Freitag, 11. September 2015

Stand der Dinge





Stand der Dinge – Augenringe? Ja, irgendwie schon. Die letzten Wochen waren (und sind) ziemlich anstrengend: Falko ist diesen Monat einige Tage berufsmäßig unterwegs, Samuel wacht nachts alle zwei Stunden auf und findet schwer zurück in den Schlaf und seine große Schwester verarbeitet den Kita-Start mit Hilfe heftigster Tobsuchtsanfälle (unter anderem beim Abholen von der Kita und vor dem Schlafengehen). Den Haushalt lasse ich gerade mal wieder ein bisschen schleifen, weil ich einfach nur müde und erschöpft bin.
Und trotzdem – es geht mir gut und ich bin sehr, sehr dankbar. Komisch eigentlich.

Es ist zwar erst September, aber ich denke zur Zeit schon recht viel an Weihnachten und daran, dass auch dieses Jahr bald zu Ende geht; ein Jahr, für das ich mir ja ein paar Dinge vorgenommen hatte. Erinnert ihr euch an meine Liste 15 für 2015? Den aktuellen Jahreszeitenwechsel möchte ich diesmal zum Anlass nehmen, Zwischenbilanz zu ziehen und mich neu auf das zu fokussieren, was ich gern erreichen möchte, bis der Kalender 2016 anzeigt (das wird auch ein spannendes Jahr – ich werde 30!!!).

1. Noch ein Baby bekommen. In das Leben zu viert starten. Noemi helfen, große Schwester zu werden. Den Alltag meistern, so entspannt wie möglich.
Check! Samuel ist inzwischen fast acht Monate alt und richtig gut in unserer Familie angekommen. Wir sind unendlich froh, ihn zu haben. Ok, er könnte nachts mal durchschlafen und es wäre auch schön, wenn die Spuckerei  endlich aufhörte… aber das ist eigentlich auch alles, was ich Schlechtes über unser jüngstes Familienmitglied sagen kann. Er ist gesund und fit und süß und lieb und unheimlich witzig. Abgesehen von ein paar leicht brutalen Machtdemonstrationen zwischendurch geht Noemi sehr liebevoll mit ihrem Bruder um, und es ist Mama-Glück pur, die beiden zusammen zu beobachten. Und ich – oh Wunder! – meistere den Alltag. Überwinde die alltäglichen Herausforderungen inzwischen ziemlich gut, und das normalerweise allein. Was sicherlich auch daran liegt, dass unsere Kinder grundsätzlich kooperativ sind und immer gut mitmachen, wenn’s drauf ankommt. Gott sei Dank!

2. Schreiben. Jeden Tag – sei es auch nur ein Wort. Meinen Blog pflegen – möglichst jede Woche einen Eintrag. Mein Buchprojekt beenden und einschicken.  
Check! Das mit den regelmäßigen Blogeinträgen erlebt ihr ja selber ;) Es gibt Phasen, in denen schreibe ich mehr und dann schreibe ich auch wieder weniger – und manchmal schreibe ich nur noch für den Blog, das ist dann nicht so gut. Aber ich bleibe dran und genieße es total. Schreiben ist mein Ausgleich. Meine Medizin, meine Therapie, meine Freundin, mein Gebet, meine Freude.


 
      3. Stricken: Das Zopfmuster lernen.
Wie gut, dass der Herbst da ist! Dann kann ich meine Stricknadeln rausholen und loslegen. Das Zopfmuster steht noch aus.
 
 4. Eine neue Bleibe finden und darin ankommen. Nachbarschaftliche Bande knüpfen.
Half-check. Und so viele Gründe zum Danken: Unsere neue Wohnung ist so schön und wir fühlen uns alle sehr, sehr wohl hier. Wir haben so viel Platz – ganz neue Möglichkeiten, Gäste zu beherbergen, Partys zu feiern – oder sich mal zurückzuziehen.
Was allerdings das Ankommen im neuen Bezirk und der Hausgemeinschaft angeht, hinken wir noch etwas zurück. Ich vermisse unseren „alten“ Bezirk sehr und fühle mich hier, am neuen Ort, oft fremd und irgendwie… anders. Hier im Haus sind mir zwar bisher nur freundliche und hilfsbereite Menschen begegnet, gleichzeitig ist mir bewusst, dass es auch problematische Mieter gibt: Müll und Uringeruch im Aufzug, Beschwerden am schwarzen Brett über laute Gelage und brennende Zigaretten, die auf fremde Balkone geworfen werden, auch Zigaretten im Sandkasten und Babys, die Fanta aus der Dose zu Trinken bekommen, Streitigkeiten, die ich am Rande mitkriege.
Wir haben es immer noch nicht hinbekommen, unseren unmittelbaren Nachbarn Kuchen vorbeizubringen und uns vorzustellen. Wir haben auch noch niemanden eingeladen, obwohl wir das von Anfang an vorhatten. Ich stelle bei mir die Tendenz fest, mich als etwas Besseres zu fühlen, Vorurteile zu hegen. Da war es total gut, dass mir eine Freundin bei der Einweihungsparty sagte: „Hier habt ihr die Möglichkeit, Salz und Licht zu sein.“ Ja, das stimmt! Und ich denke immer mehr darüber nach, wie das konkret aussehen könnte.

5. Feiern: Thanksgiving mit Truthahn und vielen Gästen an unserem großen Esstisch.
Ok, da ich hab eine gute Ausrede: Thanksgiving kommt erst noch!
Trotzdem, Gastfreundschaft und Feiern sind uns wichtig und wir machen kleine Mini-Schritte in diese Richtung.

6. Zurück zum Vor-Noemi-Gewicht.
Ähem. Weiß nicht, ob ich das dieses Jahr noch schaffe. ABER ich habe diese Woche festgestellt, dass mir Vor-Noemi-Hosen wieder passen! Ich finde, das zählt auch irgendwie…

7. Danken:  Mich auf das Gute in meinem Leben besinnen, auf all das unverdiente, geschenkte Glück; mich nicht über Mangel oder Defizite definieren. Dank kultivieren. Liebe weitergeben.
Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückschaue, sehe ich, dass Gott in diesem Bereich an meinem Herzen gearbeitet hat. Ich bin zufriedener als ich es vor einem Jahr um diese Zeit war, dankbarer, mehr im Hier und Jetzt, glücklicher. Und ich glaube, dass ich mich auch etwas seltener beklage. Auch dafür bin ich wiederum dankbar. Ja, auch die Dankbarkeit nehme ich dankbar aus Gottes Hand.

8. Bibellesen: Einen Modus finden, der zu mir und meinem Alltag passt. Regelmäßig lesen – allein, mit Falko, mit den Kindern, in einem Hauskreis.
Seit fast zwei Wochen lese ich wieder jeden Morgen in der Bibel. Wenn ich aus dem Bad komme und die Kinder noch schlafen (beziehungsweise in ihren Betten liegen…), setze ich mich auf die Couch und lese einen Abschnitt oder ein Kapitel. Angefangen habe ich mit dem Epheserbrief, heute habe ich Philipper beendet. Die ersten Tage waren es nur die Bibel und ich, ich verzichtete auf Unterstreichungen oder Notizen (wie sie sonst meine Art sind), und Gott sprach einfach so zu mir, ganz eindrücklich, durch sein Wort. Gestern habe ich dann doch begonnen, mir etwas aufzuschreiben, weil ich Gottes Reden irgendwie bewahren, nicht vergessen wollte. Es gibt immer wieder Durststrecken, in denen ich von solchen notierten Gottesbegegnungen sehr profitiere.
Für den Moment bin ich sehr glücklich mit dieser Herangehensweise und solange die Kinder es mir ermöglichen, möchte ich so weitermachen.
Neu ausprobiert habe ich das Bible Art Journaling und war sehr begeistert davon. Es erscheint mir fast „ungeistlich“ zu schreiben, es habe mir „Spaß gemacht“ (Überreste meiner familiären Prägung…), aber so war es! Dafür braucht man allerdings etwas mehr Zeit und Ruhe, sodass ich es nicht so leicht zwischendurch einschieben kann.
Und einen Hauskreis starten wir auch ganz bald, mit einigen Jugendlichen aus unserer Gemeinde. Darauf bin ich schon total gespannt und freue mich total – mit jungen Leuten in der Bibel lesen, den vertrauten Worten mit einem frischen Blick begegnen und Gemeinschaft haben. Das wird gut.

9. Ehe: Unsere Eheabende wieder neu beleben und kultivieren, so wie es jetzt gerade für uns passt.
Unsere Abende werden allmählich ruhiger und wir haben wieder mehr Zeit für uns als Paar. Mit einem kleinen Säugling ist das mit den Eheabenden ja immer so eine Sache… nun schläft unser Kleiner aber immer früher und wir können eigentlich wieder mit den Eheabenden starten. Ich bin froh, dass meine 15-für-2015-Liste mich wieder daran erinnert hat!

10. Zuhören: Wirklich für andere da sein, eigene Bedürfnisse hinten anstellen, Gesprächspartner ausreden lassen, geduldig hören.
Ok, ich glaube, darin bin ich immer noch ziemlich schlecht… Aber ich möchte das üben und immer besser lernen.

11. Mein Rezeptbuch überarbeiten und als Ordner neu anlegen (mit neuen Kategorien und so, dass neue Rezepte leicht aufgenommen werden können)
Check! Die Ordner-Version hat sich auf jeden Fall bewährt und ich habe schon einige neue Rezepte aufgenommen.

12. Mama-Connections suchen, finden und gestalten: Zeit zusammen verbringen, sich gegenseitig entlasten, ermutigen statt beurteilen oder kritisieren
Noch so eine Baustelle, an der sich praktisch nichts getan hat. In unserem neuen Bezirk gibt es leider nicht so viele (schöne) Spielplätze wie in unserer alten Gegend, und wenn man mal auf den Spielplatz geht, trifft man dort kaum andere Kinder und deren Eltern an. Hier haben viele Leute einen eigenen Garten und gehen dann nicht unbedingt auf öffentliche Spielplätze. Auf diese Weise kann ich also keine neuen Bekanntschaften knüpfen.
Dafür ist Noemi jetzt in der Kita und es gibt Berührungspunkte mit anderen Eltern. Bisher hat sich da noch nichts weiter ergeben, aber das wird vielleicht noch, wenn die Kinder etwas größer sind und sich nachmittags zum Spielen verabreden.
Mein Plan war eigentlich, mich mit Samuel einer Spielgruppe anzuschließen, aber meine Vormittage waren in letzter Zeit so gut gefüllt (und ich war so müde), dass ich in der Richtung bisher noch nichts unternommen habe. Auch hier im Haus gibt es eigentlich viele Kinder und viele Mamas, aber auch da ist noch nichts passiert…
Ich weiß, Kontakte und Freundschaften „passieren“ nicht unbedingt. Sicherlich müsste ich aktiver werden und mehr auf andere zugehen. Das fällt mir jedoch ziemlich schwer, immer noch.

13. Wut: Einen positiven Umgang mit meinen Gefühlen finden, besonders mit der Wut. Selbstbeherrschung. Selbst-Empathie. Meine Wut ist nicht mein Diktator.
Es gibt nach wie vor Wut in meinem Leben. Aber deutlich weniger, und die Wut ist nicht mehr so heiß, nicht mehr so übermächtig, nicht mehr so überwältigend und so plötzlich. In der Umzugsphase hatte ich sehr stark damit zu kämpfen und fühlte mich oft wie ein einziges Nervenbündel. Manchmal hätte ich am liebsten die Einrichtung zerkloppt, manches Mal schrie ich in ein Kissen, weil ich so verzweifelt, so frustriert, so unglücklich war. Und ich hasste mich dafür. Ich war so, wie ich niemals sein wollte.
Wenn ich mich jetzt selbst beobachte, wie ich auf stressige Situationen oder bockige bzw. nicht-schlafen-wollende Kinder reagiere, bin ich tatsächlich überrascht, dass ich nicht mehr ausflippe. Es gibt zwar immer noch Momente, in denen ich laut werde, aber ich verliere nicht mehr die Kontrolle. Ich bin stabiler und verlässlicher geworden. Ich kann auch besser damit umgehen, wenn mein Mann später von der Arbeit kommt oder zwei Tage verreist und ich mit den Kindern allein bin. Noch vor ein paar Wochen machten mir solche Situationen Angst, heute ist es nicht mehr so.
Sicherlich hat das alles damit zu tun, dass unser Leben sich entspannt hat. Wir sind in der Wohnung gut angekommen, Noemi geht vormittags in die Kita, ich habe wieder mehr Zeit für mich und meine Projekte. Das tut mir sicherlich gut und trägt dazu bei, dass ich mehr abkann. Aber das wird als alleinige Erklärung nicht ausreichen. Nein, ich bin davon überzeugt, dass Gott auch hier an mir gearbeitet hat und weiter arbeitet. Dass meine Wut geschrumpft ist, hängt mit der Dankbarkeit zusammen, die ich nun stärker empfinde. Außerdem hat Gott mir das Bild von meinem Kanaan gegeben, meinem verheißenen Land, was mir sehr hilft. Ich bin zur Zeit sehr, sehr glücklich als Mama und Hausfrau – aber dazu weiter unten mehr.

14. Kreativität: Linolschnitt ausprobieren. Mal wieder ein großes Bild malen. Zeichnen. Karten gestalten. Fotografieren. 
Ach stimmt, der Linolschnitt! Der steht für dieses Jahr noch aus. Vielleicht wäre das die richtige Technik für die diesjährigen Weihnachtskarten… Insgesamt betätige ich mich wieder mehr kreativ und habe auch Lust bekommen, dies gemeinsam mit meiner Tochter zu tun. Sie kommt immer mehr in das Alter, in dem sie das kann, sie wird motorisch geschickter und kann sich länger auf eine Beschäftigung konzentrieren. Kreative Aktivitäten sind für mich ein wichtiger Ausgleich und ich bin immer wieder begeistert, welche Möglichkeiten Gott uns geschenkt hat, uns gestalterisch und schöpferisch auszutoben!

15. Ich bin nicht „nur“ Mutter! Lernen, diese Lebensphase anzunehmen und zu genießen, das Privileg des Mutter-seins wertschätzen und auskosten. Kinder, Familie und Haushalt als meine Aufgabe akzeptieren und kreativ angehen, ganz entspannt, präsent und mit Humor.
Ganz oben habe ich es schon erwähnt – tagsüber fordert mich gerade meine Tochter sehr und nachts lässt mich mein Sohn nicht schlafen. Und doch bin ich dankbar, zufrieden und glücklich. Und das allein ist für mich ein großes Geschenk, ein Wunder geradezu!
Denn ich habe schon Tage erlebt, an denen manches besser lief und ich trotzdem unglücklich war. Und verrückterweise finde ich das Leben mit zwei Kindern schöner (und einfacher) als mit einem Kind. Ich entdecke in mir selbst den Wunsch, noch ein bisschen länger mit den Kindern zu Hause zu sein, anstatt mich sofort nach Samuels Kita-Eingewöhnung ins Arbeitsleben zu stürzen. Ich lerne die Zeit mit den Kindern, unseren Tagesrhythmus, das Zuhause-Sein immer mehr zu schätzen. Mein Gefühl für die Kinder intensiviert sich – ich verstehe sie immer tiefer, fühle mit ihnen, kann besser auf sie eingehen, ihnen helfen. Es fällt mir leichter, meine eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen – ja, tatsächlich! Wenn Samuel sein Mittagessen ausspuckt und mit den Händen auf dem Boden verstreicht (er hat jetzt einen ganz schönen Aktionsradius und manchmal bemerke ich es zu spät…), dann mache ich wieder sauber und die Sache hat sich damit erledigt. Wenn ich nachts mit ihm durchs kalte Wohnzimmer tigere, verspüre ich nur noch Müdigkeit und keine Wut oder Verzweiflung mehr. Wenn Noemi einen Wutanfall bekommt, suche ich die Schuld nicht mehr bei mir. Ich kann ihre Wut besser ertragen. Ich kann die Dinge leichter so nehmen, wie sie sind, und einfach weitermachen.
Wenn ich auf die Monate seit der Geburt meines Sohnes zurückblicke, bin ich unendlich dankbar für all das Wachstum, das Gott geschenkt hat – meinen Kindern, uns als Familie und mir. Ich bin dankbar für seinen Reichtum, seine Gnade, seine Liebe, mit der er uns Tag für Tag aufs Neue überschüttet. Unverdienterweise. Und ohne zu Knausern.

Früher habe ich nicht verstanden, was die Leute damit meinten, wenn sie sagten, dass es ein „Abenteuer“ ist, mit Jesus unterwegs zu sein. Darunter konnte ich mir nichts vorstellen. Auch jetzt ist mein Leben nicht unbedingt abenteuerlich im Sinne von gefährlich/exotisch/außergewöhnlich. Aber es ist trotzdem spannend und es passieren Dinge – kleine Dinge, wie Erdbeeren im September oder dass mein Sohn sich quer durchs Zimmer kullert oder dass meine Tochter sich nach einem Wutanfall minutenlang an mich kuschelt oder dass mein Mann und ich uns immer wieder neu füreinander entscheiden... Wachstum passiert. Wunder geschehen. Und ich sage DANKE.

Bunte Sonnenfänger fürs Fenster



Während gestern Abend bei strömendem Regen mein Liebster tapfer an seinem allerersten Lauf teilnahm, saß ich mit meiner Schwester und den Kindern in unserer trockenen und warmen Wohnung und bastelte bunte Sonnenfänger fürs Fenster – schon wieder eine Idee von Jean Van’t Hul aka The Artful Parent. Es war mal wieder lustig, meine Tochter dabei zu beobachten, wie sie neue Materialien und deren Eigenschaften entdeckt (Federn findet sie irgendwie gruselig) und wie schnell sie auf 180 sein kann (wenn die Papierstücke nicht so kleben bleiben, wie sie es sich vorstellt), um sofort wieder zu lachen und Geschichten zu erzählen… Das Ergebnis ist ganz schön geworden, wie ich finde, und einfach zu machen war der Sonnenfänger auch.


Man braucht:

Transparente Klebefolie (wie man sie z.B. zum Bücher-Einschlagen verwendet)
Transparentpapier
Seidenpapier
Federn, Blüten, Bänder, getrocknete und gepresste Blätter…
Kreppband und Masking Tape
Schere


Und so einfach geht’s:

Transparent- und Seidenpapier in kleine Stücke reißen oder schneiden (Noemi hatte gestern zum ersten Mal eine Schere in der Hand – auch sehr interessant, aber nicht besonders produktiv).
Ein Stück Klebefolie zurechtschneiden, in der Form und Größe, die der Sonnenfänger haben soll.
Kleine Kleberöllchen aus Kreppband auf den Tisch kleben und die Klebefolie mit der nicht klebenden Seite darauf legen, nun die Schutzfolie abziehen.
Jetzt kann man die Folie mit Papierschnipseln, Federn, Blüten, Bändern und/oder Blättern nach Lust und Laune bekleben.
Wir haben dieses Mal nur Papier und Federn verwendet, weil ich keine Blüten oder Blätter hatte. Aber für den Frühling ist es sicherlich wunderschön, einen Sonnenfänger mit bunten Blüten zu machen, und wenn der Herbst weiter voranschreitet, machen wir sicherlich noch einen mit buntem Laub!
Ja nach Wunsch kann der Sonnenfänger direkt aufs Fenster geklebt werden, oder (so haben wir es gemacht) man bedeckt das entstandene Kunstwerk mit einem zweiten Stück Klebefolie in derselben Größe. Zum Schluss wird der Sonnenfänger an der Fensterscheibe befestigt – ich habe dafür Masking Tape verwendet.



Und dann: Lasst die Sonne rein!



Montag, 7. September 2015

Alltagskunst - unser Wochenende



Unser Wochenende war so bunt und vielfältig und schön, dass ich kaum weiß, wie ich es in einem einzigen Blog-Post unterbringen soll… deshalb habe ich heute ein Potpourri an Bildern und Inspirationen für euch. Hoffentlich ist was Schönes für euch dabei!

Schon irgendwann während der letzten Woche habe ich den unheimlich tollen Blog The Artful Parent von Jean Van’t Hul entdeckt und mir von meinem Geburtstagsgeld ihr erstes Buch gekauft, passenderweise mit dem Titel The Artful Parent. Das Buch enthält neben einer umfassenden Einführung zum Thema „Kunst mit Kindern? Warum, wie, was?“ auch sehr viele Ideen für kreative Aktivitäten mit Kindern ab 18 Monaten sowie Texte zu geeigneten Materialien und der Aufbewahrung, Präsentation und Weiterverarbeitung der entstandenen Kunstwerke.
Schon beim ersten Durchblättern war ich total fasziniert von den schönen Fotos und den vielen MACHBAREN Anregungen, ich konnte es kaum noch abwarten, mit meiner Tochter künstlerisch tätig zu werden. 



Da ich am Samstag sowieso zum Shoppen mit einer Freundin verabredet war, nutzte ich die Gelegenheit, mich mit Materialien einzudecken. Und so schwelgten wir  in Farben, Pinseln, Malgründen, Blattgold, Kinderscheren, Papier und Federn, es war wunderbar! Es war auch wertvoll, mich mit meiner Freundin auszutauschen, die gerade auch neu Feuer für Malerei gefangen hat. Am Ende hatten wir keine Zeit mehr für Klamotten, aber ich shoppe sowieso viel lieber Bücher und Künstlerbedarf… jedenfalls ist mein Aquarellkasten nun wieder vollständig bestückt und ich habe alles, was ich für Kreativprojekte mit meiner Tochter brauche.

Am Sonntagnachmittag setzten wir gleich die erste Idee in die Tat um: Wattestäbchen-Pointilismus. Die Idee basiert auf der Malerei des französischen Impressionisten Georges Seurat, der seine Bilder aus unzähligen Farbtupfern zusammensetzte, und ist schon für Kinder ab zwei Jahren geeignet. Man benötigt dafür nur ein paar Wattestäbchen (in meiner Familie auch unter dem Namen Q-Tipp bekannt…), Papier und wasserlösliche Farben. Ich habe Tempera-Farben verwendet, aber Fingerfarben gehen auch. Anstatt mit einem Pinsel malt man mit einem Ende des Wattestäbchens, anstelle von Pinselstrichen setzt man kleine Punkte aufs Papier.
Noemi hatte das Prinzip bald verstanden, obwohl sie sich bei ihrer Malerei nicht ganz auf Punkte beschränkte. Es ist einfach toll, sie dabei zu beobachten, wie sie die Farben entdeckt, ihre eigene Kreativität und die Möglichkeiten, mit den Materialien umzugehen. Und meine Tochter kommt ganz klar nach mir – jedenfalls legt sie großen Wert auf Ordnung und Sauberkeit und kann es nicht ausstehen, wenn Farbe auf den Tisch tropft oder ihre Hände „dreckig“ macht. Sehr lustig! Wir waren etwa eine halbe Stunde beschäftigt, was ja für ihr Alter schon ziemlich lang ist, und am Ende hatte sie unter anderem drei Postkarten gestaltet, die ich in der kommenden Woche verschicken möchte. 




Den Sonntagvormittag verbrachte ich in der Küche und genoss es! Für den Nachmittag bereitete ich eine Zitronentarte mit Baiser zu, die ich beschlossen habe, in „Wolkentarte“ umzubenennen. Obwohl mir die gezuckerte Kondensmilch leicht anbrannte (*hust*), gelang die Tarte sehr gut und schmeckte lecker zitronig und frisch. Zum Mittagessen gab es Hackbällchen in Paprika-Sauce mit Spiralnudeln. Davon habe ich gleich eine größere Menge gekocht, damit ich heute auch noch etwas davon habe, yammy! 


Neue Inspiration und Ermutigung, meine Leidenschaft für gutes Essen und Gastfreundschaft weiter auszuleben, fand ich in „Brot und Wein“ von Shauna Niequist, das ich von der wunderbaren Ulrike zum Geburtstag geschenkt bekam. Noch so ein Buch, in das ich mich hineinversenkte, sobald ich es in Händen hielt – es ist wundervoll. Mit wertvollen Gedanken und super klingenden Rezepten, die auszuprobieren ich kaum erwarten kann. 


Apropos – soweit ich informiert bin, erscheint genau heute Veronika Smoors erstes Buch „Willkommen an meinem Tisch“, auf das ich schon sehnlichst warte, seit ich von seiner Existenz erfuhr und es mir vorbestellte. Bin sehr gespannt!

Außerdem bemerkte ich, dass ja nun schon September ist und Weihnachten damit in großen Schritten näher kommt. Höchste Zeit also mein großes Weihnachtsgeschenke-Projekt zu beginnen!  In den letzten Jahren habe ich meine Freundinnen fast immer mit Selbstgemachtem beschenkt: mal  waren es bemalte Kissenbezüge, dann gestrickte Tassenwärmer, und dieses Jahr wird es wieder was anderes, was ich aber an dieser Stelle noch nicht verraten werde ;)

Das Wochenende ließen Falko und ich bei Vinho Verde (seit unserem Portugal-Urlaub mein Lieblingswein) und unserer gemeinsamen Lektüre, Der Susan-Effekt von Peter Høeg, gemütlich ausklingen. Ein Hoch aufs Wochenende – und alles Gute euch für die Woche, die nun begonnen hat!



Dienstag, 1. September 2015

Raus aus dem Sumpf



Wir standen an der Straße und warteten auf den Bus, Samuel und ich. Mein Sohn lag im Kinderwagen und war so unendlich süß, gluckste, lachte und himmelte mich an, als sei ich eine strahlend schöne Königin, der wundervollste Mensch auf der Welt (okay, für ihn bin ich das wohl tatsächlich…). Währenddessen versank ich, anstatt mich meinem Kind zu widmen, mit meinen Gedanken mal wieder tief und tiefer im „Ich-bin-so-hässlich-und-fett“-Sumpf. Mit diesem Gefühl war ich heute schon aufgewacht, und endlich fand ich Zeit, mich den Komplexen hemmungslos hinzugeben… bis mir irgendwann bewusst wurde, was gerade passierte. Samuel tat gerade alles, um mir ein Lächeln abzuringen, er versuchte wirklich, mich glücklich zu machen, aber ich reagierte überhaupt nicht darauf. Ich war mal wieder in mir selbst gefangen. Ja, Egoismus ist ein Gefängnis. Selbstmitleid auch.
Als mir mein altbekanntes Muster schließlich bewusst wurde, ging ich in Phase 2 über und überlegte, was ich tun könnte, um aus dem Gefühlssumpf herauszukommen. Mir fiel das Buch zur Selbstführung von Thomas Härry ein, das ich gerade lese. Er schreibt, dass Selbstführung vor allem bedeutet, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen – Verantwortung für meine Gefühle, für meinen Umgang mit Schwierigkeiten, für meine Entwicklung. In diesem Moment an der Bushaltestelle wurde mir klar, dass ich nicht so bleiben möchte, wie ich bin. Ich möchte nicht in Selbstmitleid, in Komplexen und in meiner Selbstfixierung steckenbleiben. Ich weiß, dass ich die Verantwortung dafür habe, wenn sich etwas ich mich ändern soll.
So zählte ich Dinge auf, die ich an mir schön finde: Meine Augen. Meinen Mund. Meine Arme. Meine Finger. Ich versuchte, mich daran zu erinnern, wie Gott mich sieht. Sagte mir selbst, dass ich wunderbar gemacht bin. Es gibt da dieses tolle Kinderlied („Gott hat alles gemacht, wunderbar ausgedacht… Er hat mich auch gemacht, hat dabei auch gelacht…“), das spielte ich kurz im Kopf ab. Es wurde etwas besser. Ich schaute mein Kind an mit seinem unendlich charmanten zahnlosen Grinsen und ließ mich berühren von seinem liebevollen Blick.

Wenn es mir nicht gut geht, tendiere ich dazu, Süßigkeiten zu essen. Eine ganze Tafel Schokolade oder so. Ich habe aber auch bemerkt, dass ich das tue, wenn ich tatsächlich hungrig bin. Also versuchte ich, heute mal bewusst auf mich zu achten. Wie würde ich mit einer lieben Freundin umgehen, wenn sie hungrig, müde und traurig bei mir zu Hause ankäme? Ich würde sie kaum herumscheuchen, runtermachen und bis zur Übelkeitsgrenze mit Schokolade vollstopfen… Also setzte ich mich zu Hause erst einmal hin, ließ die Einkäufe stehen, und gönnte mir eine Handvoll Heidelbeeren mit Joghurt. Am Nachmittag legte ich eine kreative  Pause ein und klebte Fotos von der Einweihungsparty in unser Familienbuch.

Und dann tat ich endlich das, was der Heilige Geist mir schon seit längerer Zeit „verschrieben“ hatte: Ich holte meine neue Studienbibel mit breitem Schreibrand aus dem Regal, legte Stifte, Stempel und Masking Tape (ich liebe das Zeug!) bereit, schlug den Epheserbrief auf und legte los – Bible Art Journaling, mein allererster Versuch:



Für heute nahm ich mir das erste Kapitel vor und las die Verse laut vor. Für mich entfaltet Gottes Wort seine Wirkung auf besondere Weise, wenn ich es laut lese, ganz besonders in der englischen Sprache. In der English Standard Version klang der mir eigentlich recht vertraute Text aufregend neu. Schon beim ersten Lesen fiel mir auf, wie häufig in den ersten 14 Versen von Gottes Willen die Rede ist. Ich markierte alle entsprechenden Formulierungen: the will of God, he chose us, predestined, according to the purpose of his will, the mystery of his will, his purpose, a plan for the fullness of time, predestined according to the purpose of him, the counsel of his will. Das hatte ich zuvor noch nie bemerkt: Noch bevor Gott diese Erde schuf, hatte er schon einen genauen Plan – einen guten Plan, in dem sogar ich vorkam und alle anderen Menschen, die Jesus nachfolgen. Gottes Willen sah von Anfang an Gutes für mich vor: 

“He chose us in him before the foundation of the world, that we should be holy and blameless before him. In love he predestined us for adoption as sons [and daughters] through Jesus Christ”

Wir dürfen Gottes Kinder sein. Er hält ein reiches Erbe für uns bereit, zu dem wir im Heiligen Geist schon jetzt und hier Zugang haben.
Mir wurde heute zum ersten Mal bewusst, dass in Gottes „Es werde…!“ am ersten Schöpfungstag bereits sein ganzer Heilsplan für uns enthalten war. Nichts und niemand konnte Gottes Schöpfungswirken verhindern – er sprach es aus, und es war da. Ebenso wenig kann Gottes Heilsplan vereitelt oder verhindert werden. Alles ist genau so gekommen, wie er es wollte. Alles wird so enden – und weitergehen! – wie er es sich in seiner Weisheit und Liebe zu uns Menschen ausgedacht hat. Der Schöpfer des Universums, der gleichzeitig mein Vater ist (!), hält alles in seiner Hand. Schon vor Beginn des Anfangs…


Weiter geht es mit Paulus‘ Gebet für die Epheser. Er bittet an ihrer Stelle für „erleuchtete Augen des Herzens“: 

„… having the eyes of your hearts enlightened, that you may know what is the hope to which he has called you, what are the riches of his glorious inheritance in the saints, and what is the immeasurable greatness of his power toward us who believe, according to the working of his great might that he worked in Christ when he raised him from the dead”

Während ich diese Passage las, sah ich mich selbst wieder an der Bushaltestelle stehen. Da waren meine Augen des Herzens verfinstert gewesen, verkniffen und verklebt und allein auf mich selbst und meine (vermeintlichen) Mängel gerichtet – anstatt meinen Blick auf Jesus zu richten und auf das, was ich in ihm habe, was in ihm zu finden ist. Oh, ich brauche diesen Perspektivwechsel so sehr, für meine Augen, für mein Herz!


„IN CHRIST“ – das ist schließlich das Fundament für meine Collage und für alles andere. Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung (das leere Grab) sind die Grundlage dafür, dass Veränderung möglich ist. Denn Jesus hat alles schon für uns getan. Die Voraussetzungen hat Er für mich erfüllt. Das ist Liebe. Das ist Gnade.