schön „doodeln“, also einfache Formen mit Linien, Kreisen, Wirbeln, Spiralen und anderen Zierlinien füllen. Und das geht nicht nur auf Papier, sondern auch auf Ostereiern. Auf braunen Eiern kann  man auch mit einem weißen Permanent-Marker einen schönen Effekt erzielen.
Zwei Eier habe ich außerdem beschriftet: Eines mit „Jesus is risen – He is risen indeed“, das zweite mit Johannes 3,16. Passend zu Ostern eben.
Die Doodle-Eier gefallen mir gut an unserem Osterstrauß.







Bunte Fingerfarben-Eier
Für die Eier-Bemal-Aktion mit Noemi habe ich in diesem Jahr Plastikeier besorgt. Zum einen wegen der Bruchgefahr, aber auch weil wir zu viert so viele Eier ja gar nicht essen könnten, wie wir bemalen wollten… Fingerfarben sind zwar ziemlich dickflüssig, letztlich eigneten sie sich aber doch ganz gut für meine malbegeisterte Zweieinhalbjährige – die Farben sind auch aus Kleidung gut auswaschbar und natürlich ungiftig.
Zuerst verwendeten wir einen Pinsel, um die Farbe aufzutragen (sie hasst es, wenn ihre Finger dreckig werden…), aber dann fand sie es doch ganz lustig, bunte Fingerabdrücke auf den Eiern zu hinterlassen oder diese in der Farbe zu wälzen :)
Zum Trocknen spießten wir die Eier auf Schaschlickspieße, die wir in mit Erde gefüllte Blumentöpfe steckten.
Die bunten Eier werden wir zusammen mit ein paar Schokoladeneiern und –häschen in Osterkörbchen legen und an die Großeltern verschenken. 





Montag, 14. März 2016

Wut am Montag?



Auszug aus Psalm 4


Manchmal verwandeln sich die wunderbarsten Kinder der Welt in furchterregende Bestien. Dann schreien sie und schlagen um sich und sind für mich nicht mehr erreichbar. Es gibt Tage, an denen ich damit umgehen kann. Aber es gibt auch die anderen Tage – an denen reift in mir eine Wut heran, die sich von all den Kleinigkeiten nährt und irgendwann, wenn sie zu voller Größe gelangt ist, explodiert. Jähzorn gibt es in meiner Familie seit Generationen. Dass ich ihn auch in mir trage, weiß ich erst seit der Geburt meiner Tochter. Es war eine schreckliche Entdeckung.
Oft komme ich mit der Wut klar, zu oft jedoch nicht. Dann zeigt das hässliche Monster sein Gesicht und mir wird angst. Gerade eben war ich doch noch ganz ruhig, und dann höre ich mich selbst brüllen und Dinge sagen, die ich nie sagen wollte. Im einen Moment atme ich tief ein, um den Kindern und mir selbst Zeit zu geben, im nächsten spucke ich Feuer. Und wenn ich meine Tochter beobachte, ihre Ausbrüche und ihre Hilflosigkeit angesichts der Übermacht ihrer Gefühle, dann erkenne ich den Jähzorn auch in ihr.
Um meine Kinder zu lehren, wie sie positiv mit ihren Gefühlen (und ganz besonders mit der Wut) umgehen können, muss ich es erst selbst lernen, das ist mir in den vergangenen Jahren klar geworden. Ich kann nicht von meiner Tochter erwarten, dass sie „sich selbst im Griff hat“, wenn ich selbst vor ihren Augen ausraste. Wie soll sie wissen, dass es einen guten Ausweg gibt, wenn ich in ihr nicht zeige, wenn ich nicht vorangehe?
Ich gehe sie also an, meine Wut, und lerne langsam, ganz langsam, mit ihr zu leben. Weil sie zu mir gehört und ihre Berechtigung hat, und weil ich meine Kinder liebe.

Die folgenden Aspekte sind mir dabei wichtig geworden und haben schon manche Situation gerettet:


Das Nervenkostüm stärken: Ich sorge für mich und bitte um Unterstützung.
Die Erfahrung zeigt: Wenn ich meine Tanks regelmäßig auffülle und dafür sorge, dass ich genug Ruhe (kreative Zeit, Nahrung, Schlaf etc.) bekomme, kann ich den stressigen Alltag mit den Kindern deutlich besser bewältigen. Natürlich ist das nicht immer möglich; mein Tank ist selten ganz voll. Wenn ich merke, dass es mir nicht gut geht und ich befürchte, dass mir im Lauf des Tages die Puste ausgehen könnte, hole ich mir Unterstützung. Ich verabrede mich mit Freundinnen oder den Jugendlichen aus der Gemeinde – vielleicht ist es auch möglich, die Kinder kurz bei einer Nachbarin abzugeben. Ich habe inzwischen gelernt, dass ich nicht allein bleiben muss und es in Ordnung ist, um Hilfe zu bitten.

Die Wut akzeptieren: Sie ist ein Indikator, nicht mein Diktator.
Sobald die Wut in mir aufsteigt, tendiere ich dazu, mich dafür zu verurteilen. Dabei ist Wut an sich ein legitimes Gefühl – sie zeigt mir an, dass etwas falsch läuft! Nun gilt es, herauszufinden, was genau mich stört und wie ich etwas daran ändern kann. Ich möchte lernen, meine Wut zuzulassen und sie als ein Warnsignal wahrzunehmen. Nur dann kann ich sie nutzen, um Situationen zu verändern, anstatt mich von ihr überwältigen und beherrschen zu lassen.

Notfallmaßnahmen ergreifen: „Wenn ihr zürnt, so sündigt nicht.“
Wenn ich meine Wut erst einmal wahrnehme, ist es bei mir oft schon zu spät – als wäre in meinem Inneren unbemerkt ein Fass vollgelaufen, das nun durch den berühmten Tropfen zum Überlaufen gebracht wird. Für mich ist es deshalb entscheidend, die Wut rechtzeitig zu bemerken, bevor sie zu groß wird. Ich versuche, meine Gefühle regelmäßig zu überprüfen und bete darum, dass Jesus mir hilft, das „Überlaufen“ zu vermeiden.
Wird die Wut trotzdem so groß, dass ich um meine Selbstbeherrschung fürchte, haben sich die folgenden Strategien bewährt: Den Raum verlassen und in ein Kissen schreien bzw. ins Kissen boxen. Jemanden anrufen, zum Beispiel meinen Mann oder meine Mutter. Ohropax benutzen (man hört die Kinder dann trotzdem noch, jedoch werden die Geräusche angenehm abgedämpft). Laut zählen, bis ich merke, dass ich ruhiger geworden bin. Die Kinder zügig anziehen (Ohropax!) und an die frische Luft gehen. Stoßgebete. Laut singen.

Das eigene Verhalten hinterfragen: Reize ich meine Kinder zum Zorn?
Bin ich ungerecht oder zu streng? Bevorzuge ich eines der Kinder? Höre ich meinen Kindern wirklich zu? Bin ich gerade zu ungeduldig? Projiziere ich meine eigenen Wünsche und Vorstellungen auf die Kinder? Verlange ich zu viel von ihnen? Habe ich die Bedürfnisse meiner Kinder gerade ignoriert? Kritisiere ich zu viel und zu harsch? War ich zu unsensibel?

Mich nicht überrumpeln lassen: Typische Wutsituationen „planen“
Viele Situationen wiederholen sich im Familienalltag, manche sogar mehrmals täglich: Meine Tochter will sich nicht selbst anziehen (obwohl sie das schon sehr gut kann) und fängt an zu schreien, wenn ich darauf bestehe. Die Kinder nehmen sich gegenseitig Spielsachen weg und werden handgreiflich. Meinem Sohn geht es bei Tisch nicht schnell genug und er tut seinen Unmut schrill kreischend kund…
Bei diesen Standardsituationen lohnt es sich, in einer ruhigen Minute das eigene Verhalten zu überdenken und sich eine Strategie zurechtzulegen. Manchmal ist es wohl auch nötig, etwas mehr Zeit einzuplanen, damit man nicht in (zusätzlichen) Stress gerät – zum Beispiel beim leidigen Thema Anziehen. Wenn ich mein eigenes Verhalten vorher geplant habe, fühle ich mich weniger hilflos und werde nicht von meinen Gefühlen übermannt.

Die Kontrolle behalten: Die Kinder sind nicht die Herrscher über meine Gefühle!
Nur weil meine Kinder ausrasten, muss ich es noch lange nicht! Meine Kinder sind nicht die Herrscher über meine Wut; ich selbst entscheide letztendlich, ob ich den Gefühlen nachgebe oder nicht. Ich möchte lernen, selbst Verantwortung für mein Fühlen und Handeln zu übernehmen, anstatt diese meinen Kindern zuzuschieben (Warum machst du mich so wütend?). Schließlich bin ich die Mutter, ich bin die Erwachsene, und als solche möchte ich mich auch verhalten.

Den Neuanfang wagen: Ich bitte um Vergebung und sie wird mir geschenkt.
Immer wieder falle ich hin, allen guten Vorsätzen, Gebeten und Maßnahmen zum Trotz. Wenn ich doch mal wieder geschrien habe und grob war, muss ich mich dennoch nicht dafür fertig machen. Nein, das brauche ich wirklich nicht! Gott hat nie etwas davon gesagt, dass wir uns selbst zerfleischen und quälen müssen! Aber wir dürfen unsere Sünde bekennen und um Vergebung bitten. Wir dürfen das Vergangene hinter uns lassen und neu anfangen, jederzeit.
Wenn die Gemüter sich etwas beruhigt haben, gehe ich zu meiner Tochter und bitte sie um Vergebung. Wir sprechen über das, was war, über unsere Gefühle und unser Fehlverhalten und ich sage ihr, dass ich ihr vergebe (unabhängig davon, ob sie sich bei mir entschuldigt hat oder nicht). Wir kuscheln ein bisschen miteinander und ich sage ihr, dass ich sie lieb habe, und dann ist alles wieder gut.



Habt ihr auch mit dem Thema Wut zu kämpfen? 
Dann interessieren mich eure Erfahrungen und Strategien natürlich sehr! :)


Sonntag, 13. März 2016

Unser liebstes Sonntagsessen




Wenn wir sonntags vom Gottesdienst nach Hause kommen, haben die Kinder ziemlichen Kohldampf und ich möchte das Essen schnell auf dem Tisch haben. Manchmal koche ich am Samstag etwas vor, das wir nur noch erwärmen müssen, aber wenn ich das nicht geschafft habe, bleiben oft nur Nudeln mit Tomatensauce…
Seit einiger Zeit gibt es bei uns am Sonntag oft dieses Gericht, das lecker, schnell und einfach zu machen ist – ganz ohne Schnippeln und mit wenigen Zutaten: Honig-Soja-Lachs mit Reis und Erbsen. Das Rezept stammt aus dem US-Kochbuch Parents need to eat too von Debbie Koenig. Dieses Buch ist wirklich zu empfehlen – es ist zwar auf Englisch und alle (Mengen-)Angaben beziehen sich auf amerikanische Verhältnisse, aber wenn man measuring cups zu Hause hat, kann man eigentlich alles gut zubereiten und findet gute Anregungen für den Familientisch.
Honig-Soja-Lachs ist wohl das Rezept, was wir am häufigsten nachkochen, auch deshalb, weil die Kinder es gern mögen. Sie beide lieben Erbsen und auch Fisch! Und weil ich mir dachte, dass es einigen von euch vielleicht ähnlich geht mit der schwierigen Vereinbarkeit von Gottesdienstbesuch und leckerem Mittagessen, teile ich dieses heute mit euch – in der Hoffnung, dass es euch gefällt!


Honig-Soja-Lachs mit Reis und Erbsen 

(für 2 Erwachsene und 2 Kleinkinder)



Vorbereitung (das mache ich schnell vor dem Gottesdienst):
1/3 cup Honig mit ¼ cup Sojasauce und (optional) 1 TL Süße Chili-Sauce verrühren und 3 Lachsfilets darin einlegen. In den Kühlschrank stellen und ziehen lassen.

Zubereitung (ca. 20 Minuten):
Den Ofen auf 220°C vorheizen (Ober- und Unterhitze).

Einen großen Topf mit Reis aufsetzen – ich gebe den Reis immer direkt mit etwas Salz ins Wasser und erhitze alles gemeinsam. Da die Erbsen später noch in den Topf kommen, sollten Topfgröße und Wassermenge entsprechend angepasst werden.
Eine flache Auflaufform mit etwas Öl einpinseln und die marinierten Lachsfilets hineinlegen.
Die Marinade in einen kleinen Topf füllen – sie dient uns nun als Sauce.

Sobald der Reis kocht, schalte ich die Hitze herunter und schiebe den Lachs in den Ofen; dann stelle ich den Timer auf 13 Minuten.
(Jetzt ist Zeit, den Tisch zu decken und die TK-Erbsen ggf. abzuwiegen – für uns vier nehme ich ca. 400g)

Bei Minute 7 gebe ich die TK-Erbsen zum Reis in den Topf und bringe das Wasser wieder zum Kochen, außerdem erhitze ich die Marinade auf höchster Stufe. Diese soll unter Rühren 5 Minuten bei starker Hitze kochen, bis sie eindickt. Dabei aufpassen, dass sie nicht verbrennt (das ist mir heute zum ersten Mal passiert…)

Wenn der Timer klingelt, kann der Lachs aus dem Ofen. Auch der Reis sollte jetzt weich sein und kann gemeinsam mit den Erbsen abgegossen werden. Normalerweise mische ich gleich die Sauce unter,  man kann diese aber auch extra dazu reichen.



Guten Appetit!

Schreibt doch gern einen Kommentar, wenn ihr das Rezept ausprobiert habt!
Oder teilt eure „Sonntagslösungen“ mit mir – was gibt es nach dem Gottesdienst bei euch zum Mittagessen? Was hat sich bewährt?
Ich wünsche euch noch einen gesegneten und leckeren Sonntagnachmittag!



Mittwoch, 9. März 2016

Ich...





…bin dankbar!
Denn: Es geht uns gut. Dieses Leben ist schön und ich würde kein anderes haben wollen.
Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückschaue, dann hat Gott alles gut gemacht. Ich bin jetzt so gern Mama und so gern mit den Kindern zu Hause, wie ich es mir lange nicht hätte vorstellen können. In den ersten Monaten mit unserer Großen fiel mir alles so schwer und ich wollte einfach nur raus – was habe ich da gebetet und gehofft, dass ich diese Lebensphase einmal so annehmen könnte wie sie ist! Ja, Gott hat es gut gemacht, und sogar viel besser als ich es erbeten hatte.
Denn es gibt diesen Blog, und es gibt Texte und Zeichnungen und Bilder, die allesamt nicht entstanden wären ohne mein Mama-Sein und mein anfängliches Hadern damit.
Dafür bin ich also dankbar. Und für meine wunderbare Familie. Für treue, liebe Freundinnen. Danke für das Wort und die Farbe. Danke für das Jetzt und Hier.


… atme Frühling.
Irgendwie ist jeder Frühling für mich wie der allererste überhaupt. Und ich glaube, das geht vielen so: Jedes Jahr neu geraten wir ins Staunen über das Erwachen der Natur, immer und immer wieder neu begeistern uns die Krokusspitzen und das Vogelgezwitscher und das Licht. Wenn wir den Winter so richtig satt haben, wenn es einfach genug ist mit der Kälte und dem Grau, dann biegt garantiert der Frühling um die Ecke, um uns zu erlösen.
Und auch wenn ich wohl eigentlich eher der Typ Stubenhocker bin und nun wirklich keinen grünen Daumen habe, lockt mich der Frühling mühelos ins Freie. Heute waren wir zum ersten Mal im Britzer Garten spazieren, und das war wundervoll! Fast täglich kaufe ich neue Blumen: Tulpen! Ranunkeln! Narzissen! und kann mich gar nicht an ihnen sattsehen. Auch mein Skizzenbuch ist schon ganz voll von Schneeglöckchen…

vorher...
… versinke im kreativen Chaos (und genieße es!).
Auf meinem Schreibtisch häufen sich die Projekte: Plastikeier zum Bemalen und Bekleben mit Noemi, Seidenpapier von unserer letzten Bastelaktion, mein Kalender, Aquarellkasten samt Pinsel und Wasserglas, zwei Skizzenbücher, die Kamera, ein paar frisch ausgedruckte Fotos, zu beantwortende Briefe, das supercraft-Kit mit Fimo, Kaktus-Samen und Makramee-Garn, Bücher, Hosen der Kinder (mit Löchern an den Knien…), die neue flow, Geodreieck, Tesa-Krepp, drei (!) leere Wassergläser (da ich mir ja vorgenommen habe, mehr zu trinken) – und natürlich mein Laptop.
Vielleicht Sicher will ich immer zu viel auf einmal: Kinder, Ehe und Haushalt + Freunde + Blog + 365-Tage-Projekt + Online-Malkurs von Alisa Burke + Hauskreis + Artikel schreiben + Kinderseite des Gemeindebriefs + Tischkarten für eine Hochzeit entwerfen und anfertigen (in 200-facher Ausführung…) + Oster-Deko + supercraft-Basteleien…
Joa, das ist gar nicht so wenig. Aber irgendwie tut mir das auch gut. Und ich bin vor allem dankbar, dass meine Kinder und mein Mann mir all das „Nebenbei“ ermöglichen. Ohne ihre Kooperation und Unterstützung wäre es gerade überhaupt nicht drin, dass ich meine Kreativität so entfalten kann.

nachher!
… zaudere.
Im April findet ein Redaktionstreffen der Zeitschrift family statt – und ich bin dazu eingeladen! In den letzten Jahren habe ich wegen der Kinder immer absagen müssen, aber dieses Mal sind die Rahmenbedingungen ganz anders. Mein Liebster ist bereit, sich frei zu nehmen und ich traue es ihm absolut zu, die Kinder und alles Drumherum zwei Tage lang allein zu managen. Trotzdem habe ich noch nicht zugesagt. Ich zögere noch. Natürlich mache ich mir Gedanken, wie es den Kindern (und vor allem meinem Kleinen, von dem ich noch nie so lange getrennt war!) ohne mich ergehen wird. Aber der Hauptgrund für mein Zaudern liegt eher in meiner eigenen Unsicherheit. So sehr ich mich manchmal danach sehne, ein paar Tage „kinderfrei“ zu haben, so komisch fühle ich mich dann, wenn ich mal ohne sie unterwegs bin. Dann bin ich nämlich nur noch Ich. Dann kann ich mich nicht mehr hinter den Kindern, hinter Falko oder hinter meiner Mama-Rolle verstecken.
Als ich meinem Mann von meinen Bedenken erzählte, erwiderte er ganz trocken: „Na, das ist doch dann nur ein Grund, hinzufahren!“ Damit hat er sicher recht (dieser Mann ist weise!) – und dennoch: Bisher habe ich mich nicht zu einem Ja durchringen können.
Und ich zögere noch an einer anderen Front: Eine Bekannte, deren Tochter von einem Kirchenmitarbeiter sexuell missbraucht wurde, fragte mich, ob ich ihr beim Verfassen eines Artikels über den Prozess und ihre Petition behilflich sein könnte. Bisher habe ich auf diese Anfrage noch nicht reagiert – weil mir die ganze Thematik Angst macht, weil ich mich unsicher fühle und nicht weiß, ob ich damit angemessen umgehen kann. Auf der anderen Seite habe ich hier die Möglichkeit, meine Fähigkeit zu Schreiben (hoffentlich!) zum Wohl anderer einzusetzen und mich für ein Thema zu engagieren, das unheimlich wichtig ist.
Kennt ihr das – diese Angst vor der eigenen Courage?


… bin nicht mehr die alte.
Mein Gewichtsverlustvorhaben hat deutlich an Schwung verloren, die Kilos wollen nicht so recht runter. Was natürlich auch daran liegt, dass ich das Verzichten satt habe und das Leben einfach zu lecker ist. Ich merke einfach, dass ich die Energie brauche – für die Kinder und für mich. Als ich vor Jahren den ersten Versuch machte, abzunehmen, gelang mir dies auch einigermaßen spielend. Jetzt, nach zwei Entbindungen und mit zwei quirligen Kleinkindern sieht das ganz anders aus. Wenn ich nicht so viel esse, wie mein Körper es möchte, fehlt mir schlicht und einfach die Kraft für den Alltag. Mal abgesehen von meiner Laune, die dann in den Keller rauscht…
Mir wird mehr und mehr bewusst, dass dieser „alte“ und (für meine Verhältnisse) schlanke Körper der Vergangenheit angehört. Ich werde nie wieder so aussehen wie auf den Fotos von 2010. Und irgendwie ist das auch ok. Das waren andere Zeiten. Gute Zeiten, ja, aber in denen lebe ich jetzt gerade auch. Vielleicht braucht mein „Mama-Ich“ genau diese Form. Dies ist möglicherweise der Raum, den ich jetzt einnehmen muss – auch wenn er nicht ganz dem gängigen Schönheitsideal (by the way - was ist das überhaupt?) entspricht.
Der Abnehmplan steht nach wie vor, ein paar Kilos sollten schon noch runter. Aber ich bin bereit, mir selbst etwas mehr Zeit dafür zu gönnen. Es muss langfristig funktionieren, sonst habe ich ja gleich alles wieder drauf. Es muss für meine aktuelle Lebensphase passen und Hand in Hand damit gehen, dass ich immer mehr lerne, mich selbst zu mögen.



… lese Markus 9.

„Dies ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören:
‚Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.
Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener.
Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf;
und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.
Wenn dich dein Auge zum Abfall verführt, so wirf’s von dir! Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Reich Gottes gehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in die Hölle geworfen.
Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander!‘“




… bin eigentlich schon das, was ich sein möchte. (Jedenfalls ein bisschen)
In einem meiner letzten Einträge schrieb ich darüber, dass ich am liebsten Künstlerin (ARTIST!) und Schriftstellerin (WRITER!) sein möchte. Interessanterweise erntete ich daraufhin sehr viel Bestätigung. Meine allerliebste Schwägerin schrieb mir sogar extra einen Brief, um mich zu ermutigen, diesen Weg einzuschlagen.
Auch eine inzwischen langjährige (!) Freundin ging in einem Brief auf meinen Lebenswunsch ein: „Ich finde es total toll, dass du schon jetzt das auslebst, was du sein möchtest – Künstlerin und Autorin. Es ist auch total schön zu sehen, wie viel Spaß es dir macht, diese beiden Wünsche in deinem Blog auszuleben!“ Als ich diese Zeilen las, wurde mir erst bewusst, dass es stimmt: Ich bin schon das, was ich sein möchte – jedenfalls ein bisschen! Mir wurde klar, dass ich nicht nach zukünftigen Chancen und Möglichkeiten haschen muss, sondern im Hier und Jetzt bereits die sein kann, die ich sein will. Ich bin mir sicher, dass diese Erkenntnis einen positiven Effekt auf meine Psyche und mein Schaffen haben wird – DANKE!