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Dienstag, 13. März 2018
Meine liebsten Kunst- und Kreativbücher
Bücher liebe ich ja sowieso, immer schon, aber in letzter Zeit habe ich doch eine besondere Liebe zu Bildbänden, Kunst- und Kreativbüchern entwickelt. Sie sind für mich wohl die einzigen Bücher, die ich immer und immer wieder durchblättern, betrachten und lesen kann (Romane dagegen lese ich normalerweise nur ein einziges Mal).
Wahrscheinlich liebe ich an ihnen die Kombination aus Wort und Bild, meinen beiden großen Leidenschaften, und die Tatsache, dass sie meinen "Augenhunger" stillen. Und dass sie mich inspirieren, anregen, selbst kreativ zu werden!
Hier sind meine derzeit liebsten Kunst- und Kreativbücher, vielleicht inspirieren sie euch ja auch - oder ihr habt einen unbedingten Tipp für mich?
Inspiration Aquarell (Helen Birch)
Dieses kleine Buch mag ich auch deshalb so sehr, weil es in meine Handtasche passt. So habe ich es eine Zeitlang oft mit mir herumgetragen und mir die farbprächtigen Bilder angesehen, wenn ich z.B. allein mit dem Bus oder der S-Bahn unterwegs war.
Es enthält 100 sehr unterschiedliche Bilder, die hauptsächlich (aber nicht nur) in Aquarell gearbeitet sind und exemplarisch für verschiedene Techniken, Materialien und Herangehensweisen stehen. Auf der rechten Seite kann ich ein Bild anschauen, links daneben wird eben dieses Bild beschrieben. Ganz hinten findet man grundsätzliche Tipps für das Arbeiten mit Aquarell.
Ein wunderschönes Büchlein, das Lust auf Aquarell macht!
The Diary of Frida Kahlo: An Intimate Self-Portrait (Carlos Fuentes)
Seit ich dieses Buch gelesen habe, sehe ich Frida Kahlo und ihr Werk mit anderen Augen - ich verstehe vieles besser. Und ich führe seitdem auch anders Tagebuch: Aus den ausschließlich beschriebenen Seiten ist ein buntes Art Journal geworden.
Einführungstexte erzählen die Lebensgeschichte Frida Kahlos und geben einen Einblick in ihr Werk. Hauptbestandteil des Buches sind Faksimiles der Tagebuchseiten und, im Anschluss daran, deren Übersetzung und Kommentar. Es ist ein bisschen mühsam, immer zwischen Tagebuch und Übersetzung hin- und herblättern zu müssen; auf der anderen Seite kann das Tagebuch so als Einheit stehen und durchgeblättert werden, fast wie das Original.
Es ist tatsächlich sehr persönlich und intim, was man da liest, und so vieles ist mir fremd und teilweise sogar verstörend. Trotzdem empfand ich die Lektüre als sehr wertvoll. Anstatt zu verurteilen, entschied ich mich, zu verstehen, mitzufühlen und mitzuleiden, auch zu bewundern.
Für alle, die sich für Frida Kahlo interessieren, ist dieses Tagebuch eine große Empfehlung - möglicherweise auch für diejenigen, die sich mit Art Journaling befassen.
Impressionismus - Expressionismus: Kunstwende (Ausstellungskatalog)
Die Ausstellung Impressionismus-Expressionismus: Kunstwende war im Jahr 2015 in der Alten Nationalgalerie Berlin zu sehen und hat mich sehr beeindruckt. Ich habe sie "damals" allein besucht und festgestellt, dass ich wirklich am liebsten allein in Kunstausstellungen gehe. Dann kann ich mich ganz frei und in meinem Tempo auf das konzentrieren, was mich anspricht.
Weil mir die Ausstellung mit ihrem Thema, ihren Exponaten und in ihrem Aufbau so gut gefiel, habe ich mir den Ausstellungskatalog gegönnt (es war schließlich mein Geburtstag ;-)), was ich vorher noch nie gemacht habe. Ich weiß nicht, ob es den Band in dieser Form noch zu kaufen gibt, wahrscheinlich bekommt man aktuell nur noch eine wesentlich teurere Ausgabe...
Wenn mich der "Augenhunger" packt und ich Sehnsucht nach Schönheit, Farbe und Kunst verspüre, dann greife ich gern zu diesem Buch und blättere es durch, lese den einen oder anderen Text und freue mich an den beeindruckenden Bildern.
Charlotte Salomon. Leben? Oder Theater? (C.E. Judith Belinfante und Evelyn Benesch)
Es ist ein beeindruckendes und berührendes Werk, was Charlotte Salomon in nur kurzer Zeit kurz vor ihrer Ermordung geschaffen hat. Es ist eine Autobiografie in Bildern, eine tragische Familiengeschichte, ein mutiges "Ich will leben, trotzdem!".
In der Geschichte der Kunst kommen nicht allzu viele Frauen vor, für die ich mich aber ganz besonders interessiere: Paula Moderssohn-Becker, zum Beispiel, oder Charlotte Salomon, die (leider!) kaum bekannt ist. Ich finde es wichtig, dass wir uns erinnern, dass wir auch und gerade die Stimmen der (jungen) Frauen hören und darauf achten, was sie uns zu sagen haben.
A Glorious Freedom (Lisa Congdon)
Dieses Buch der US-Künstlerin Lisa Congdon habe ich mir zu Weihnachten gewünscht und glücklicherweise auch bekommen! Es enthält vielzählige, ausdrucksstark illustrierte Portraits von und Interviews mit Frauen, die erst in fortgeschrittenem Alter begannen, ihre Potenziale auszuleben und damit Erfolg zu haben. So zum Beispiel Minnie Pwerle, die erst mit beinahe 80 Jahren ihr erstes Bild malte und zur bekannten Künstlerin wurde. Oder die Schriftstellerin Laura Ingalls Wilder, deren beliebte Buchreihe Little house on the prairie erst veröffentlicht wurde, als sie schon über 60 war. Oder Stephanie Young, die mit 53 Jahren ein Medizinstudium begann.
A Glorious Freedom ist nicht nur schön anzuschauen, es ist auch eine sehr inspirierende und ermutigende Lektüre: In unserer Gesellschaft herrscht zwar das Ideal der Jugend und manchmal fühlt man sich mit Anfang 30 schon beinahe "alt" - aber wir haben tatsächlich bis ins hohe Alter hinein die Möglichkeit, etwas Neues zu lernen, etwas zu wagen, uns weiterzuentwickeln und unserem Leben eine andere Richtung zu geben.
Wer weiß, was ich tun werde, wenn ich 50 bin, oder 60 oder 70? Seitdem ich dieses Buch gelesen habe, freue ich mich noch mehr auf die Zukunft und empfinde weniger Druck, jetzt sofort alles machen und erreichen zu müssen.
Handlettering Alphabete (Tanja "Frau Hölle" Cappell)
Als ich vor ein paar Tagen mal wieder bei boesner war, stellte ich fest, wie viele Bücher zum Thema Hand- und Brushlettering es mittlerweile auf dem Markt gibt! Da kann die Auswahl schwer fallen.
Gut, dass ich dieses Buch zu Weihnachten bekommen habe und damit so zufrieden bin ;-)
Auch wenn ich kein anderes Handlettering-Werk als Vergleich heranziehen kann, behaupte ich guten Gewissens, dass dieses hier das wahrscheinlich Beste ist für alle, die Handlettering lernen und üben möchten.
Das Buch ist sehr gut aufgebaut, alle Materialien und Arbeitsschritte werden übersichtlich dargestellt und man hat viel Platz zum selber üben. Inklusive sind außerdem zwei Maxi-Poster mit allen Schrift-Vorlagen zum Abpausen. Nun bin ich zwar überhaupt kein Abpaus-Fan, aber für andere mag diese Option sinnvoll sein. Mir gefallen die vielen verschiedenen Schriftvarianten und Beispiel-Letterings einfach sehr gut und haben mir schon manches Mal als Inspiration gedient.
Wer noch mehr üben möchte, kann sich das Übungsheft (mit oder ohne Stift) separat dazu bestellen, was ich vor kurzem auch gemacht habe. Wirklich eine feine Sache!
Badass Babe Workbook (Julie Van Grol)
Last but not least möchte ich euch noch meine neuste Errungenschaft im Bereich Kreativbücher vorstellen: das Badass Babe Workbook. Der Titel ist zwar nicht ganz so mein Fall, der Inhalt ist aber sehr inspirierend und ermutigend. Laut Cover enthält es "creative exercises, drawing activites, empowering stories and fuel for your personal revolution". Das klang für mich schon mal sehr spannend!
Im Buch findet man tatsächlich viele Aufgaben: Denk über etwas nach, schreibe oder zeichne etwas, setze ein Vorhaben in die Tat um. All die vorgeschlagenen Aktivitäten kombiniert die Autorin mit Kurzportraits außergewöhnlicher Frauen aus den Bereichen Kunst, Sport, Literatur, Unterhaltungsmedien, Wissenschaft, Politik, Musik, Mode und Bildung. Einige davon sind weltberühmt, von anderen habe ich - leider - noch nie gehört. Mich beeindruckt es immer sehr, etwas über solche Frauen zu erfahren, von ihnen zu lernen und herausgefordert zu werden, es ihnen gleich zu tun: Etwas zu verändern in dieser Welt, einen guten, schönen Beitrag zu leisten für das Reich Gottes.
Ein kleines Vorstellungsvideo zu diesem Buch findet ihr übrigens hier (in englischer Sprache).
Das sind sie also, meine aktuellen Top 7 Kunst- und Kreativbücher!
Wie gesagt, wenn ihr in dieser Richtung Tipps für mich habt - immer her damit, ich freue mich über eure Anregungen!
Montag, 12. März 2018
Preach it, baby!
Das vergangene Wochenende war ein sehr aufregendes für mich, denn: Ich hielt gestern die Predigt in meiner Gemeinde.
Schon seit ein paar Wochen läuft bei uns ein Homiletik-Seminar, in dem wir lernen, wie man eine Predigt vorbereitet und hält, und in diesem Rahmen wagte ich mich dann auch an die Praxis. Ja, das war wirklich spannend und hat mich einiges an Nerven gekostet, wie ihr euch vorstellen könnt.
Heute bin ich erleichtert und dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte; dankbar auch für den wunderbaren Predigttext, über den ich sprechen konnte - und vielleicht bin ich gerade auch ein bisschen übermütig, indem ich euch verrate, wo ihr die Predigt (aktuell noch!) hören könnt, nämlich hier, auf der Startseite unserer Gemeinde-Homepage.
Ich habe selbst kurz reingehört und fand es einigermaßen furchtbar, aber so ist das ja meistens, wenn man die eigene Stimme plötzlich zu einem sprechen hört...
Für die, die lieber lesen und etwas vor Augen haben, ist hier die Predigt, leicht verändert, in Schriftform:
Lukas 5,12-16 Die Heilung eines Aussätzigen/ Die Berührung eines Unberührbaren
12 Und es begab sich, als er in einer der Städte war, siehe, da war ein Mann voller Aussatz. Als er Jesus sah, fiel er nieder auf sein Angesicht und bat ihn und sprach: Herr, willst du, so kannst du mich reinigen.
13 Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will’s tun, sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm. 14 Und er gebot ihm, dass er’s niemandem sagen sollte. Geh aber hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.
15 Aber die Kunde von ihm breitete sich immer weiter aus und es kam eine große Menge zusammen, zu hören und gesund zu werden von ihren Krankheiten.
16 Er aber entwich in die Einöde und betete.
Jesus ist in Judäa unterwegs und predigt dort in den
Synagogen. Das ist seine Aufgabe, sein Auftrag, die gute Botschaft vom Reich
Gottes überall zu verkünden. Er ist aber nicht nur bekannt für seine
vollmächtigen Worte, sondern auch (vielleicht sogar vor allem) für seine Wundertaten,
für seine Fähigkeit, jede Krankheit zu heilen. Davon hat auch der aussätzige Mann gehört, von dem wir im
Text lesen. Seinen Namen kennen wir leider nicht.
Aber wir erfahren das bis dahin wesentliche Merkmal seiner
Existenz, seiner Identität: Er war nämlich „voller Aussatz“.
Aussatz – im
Griechischen steht hier das Wort „Lepras“, was aber nicht unbedingt
bedeuten muss, dass dieser Mann hier
Lepra hatte. Es kann auch eine andere Hautkrankheit gewesen sein. Die Bibel ist
kein medizinisches Fachbuch und es geht hier nicht um eine genaue Diagnose. Zu Zeiten Moses und auch zu Zeiten Jesu, waren nicht primär
Ärzte für den Aussatz zuständig, sondern Priester.
Gemäß 3. Mose 13 muss ein Mensch, der eine Auffälligkeit auf seiner Haut
bemerkt, zum Priester gehen und sich vorzeigen. Der Priester entscheidet, ob es
sich tatsächlich um Aussatz handelt. Wenn ja, ist dies eine niederschmetternde
Diagnose!
In 3. Mose 13,43f steht: „Wer nun aussätzig ist, soll zerrissene Kleider tragen und
das Haar lose und den Bart verhüllt und soll rufen: Unrein! Unrein! Und solange
die Stelle an ihm ist, soll er unrein sein, allein wohnen und seine Wohnung
soll außerhalb des Lagers sein.“
Ein aussätziger Mensch ist ein Ausgestoßener aus der
Gesellschaft.
Diese Diagnose bedeutete das soziale Aus, Trennung von der
Familie und dem sozialen Leben, Trennung von Beruf und Wohlstand.
Ganz abgesehen von dem körperlichen Leid, von den Schmerzen,
dem Ekel, dem Gestank!
Und: Aussatz bedeutete Ausgeschlossenheit von religiösen Riten
und Bräuchen.
Ein Aussätziger konnte nicht in die Synagoge gehen, um Texte
aus der Schrift zu hören.
Ein Aussätziger durfte sich
nicht dem Tempel nahen, konnte auch keine Opfer darbringen, um sich von
seinen Sünden zu befreien.
Damit ist Aussatz sehr viel mehr als „nur“ eine Krankheit:
Wenn wir die ersten beiden Verse aufmerksam lesen, stellen wir fest, dass an
keiner Stelle von einer „Krankheit“ oder von „Heilung“ die Rede ist.
Vielmehr bittet der Aussätzige Jesus darum, ihn zu „reinigen“. Jesus spricht: „Sei rein!“ und fordert ihn auf, die
vorgeschriebenen Opfer zu seiner „Reinigung“
(wie sie in 3. Mose 14 beschrieben werden) darzubringen.
Aussatz bedeutet Unreinheit. Und das ist das
eigentliche Problem – ein geistliches
Problem.
Unreinheit – das bedeutet in der Bibel zunächst die
Unfähigkeit, kultische Handlungen zu vollziehen (also konkret Opfer
darzubringen). Unreinheit bedeutet aber auch die Befleckung mit Sünde – also
die Unfähigkeit zur Beziehung mit Gott.
Reinheit dagegen ist
ein Aspekt von Heiligkeit: Gott als ein heiliger Gott forderte sein Volk
dazu auf, heilig zu sein und alle Unreinheit aus seiner Mitte zu verbannen.
Als „unrein“ galt nicht nur ein aussätziger Mensch (wobei
dies die ernsteste Form der Unreinheit war) – auch die weibliche Periode, der
männliche Samenerguss außerhalb der Scheide oder Eiter machten einen Menschen
unrein, sowie die Geburt eines Kindes, der Verzehr unreinen Fleisches und das
Berühren eines toten Tieres oder Menschen. Man kann sich als Mensch der Unreinheit
eigentlich gar nicht entziehen.
Und schließlich: das Berühren eines unreinen Menschen macht
unrein.
Unreinheit ist ansteckend, ist übertragbar. Deshalb musste der Aussätzige sich von den „Reinen“
fernhalten, um sie nicht mit seiner Unreinheit zu infizieren.
Ein Aussätziger ist ein Unberührbarer.
Wie furchtbar!
Wir lesen, dass der Betroffene in unserer Geschichte „voller
Aussatz“ war – das bedeutet wahrscheinlich, dass er schon seit langer Zeit an
Aussatz litt. Wir wissen nicht, wie viele Jahre er schon so leben musste:
Außerhalb des Ortes, ausgeschlossen vom gesellschaftlichen Leben, allein, arm,
leidend, unberührt.
Verschiedene (unmenschliche!) Experimente mit Säuglingen, die
in der Menschheitsgeschichte durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass Kinder,
die ohne Zuwendung, ohne Zusprache und ohne liebevolle Berührung aufwachsen,
sterben. Wir Menschen brauchen das zum Leben, so wie wir Nahrung und Sauerstoff
brauchen.
Der Mensch, dem Jesus hier begegnet, war – wenn wir es ganz
drastisch formulieren – schon so gut wie tot. Vollkommen abgeschnitten vom
Nötigsten: von menschlichem Kontakt, von Zuwendung, Liebe und Berührung.
UND: völlig abgeschnitten von Gott. Die einzige Möglichkeit,
die einem Menschen zu seiner Zeit blieb, um sich Gott zu nahen und um Vergebung
zu erlangen, war ihm verwehrt. Und das seit vielen Jahren.
Doch dann hörte er: Jesus ist in der Stadt!
Da durfte er ja eigentlich nicht hin.
Er muss sehr verzweifelt gewesen sein. Aber er sah seine
Chance auf ein neues Leben, und ergriff sie. Er warf sich Jesus vor die Füße
und bat ihn voller Glauben darum, ihn rein zu machen. Ihn zu erlösen, ihn neu
zu machen.
2. Die Berührung
Perspektivwechsel: Jesus.
Wir wissen nicht, was er gerade tat, als der Aussätzige sich
ihm näherte. Ob er allein war oder von Leuten umringt. Wir sehen hier nur ihn und einen schrecklich entstellten
Menschen, mit zerrissenen Kleidern, losem Bart, wirren Haaren, der sich ihm vor
die Füße wirft. Ein schlimmer Anblick.
Lukas beschreibt nicht, was Jesus in dem Moment fühlt, er
konzentriert sich auf das äußerlich Sichtbare. Bei Markus lesen wir von dieser Begebenheit bereits im 1.
Kapitel. Er schreibt: „Und es jammerte
ihn“.
Jesus wendet sich nicht ab, er schüttelt sich nicht vor
Ekel, er scheucht den Mann auch nicht weg, von wegen: „Weißt du denn nicht, was
im Gesetz steht – dass du eigentlich nicht hier sein darfst? Hast du überhaupt
‚unrein, unrein‘ gerufen? Widerlich, sowas!“
Jesus hat Mitgefühl.
Der Unberührbare
berührt ihn tief in seinem Innersten.
Und das berührt mich.
Noch bevor Jesus etwas Sichtbares tut, passiert etwas. Er
bringt dem Aussätzigen etwas entgegen, was dieser schon lange nicht mehr erlebt
hat: Hier findet bereits Beziehung statt, Kontakt, Nähe, Zuwendung.
Jesus heilt den Mann nicht, weil er seine Ruhe haben will,
weil er sich der Situation schnell entziehen will. Vielmehr: Jesus lässt sich berühren. Jesus leidet mit. Jesus
lässt die Nähe zu und überwindet die erste Barriere. Aussatz und Berührung schließen sich eigentlich vollkommen aus.
Nicht bei Jesus.
Jesus lässt sich berühren – und berührt nun den
Unberührbaren: Er streckt allen Ernstes die Hand aus und fasst den Mann an! Mit
Aussatz und Dreck und allem. Ohne Ekel, ohne Widerwillen, ohne Gewalt. Voller
Liebe.
Jesus hätte den Aussätzigen nicht berühren müssen. Sein Wort, ein Gedanke hätte
genügt. In den Evangelien lesen wir auch von „Fernheilung“ – da hat Jesus einen
Kranken geheilt, der nicht einmal vor ihm stand. Jesus berührt nicht jeden Kranken, den er heilt, aber er tut
es häufig. Und auch hier wird die Berührung explizit erwähnt.
Warum?
Ich glaube, dass es hier tatsächlich die Berührung
Jesu ist, die den Mann heilt.
Die Berührung wirkt zweifach: Zum einen vertreibt die
Berührung den Aussatz. Wir lesen: „Sogleich wich
der Aussatz von ihm“. Fast, als wäre von einer Person oder von einem Dämon die
Rede. Der Aussatz, die Unreinheit, wird personifiziert, und Jesus treibt sie
aus. Mit einer sanften Berührung. So mächtig ist er!
Zum anderen überwindet Jesus mit seiner Berührung die
Barriere, die der aussätzige Mensch selbst niemals hätte überwinden können.
Jesus berührt nicht nur den Körper, der so lange keine liebevolle Berührung
mehr gefühlt hat; seine Hand reicht bis hin zur Seele, bis zum Herz dieses
totgleichen Menschen und macht ihn wieder lebendig.
Und: Jesus durfte
diesen Menschen eigentlich nicht berühren – das war verboten!
Unreinheit ist ansteckend, haben wir gehört – darum mieden
die Frommen auch alles, was sie hätte verunreinigen und vom Gottesdienst
ausschließen können. Hat Jesus keine Angst davor, sich unrein zu machen?
Im Gegenteil. Bei Jesus funktioniert es genau umgekehrt:
Nicht er wird unrein, sondern der Unberührbare, der Unreine wird rein! Das kann
nur Jesus.
Nur Er konnte diese Barriere überwinden.
In den drei Jahren seines Wirkens überschritt er immer
wieder real existierende Grenzen: zwischen Mann und Frau, zwischen Jude und
Heide, zwischen Erwachsenem und Kind, zwischen Reinem und Unreinem –
und schließlich auch die Grenze zwischen Gott und Mensch, schon durch seine Geburt.
Und als er dann, als seine Zeit gekommen war, am Kreuz für
uns starb, vollendete er alles, nahm endgültig alles Trennende weg.
Er identifizierte
sich so sehr mit den Ausgestoßenen, den Unberührbaren, dass Er selbst ein
Ausgestoßener, ein Unberührbarer wurde: Ein Verfluchter, ein von Gott
Getrennter, der, der alle Schuld der Welt auf sich trägt. Er wird ein Unreiner,
weil er uns so unendlich liebt.
An Karfreitag wird
Realität, was im Buch Jesaja angekündigt wurde: „Durch seine Wunden sind wir
geheilt“.
3. (Un)berührt?
Jesus berührt einen Unberührbaren – was bedeutet das für
uns? Wo bin ich in dieser Geschichte?
Mit wem identifiziere ich mich? Stellen wir uns das ruhig einmal vor.
Möglicherweise sehe ich mich selbst als der Aussätzige:
Nicht wortwörtlich, nicht medizinisch gesehen, vielmehr im übertragenen Sinn: ausgeschlossen, isoliert, unfähig zur Beziehung mit Gott oder meinen
Mitmenschen?
Weil da etwas ist, das mich trennt – weil ich etwas an mir
habe, das ich nicht loswerde?
Schuld, Scham, alte Verletzungen? Trage ich etwas schon so lange mit mir herum, dass ich mich
innerlich ganz taub und fast wie tot fühle? Ist mir schon lange niemand mehr
nah gekommen, hat mich schon lange niemand mehr wirklich berührt? Habe ich mich vielleicht schon selbst daran gewöhnt und denke: Da kann man sowieso nichts mehr machen, ich kann mich nicht ändern...?
Dann kann ich mich genauso wie der aussätzige Mann vor Jesu
Füße werfen und ihn bitten, mich rein zu machen, mich zu berühren und mir neues
Leben zu schenken.
Jesus hat ja ALLES dafür getan, dass der Weg zu Gott für
mich frei ist. Für ihn gibt es keinen hoffnungslosen Fall. Keine Schuld ist zu
groß, keine Verletzung zu tief oder zu alt, kein Mensch zu eklig oder unwürdig,
als dass seine Liebe nichts ausrichten könnte.
Jetzt, in der Passionszeit, können wir diese Wahrheit wieder
neu entdecken und für uns persönlich in Anspruch nehmen.
Ja, wer bin ich in dieser Geschichte?
Wenn ich mich nicht mit dem Aussätzigen identifiziere –
vielleicht bin ich jemand, der dabei steht und das Geschehen beobachtet?
Jemand, der sich erschreckt und ekelt und sich abwenden
will. Jemand, der sich im Grunde wünscht, auch so handeln zu können, so voller
Zuwendung und Liebe?
Wenn ich hier sehe, wie Jesus agiert, wie er diesem
entstellten Menschen begegnet, dann werde ich mir meiner eigenen Hartherzigkeit
bewusst, meiner Unfähigkeit zur Liebe.
Wir haben es wohl selten mit solchen „harten“ Fällen zu tun
wie Jesus hier. Aber wie schwer fällt es mir, der einsamen aber nervigen
Nachbarin nicht auszuweichen und ihr wirklich zuzuhören! Wie gehe ich mit dem
Obdachlosen um, der mich in der S-Bahn anbettelt? Schaue ich ihm ins Gesicht, suche
ich das Gespräch, lade ich ihn zum Essen ein? Und zu welchen Menschen suche ich
den Kontakt – die, von denen ich insgeheim etwas erwarte, die Interessanten,
Angesagten – oder mit den Schwierigen, den Langweiligen, den „Problem-Bären“?
Ich bin – aus mir allein heraus – nicht fähig zu einer
solchen Liebe, die sich wirklich berühren lässt und dann die Hand ausstreckt,
um liebevoll zu berühren. So wird mir, die ich eigentlich nur als passive Beobachterin
dieser Szene beiwohne, bewusst, dass auch ich Erlösung und Reinigung brauche,
so wie dieser Aussätzige! Da gibt es auch in meinem Herzen so vieles, das mich
trennt, von Gott und meinen Mitmenschen:
Vorurteile, Bitterkeit, Bequemlichkeit, Angst, Ignoranz,
auch Ekel, Lieblosigkeit…
Dass es mich manchmal gar nicht mehr berührt, was mit
anderen Menschen los ist, welche Not mich umgibt, das ist mein Aussatz, meine Krankheit, mein Bedürfnis nach Erlösung.
Die gute Nachricht ist: Auch dafür ist Jesus am Kreuz
gestorben!
Auch mich kann – und will – er reinigen, er kann mein Herz
berühren und es wieder empfindsamer machen. Er kann – und will – mich erlösen
von meiner Lieblosigkeit, von meinem harten Herz.
Aus eigener Kraft ist es unmöglich, es Jesus gleich zu tun.
Aus eigener Anstrengung heraus konnte der Aussätzige sich
nicht reinigen, das war vollkommen unmöglich. Wie froh und aus tiefstem Herzen dankbar bin ich, dass ich
nicht so bleiben muss, wie ich bin! Dass
ich mich Jesus vor die Füße werfen kann und Er mich berührt.
Wir sind herausgefordert, uns dem auszusetzen: unserem
Aussatz, unserer Krankheit, wie auch immer sie aussehen mag, ob sie äußerlich
sichtbar oder tief in unserem Herzen verborgen ist.
Das ist hart. Wir möchten uns selbst nicht so sehen und uns
schon gar nicht so vor anderen zeigen. Wir möchten nicht bedürftig sein, auch
nicht als hartherzig oder lieblos bezeichnet werden.
Es erfordert Mut, unseren eigenen Zustand zu erkennen und
uns an Jesus zu wenden!
Hier kann uns der Aussätzige ein Vorbild sein. Er wusste,
dass er nur diese eine Chance hatte, dass es nur diesen einen Weg für ihn gab,
wieder rein zu werden. Er ging zu dem einzigen, der ihm helfen konnte. Dazu
sind wir genauso eingeladen!
Das Lied There Are no outsiders von Rend Collective hat mich während der Predigtvorbereitung begleitet, weil es einfach so gut passt: Bei Jesus gibt es keine Ausgestoßenen, keine Außenseiter, keine Unberührbaren! Am Ende der Predigt ließ ich es vorspielen und lud dazu ein, das Lied zum eigenen Gebet werden zu lassen.
Amen.
Freitag, 9. März 2018
1000 Fragen (#9)
161. Bist du ein Hundetyp oder ein Katzentyp?
Hm, Hunde mag ich zwar etwas lieber als Katzen, aber charakterlich ähnele ich wahrscheinlich eher einer Katze.
162. Wie zeigst du, dass du jemanden nett findest?
Ich suche den Kontakt; frage, ob wir uns mal treffen wollen... das merkt diejenige Person dann schon, hoffe ich.
163. Isst du eher, weil du Hunger hast oder Appetit?
Da ich (global gesehen) im absoluten Überfluss lebe, spielt Hunger bei mir wahrscheinlich nicht so eine große Rolle. Natürlich, weiß ich, wie Hunger sich anfühlt - aber nicht existenziell. Ich versuche, zwischen den Mahlzeiten möglichst mehrere Stunden verstreichen zu lassen, sodass ich einigermaßen hungrig bin, wenn ich esse.
164. Tanzt du manchmal vor dem Spiegel?
Vor dem Spiegel nicht. Aber in der Küche oder im Wohnzimmer (beim Wäscheaufhängen...) kommt es schon vor, dass ich tanze.
165. In welcher Hinsicht bist du anders als andere Menschen?
Ich denke oft, dass ich ziemlich anders bin/ticke als "andere Menschen" - mittlerweile habe ich aber erfahren, dass das fast alle von sich denken...
Was mich wohl von vielen anderen (Frauen) unterscheidet ist, dass ich Shoppen nicht mag und mir nichts aus Klamotten oder Schuhen mache. Ich habe auch kein Problem mit einem überquellenden Kleiderschrank.
166. Welchen Jugendfilm würdest du Kindern empfehlen?
Meine Tochter ist seit einiger Zeit großer Anna-und-Elsa-Fan, einfach, weil die anderen Mädchen in der Kita Fans dieses Films sind. Die Geschichte selbst kannte sie bis vor kurzem gar nicht.
Dann lieh uns eine Bekannte die DVD aus und mein Mann und ich schauten uns das Ganze erstmal ohne die Kinder an - wir waren wirklich positiv überrascht!
Ich mochte als Kind gern alle möglichen Astrid-Lindgren-Verfilmungen, die sind unbedingt zu empfehlen!
167. Bleibst du auf Partys bis zum Schluss?
Nein. Ich habe immer relativ schnell das Bedürfnis zu gehen (auch wenn es mir auf einer Party gefällt). Mir wird der Trubel einfach zu viel, ich werde müde und möchte meine Ruhe haben... (ist das noch so etwas, das mich von anderen Menschen unterscheidet?)
168. Welchen Song hast du in letzter Zeit am liebsten gehört?
Tatsächlich höre ich gerade die neuste CD von Rend Collective, Good News, rauf und runter. Die Lieder gehören seit ein paar Wochen zu meinen Favoriten, und das wird bestimmt noch mindestens bis zum Konzert so bleiben (wir fliegen im Mai zum Rend Collective Konzert!!!).
169. Bereitest du dich auf bestimmte Telefongespräche vor?
Ja, schon. Ich telefoniere nicht besonders gern, und wenn ich mich auf bestimmte Telefonate vorbereiten kann (Unterlagen zusammen suchen, Fragen notieren...), dann entlastet mich das.
170. Wann hast du zuletzt vor jemand anderem geweint?
Das war bestimmt vor meinem Mann, vor gar nicht allzu langer Zeit. Kommt häufiger vor (nah am Wasser gebaut und so).
171. Mit wem verbringst du am liebsten einen freien Tag?
Definitiv mit meinem Mann (oder allein...).
172. Was war der beste Rat, den du jemals bekommen hast?
"Eins nach dem anderen." Das sagt mein Liebster immer wieder zu mir, wenn Aufgaben oder Projekte mich zu überwältigen drohen. Und er hat ja Recht.
173. Was fällt dir ein, wenn du an Sommer denkst?
Blau und gelb. Eis. Muscheln. Strand. Barfuß. Wassermelone. Schwimmen. Gebräunte Haut. Draußen sein. Schwitzen. Laue Abende auf dem Balkon. (Anscheinend mag ich ihn doch, den Sommer!)
174. Wie duftet dein Lieblingsparfum?
Das weiß ich nicht, da ich ja nicht riechen kann... Eine Zeitlang habe ich immer das Parfum aufgelegt, das meine Schwester oder mein Mann für mich ausgesucht haben. Aber oft vergesse ich es auch.
175. Welche Kritik hat dich am stärksten getroffen?
Eine Kritik, an die ich mich noch konkret erinnere, war die von einer Freundin, ich würde zu viel um Hilfe bitten und andere einspannen, anstatt mich selbst um mein Leben zu kümmern. Das hat mich schon sehr getroffen.
176. Wie findest du dein Aussehen?
Gerade finde ich mich ganz in Ordnung. Das hängt schon auch davon ab, wo ich mich in meinem Zyklus befinde und wie es mir insgesamt geht.
177. Gehst du mit dir selbst freundlich um?
Zu mir selbst bin ich unfreundlicher als zu anderen. Dinge, die ich über mich selbst denke oder mir selbst an den Kopf werfe, wenn ich wütend bin, würde ich so wahrscheinlich nie zu anderen sagen.
Und ich tue auch viele Dinge, die mir nicht gut tun bzw. lasse andere Dinge, die mir gut tun würden - das ist auch nicht gerade "freundlich".
Da habe ich auf jeden Fall noch Lernbedarf!
178. Würdest du dich einer Schönheitsoperation unterziehen?
Ich lehne Schönheitsoperationen jedenfalls nicht grundsätzlich ab.
179. Welchen Film hast du mindestens fünf Mal gesehen?
So oft - keinen. Mehrmals (also bestimmt drei Mal) gesehen habe ich aber die Der Herr der Ringe-Triolgie, Grüne Tomaten, Die weiße Massai (eigentlich ein furchtbarer Film, aber die Landschaft und die Sprache erinnert mich so sehr an meine Kenia-Zeit, und wenn ich Sehnsucht danach verspürte, schaute ich den Film) und die neuen James Bond-Filme mit Daniel Craig.
180. Füllst du gern Tests aus?
Offensichtlich, ja ;-)
Freitag, 2. März 2018
1000 Fragen (#8)
141. In welche Länder möchtest du noch reisen?
Unbedingt nach Israel. Und nach Island. Mich interessieren auch der Iran und Afghanistan sehr, aber ich vermute mal, das wird erstmal nichts. Und ich möchte gern mal mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren.
142. Welche übernatürliche Kraft hättest du gern?
Übernatürliche Liebe. Übernatürliche Geduld. Übernatürliche Freude...
143. Wann wärst du am liebsten im Erdboden versunken?
Sehr peinlich war zum Beispiel, als ich auf Skifahrt (in der 8. Klasse) mit dem Skier im Ankerlift hängenblieb und ein Stück die Rampe hoch mitgeschleift wurde. Gott sei Dank habe ich mich dabei nicht verletzt! So war es "nur" peinlich (wie übrigens so einiges auf dieser Klassenfahrt...)
144. Welches Lied macht dir immer gute Laune?
Da gibt es kein spezielles, aber generell höre ich gern Rend Collective, wenn ich gute Laune brauche. Aktuell liebe ich diesen Song hier: Counting every blessing. Gute Laune garantiert!
145. Wie flexibel bist du?
Nicht besonders. Aber ich werde besser, hoffe ich...
146. Gibt es eine ungewöhnliche Kombination beim Essen, die du richtig gerne magst?
Ich mag Wassermelone mit Feta, das fällt mir als erstes ein. Aber ich probiere überhaupt gern mal ungewöhnliche Kombinationen aus. Zum Beispiel habe ich ein Nudelrezept mit Blumenkohl und Feigen im Repertoire. Sehr lecker!
147. Was tust du, wenn du in der Schlange warten musst?
Mich mit meinen Kindern unterhalten, die meistens auch dabei sind. Und wenn ich doch mal allein in einer Schlange stehe - ehrlich gesagt, stehe ich dann einfach da und warte.
148. Wo siehst du besser aus: im Spiegel oder auf Fotos?
Im Spiegel. Leider.
149. Entscheidest du dich eher für weniger Kalorien oder mehr Sport?
Weniger Kalorien.
150. Führst du oft Selbstgespräche?
Laut? Sehr selten. Eigentlich nur, wenn ich sehr sauer oder aufgewühlt bin, und das irgendwie raus muss.
151. Wofür wärst du gern berühmt?
Eigentlich wäre ich gar nicht gern "berühmt". Aber es wäre schon schön, für Herzlichkeit, Großzügigkeit und Liebe bekannt zu sein. (Und natürlich hätte ich auch nichts dagegen, für inspirierende, ermutigende Texte und wunderschöne Bilder bekannt zu sein ;-))
152. Wie fühlt es sich an, abgewiesen zu werden?
Demütigend. Als wäre ich nicht gut genug, es nicht wert. Es fühlt sich wie Versagen an. Ein tiefer Schmerz.
153. Wen würdest du gern besser kennenlernen?
Ich hatte mal eine Deutsch-Privatschülerin, eine weltenbummelnde Amerikanerin, etwas älter als ich. Wir haben uns sehr gut verstanden und uns auch mal ganz ohne Deutschunterricht verabredet - aber dann brach irgendwie der Kontakt ab. Mir ihr hätte ich mich unheimlich gern befreundet, weil sie so viel Spannendes erlebt hat, weil sie Schriftstellerin und Podcasterin ist und einfach eine unheimlich interessante Persönlichkeit. Leider hat sich das nicht ergeben.
154. Duftest du immer gut?
Ich fürchte, nein (ist das überhaupt möglich?). Ich weiß es einfach nicht sicher, da ich nicht riechen kann, weder mich selbst noch irgendjemand oder irgendetwas anderes. Die Angst, schlecht zu riechen, begleitet mich daher immer.
155. Wie viele Bücher liest du pro Jahr?
Das kann ich nur schätzen, weil ich immer vergesse, eine Liste der ausgelesenen Bücher eines Jahres zu führen. Pro Monat lese ich 1-3 Bücher, das schwankt. Im Jahr komme ich wohl auf 20-30.
156. Googelst du dich selbst?
Nein. Könnte ich aber ja mal machen.
157. Welches historische Ereignis hättest du gern mit eigenen Augen gesehen?
Die Erschaffung der Welt. Und auf jeden Fall die Auferstehung!
158. Könntest du mit deinen Freundinnen zusammenwohnen?
Nicht mit allen gleichzeitig ;-)
159. Sprichst du mit Gegenständen?
Hm. Mit Pflanzen vielleicht. Und mit meinem Handy, wenn es mal wieder spinnt.
Und mein Fahrrad hat einen Namen (es heißt Ruby).
160. Was ist dein größtes Defizit?
Spontan würde ich sagen meine mangelnde Selbstdisziplin.
Donnerstag, 1. März 2018
Monatsspruch März
Es ist vollbracht!
Johannes 19,30
Wir befinden uns gerade mitten in der Fastenzeit - der Monatsspruch für März weist uns schon auf das große Finale hin: Jesus gibt sein Leben für unsere Erlösung.
Jahr für Jahr birgt die Fastenzeit für mich die Herausforderung, mich dieser so zentralen und damit oft gehörten Geschichte, dieser absolut essenziellen Tatsache wieder neu zu nähern und mich davon berühren zu lassen. Jesus starb für mich! Er hat es vollbracht! Er ist auferstanden! Ich bin frei!
Im letzten Jahr diente mir ein Passions Art Journal dazu, mich auf kreative Weise mit dem Opfer Jesu auseinanderzusetzen (übrigens lag heute die neuste Ausgabe der Zeitschrift Faszination Bibel in unserem Briefkasten, mit einer Bilderstrecke meines Passions Art Journals!).
2018 hat Gott sich offenbar entschieden, mich zu überraschen und mir die Bedeutung der Passion auf eine Weise nahezubringen, auf die ich selbst nicht unbedingt gekommen wäre: Durch die Lektüre des 2. und 3. Mose-Buchs.
Im Rahmen unseres Hauskreis-Projektes "In einem Jahr durch die Bibel" stieß ich unweigerlich (und ehrlich gesagt etwas vorurteilsbehaftet...) auch auf das Buch Levitikus. Ich erwartete mir nicht sonderlich viel von den Texten, die mit unserem Glaubensleben heute so wenig zu tun zu haben scheinen: Weder halten wir unsere Gottesdienste in der "Stiftshütte" ab, noch bringen wir Tieropfer dar oder wandern in einer bestimmten Reihenfolge durch die Wüste. Also einfach hinter mich bringen bis es wieder spannender wird, dachte ich.
Aber wie gesagt: Gott hatte vor, mich zu überraschen, mir Wahrheiten und Wunder vor Augen zu malen, wo ich sie nicht zu suchen hoffte.
Zuerst: die Stiftshütte.
Das Zelt "der Begegnung", die "Wohnung" Gottes bei seinem Volk. Das fand ich schön.
Gott möchte seinen Menschen nahe sein, er sucht die Gemeinschaft mit ihnen. Und was für ein wunderbarer Ort, voller Prunk und Kunst und Schönheit (ich fand es unheimlich wertschätzend und ermutigend, dass Gott extra Künstler beruft und befähigt, für ihn sein Zelt zu bauen und auszustatten!).
Aber: Die Stiftshütte ist kein Gottesdienstraum, wie wir ihn heute kennen. Sich Gott wirklich nähern - das konnte eigentlich nur Mose, und der Hohepriester, unter ganz bestimmten Voraussetzungen.
Der "Gnadenthron" ist der Ort, an dem Gott Mose begegnen will (2. Mose 25,22) - dieser Gnadenthron befindet sich allerdings im Allerheiligsten, in einem mit Vorhängen abgetrennten Bereich, zu dem kein Normalsterblicher Zutritt hat. Es wäre lebensgefährlich, sich Gott auf diese Weise nähern zu wollen!
In den ersten Büchern der Bibel empfinde ich eine starke Spannung zwischen einem sich offenbarenden, nähe-suchenden und einem unendlich heiligen, furchtbaren, letztlich doch fernen Gott.
Und dann: das Opfer.
Es wird genau beschrieben, welche Opfer die Israeliten in welcher Situation auf welche Weise darbringen sollen. Wie viele und welche Tiere müssen geopfert werden, welche Reinigung ist nötig, wie wird das Opfer vorbereitet und dargebracht? Mir erscheint diese Praxis aufwändig und grausam.
Aber anstatt einfach darüber hinwegzulesen und die ekligen Passagen hinter mich zu bringen, schaute ich genau hin und sah zwischen den Zeilen: Jesus.
Die Sünde ist schlimm! Das vergesse ich tatsächlich manchmal. "Schwamm drüber!" geht nicht.
Vergebung ist keine Kleinigkeit: Ohne Blutvergießen ist keine Vergebung möglich (3. Mose 17,11 und Hebräer 9,22)! Vergebung kostet. Sie kostet so viel! Sie kostete so viele Tiere das Leben - und letztlich war das nicht genug. Wieder und wieder mussten Opfer gebracht werden, für jede neue Schuld, für jedes Vergehen.
Das führten mir die Texte vor Augen: Das Bewusstsein, dass Gott unendlich heilig und meine Sünde schlimm ist. Eigentlich könnte ich mich ihm nicht nahen. Da wäre dieser Vorhang, und kein Durchkommen. Da wäre dieses Tier und sein Blut, und es wäre nicht genug - niemals.
Dankbarkeit durchströmt mich. Das Verlangen nach Anbetung: So groß ist unser Gott! So heilig, so gerecht, so voller Liebe.
Jesus hat das alles getan, er hat erfüllt, was die Opfertiere nicht konnten.
Er ist mehr wert als alle Opfertiere der Welt. Sein Blut ist genug. Für alle Zeit. Für alle Menschen. Für jede Schuld. Auch für meine.
In der Vorbereitung für den Hauskreis studierten mein Mann und ich das Bibellexikon, schlugen unsere Bibeln auf und blätterten vor und zurück und versuchten, den Sinn Seines Todes zu greifen. Wir wollten diese allumfassende Bedeutung für uns verstehen und sie auch den Hauskreis-Teilnehmern bewusst machen.
Erst da begriff ich, dass Jesus wirklich alles ist:
Er ist das Opfertier, das Lamm, das sich freiwillig und ohne Kampf für uns gegeben hat.
Das perfekte, tadellose, reine, heilige Opfer, das genügt.
Und er ist der Hohepriester, der das Opfer darbringt, der der Mittler ist zwischen Gott und Mensch.
Jesus ist der einzig wahre Hohepriester, da er sich nicht erst selbst von Sünden reinigen muss - er ist ja ohne Schuld, er ist ja selbst Gott.
Er ist der Hohepriester, der das Stirnblatt trägt "Heilig dem Herrn" (2. Mose 28,36), der unsere Namen auf seinen Schultern trägt und Gott permanent an uns erinnert (2. Mose 28,12).
Er ist der Hohepriester, der mit uns in unserer Schwachheit leidet und uns vollkommen versteht (Hebräer 4,15).
Und schließlich ist Jesus der Gnadenthron, das Allerheiligste, zu dem wir nun jederzeit kommen können, um Gnade und Hilfe zu empfangen (Hebräer 4,16) - er ist "das Horn des Heils" (Psalm 18,3), an dem wir uns festhalten dürfen.
In dem Moment, als Jesus starb, zerriss der Vorhang im Tempel mittendurch: Das Allerheiligste stand nun allen offen, weil Jesus uns der Gnadenthron geworden ist. Der absolut heilige Gott, dem wir uns von uns aus nicht nähern können, gibt alles - gibt sich selbst - um uns nahe zu sein.
Dies ist ein Geheimnis, das ich nur bruchstückhaft verstehe... aber es ist mir unendlich wunderbar und wertvoll geworden. Ein Schatz in meinem Herzen.
Gefunden an einem unwahrscheinlichen Ort, ganz ohne graben...
Ich weiß nicht, wie du diesen Text liest. Ob die Begeisterung, mit der ich diese Zeilen schreibe, dich erreicht; ob du vielleicht gelangweilt bist von (scheinbaren?) Allgemeinplätzen, ob du dich möglicherweise schuldig fühlst, weil das Wunder dich gerade nicht so berührt, wie du es dir wünschst. Ich kenne das.
Wir können das nicht "machen", dass eine biblische Wahrheit uns ins Herz trifft und etwas bewegt. Manchmal passiert das, ganz ohne unser Zutun, ohne eigene Anstrengung oder Leistung. Und dann wieder, viel zu lange, nicht. Oft passiert rein gar nichts. Denken wir.
Gott hat mich überrascht. Er hat mich erwischt, hat mich ins Herz getroffen, und ich hatte ihn nicht mal darum gebeten. Zumindest nicht konkret.
Aber das dürfen wir: Wir dürfen ihn bitten, wir dürfen bereit sein, wir dürfen fragen und die Herzensaugen offen halten.
Und dann stolpern.
Über diesen einen Satz, dieses eine Wort.
Dann stehen bleiben,
innehalten,
zulassen, was passiert.
Hören, was Gott sagt.
Spüren, was er in meinem Herzen gerade macht.
Und darauf reagieren:
erkennen,
weinen,
bekennen,
danken,
jubeln,
lachen,
loben,
umkehren,
handeln,
lieben,
immer mehr lieben.
Und mit anderen teilen,
was Gott getan hat.
Ganz überraschend und liebevoll und wunderschön,
wie es so seine Art ist.
Der Monatsspruch erinnert mich daran:
Es ist vollbracht.
Das Opfer ist gebracht - er bringt Erlösung.
Es ist erledigt.
ERledigt.
Er allein hat es getan, für uns alle.
Es ist vollbracht.
Voll und umfassend und ganz.
Es ist erledigt.
Das gilt mir heute und für alle Zeit.
Am Kreuz
hat er es für uns vollbracht.
Wenn du möchtest, kannst du dir auch dieses Monatsvers-Lettering speichern und in A4 (oder kleiner) ausdrucken. Vielleicht magst du es gut sichtbar bei dir Zuhause aufhängen, oder es in dein Tagebuch kleben, oder es für eine Seite in deinem Art Journal verwenden?
Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn du mein Handlettering auseinanderschneidest, es beklebst oder bemalst oder sonst wie kreativ "behandelst" ;-) Du darfst es auch gern mit anderen teilen (am liebsten natürlich mit dem Hinweis, wo du es her hast und wer es gemacht hat), darüber würde ich mich freuen!
Ich wünsche dir eine gesegnete Fastenzeit: Dass Jesus dir begegnet, an völlig unwahrscheinlichen Orten, auf unglaubliche Art und Weise, mit seiner überirdischen Liebe.
Lass dich überraschen, berühren und ins Herz treffen von unserem guten Gott!
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