Donnerstag, 20. August 2015

Wie ich meinen Mann wiederentdeckte




„Ich habe ja auch noch einen Ehemann!“ Diese Erkenntnis traf mich wie der Blitz, als ich neulich mal wieder im Internet rumsurfte und auf ein paar neue tolle Blogs stieß. Das liebe ich so sehr an Blogs, dass sie mich so oft an das erinnern, worauf es wirklich ankommt. In der Hinsicht sind sie für mich wie ein Fingerzeig Gottes, wie ein Brief aus seiner Hand.
Aber zurück zu meinem wiederentdeckten Ehemann: In den vergangenen Monaten, wenn nicht sogar Jahren habe ich mich viel damit auseinandergesetzt, was es bedeutet, eine „gute Mutter“ zu sein. Das ist sicherlich auch wichtig, aber ich habe über dem Thema meinen Mann und unsere Ehe vernachlässigt.
Ich achte zwar darauf, dass wir einigermaßen regelmäßig Zeit zu zweit verbringen, und dann auch nicht irgendwie, sondern schon quality time. Aber in zwischen diesen raren Augenblicken bemühe ich mich kaum um Falko, wenn ich ehrlich bin. Wahrscheinlich läuft da unbewusst das mir altbekannte Muster ab: „Ich kümmere mich schon den ganzen Tag um die Kinder, da soll am Abend wenigstens mein Mann für mich da sein und mir Gutes tun.“ Total egoistisch halt: Hauptsache, ich habe genug Freiräume für meine eigenen Projekte. Hauptsache, ich kann jetzt mal die Beine hochlegen. Hauptsache, ich kriege diesen Blog-Eintrag fertig.

Dabei habe ich doch vor acht Jahren versprochen, ihn zu lieben, ihn zu unterstützen, ihn zu ehren, ihm zu helfen – ihm eine gute Ehefrau zu sein! Dieses Versprechen gilt heute noch genauso wie damals, und unabhängig von den Lebensumständen, in denen wir uns aktuell befinden. Mein Mann soll meine Nummer eins in unserer Familie sein. Das ist der Platz, der ihm zusteht. Er besitzt die älteren Rechte, und er wird auch dann noch mein Mann sein, wenn unsere Kinder einmal ausziehen um ihre eigenen Leben zu führen.
Jedenfalls möchte ich, dass er es dann noch ist!
Ich wünsche mir, dass unsere Ehe mehr ist als nur eine Zweckgemeinschaft, eine Arbeitsgruppe, eine WG, dass wir beide mehr sind als immer nur Eltern. Dass wir ein Liebespaar sind und bleiben. Die Ehe ist so wertvoll, da lohnt es sich, immer wieder zu investieren.

Mir ist aufgefallen, dass ich den Haushalt und die Kinder durchaus als meine Aufgaben ansehe und darüber nachdenke, was ich den Kindern Gutes tun und unser Familienleben schön gestalten kann.
Darüber habe ich allerdings meinen Mann vollkommen vergessen. Sein Wohl ist ja auch irgendwie meine Aufgabe. Diese Aufgabe möchte ich wieder ernst nehmen, das habe ich mir fest vorgenommen, und auch gleich mal gebrainstormt, wie das konkret aussehen könnte:

Wie kann ich meinem Mann zeigen, dass ich ihn liebe?

  • Wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, nehme ich mir Zeit, ihn zu begrüßen – ich unterbreche meine aktuelle Tätigkeit und bin für den Moment nur für ihn da (soweit das mit den Kids möglich ist). Ich nehme ihn wahr und freue mich, dass er da ist.
  • Ich höre ihm zu und lasse ihn ausreden (das ist echt eine Unart von mir…).
  • Wenn er nach Hause kommt, halse ich ihm nicht sofort die Kinder auf, sondern lasse ihn erst mal ankommen, und frage ihn, welche Pläne er für den Abend hat. Ich ermögliche ihm Spielzeit mit den Kindern und übernehme dann auch mal seine Aufgaben im Haushalt.
  • Ich gebe ihm Freiraum für seine eigenen Projekte (aktuell: Trainieren für den Berliner Firmenlauf im September) und beklage mich nicht, wenn er deshalb weniger Zeit für uns als Familie hat. Vielmehr interessiere ich mich für seine Fortschritte und Schwierigkeiten, nehme Anteil an seinen Projekten und unterstütze ihn, sofern es möglich ist, feuere ihn an, seine Ziele zu erreichen.

  • Ich ermögliche ihm Zeit für sich allein, und sorge dafür, dass er mehr auf seine eigenen Bedürfnisse achtet, dass er genug Schlaf und Ruhe bekommt.
  • Ich backe wieder öfter für ihn, achte darauf, dass wir immer Eis im Tiefkühlfach haben und plane für das Wochenende seine Lieblingsgerichte ein.
  • Ich mache mich für ihn schön, einfach so.
  • Anstatt dem armen Kerl lauter Einkaufs- und To-Do-Listen per Mail zu schicken, schreibe ich ihm Liebesbotschaften und rufe ihn zwischendurch an, einfach um ihm zu sagen, dass ich ihn liebe und an ihn denke.




Die Liebe ist das einzige,
das wächst,
wenn wir es verschwenden.

Ricarda Huch



Mittwoch, 19. August 2015

Schweigen mit Jesus



Heute war Noemis dritter Kita-Tag und ich konnte mich bereits für eine knappe Dreiviertelstunde von ihr verabschieden! Der kleine Bruder schlief ein, sobald sein Körper den Kinderwagen berührte und so hatte ich plötzlich und unverhofft Zeit ganz für mich allein. Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet gewesen, hatte weder ein Buch noch was zum Schreiben eingepackt, und wusste erstmal nichts mit mir anzufangen. Schon verrückt eigentlich…
Ich lief also erstmal ein bisschen durch die Gegend und dachte, es wäre ja ganz gut, mal wieder ausgiebig zu beten. In den letzten Tagen war mein Kopf so voll, bis an den Rand vollgestopft mit Projekten und Ideen und Baustellen, die ich angehen wollte. Während ich so vor mich hinwuselte, dachte ich immer wieder: „Das muss ich alles mal mit Jesus besprechen!“ – aber nun kamen die Worte nicht. Große Leere in meinem Kopf, welch seltenes Phänomen.
Und irgendwie war das auch okay. Ich setzte kurz an, um für Jesus aufzuzählen, was mich gerade beschäftigt, was ich alles in Angriff nehmen will/muss, aber da kam nur eines, nämlich mein Essverhalten*.
Und dann nichts mehr, rein gar nichts.
Hm.
Vielleicht ist es genau das, worauf ich mich jetzt konzentrieren soll und darf..
Einen Schritt nach dem anderen zu machen, ist okay.

In der folgenden Dreiviertelstunde durfte ich mal einfach nur sein. Den Kinderwagen vor mir herschieben und meinen Sohn betrachten. Einen neuen Weg ausprobieren. Die Vögel zwitschern hören. In dieser Zeit wollte niemand etwas von mir. Nicht einmal Jesus. Es war fast als würde er sagen: „Ich weiß schon. Du musst jetzt gar nichts sagen. Auch ich werde schweigen und still neben dir herlaufen. Wenn das in Ordnung für dich ist.“ Und das war es.
Ich kaufte mir einen Kaffee und ein Schoko-Croissant, zur Feier des Tages, setzte mich auf eine Bank und gönnte mir den Moment. Mit einem selig schlummernden Samuel im Kinderwagen und Jesus, der neben mir saß und schwieg.
HERRlich.


* Auf meinem Lesen!-Regalbrett steht seit ein paar Wochen auch das Buch Essanfälle adé: Der autobiografische Ratgeber für ein suchtfreies Essverhalten von Olivia Wollinger. Ich habe schon darin geschmökert und mich in einigen Aspekten wiedergefunden – obwohl ich keine Essanfälle habe. Trotzdem neige ich zu einem problematischen Essverhalten mit Sucht-Tendenzen, und das möchte ich angehen.
Ich bin mir noch nicht sicher, inwieweit ich das auf meinem Blog teilen werde – aber so viel schon mal dazu.

Dienstag, 18. August 2015

Etwas endet, und ein Neues beginnt



Gestern war Noemis allererster Kita-Tag und ich war so aufgeregt (schon am Abend vorher), fast so, als wäre das mein erster Tag… naja, in gewisser Hinsicht stimmt das ja auch.
Auf den Kitabeginn meiner Tochter habe ich seit einiger Zeit hin gefiebert, weil es mit zwei so kleinen Zwergen zu Hause manchmal echt anstrengend ist. Ehrlich gesagt, erhoffe ich mir etwas mehr Zeit mit meinem Kleinen, für den Haushalt und für eigene Projekte (Noemi wird zwar nur vier bis fünf Stunden täglich in der Kita sein, aber man darf ja noch Träume haben…). Außerdem habe ich seit ein paar Monaten sehr stark den Eindruck, dass es ihr total gut tun würde, viel Zeit mit anderen Kindern zu verbringen und neue Spiel- und Lernmöglichkeiten zu erhalten, die ich ihr zu Hause nicht in der Form bieten kann.

Nun ist es also soweit. Doch anstatt „Hurra!“ zu schreien, möchte ich lieber ein bisschen weinen. Etwas in mir möchte mein Kind eigentlich gar nicht loslassen. Die Eingewöhnung im Kindergarten ist ein Meilenstein im Leben eines kleinen Menschen. Mit dessen Erreichung wird mir schlagartig bewusst, dass ein Lebensabschnitt nun unwiederbringlich endet und abgeschlossen wird: Die Zeit, die ich mit meiner Tochter zu Hause verbrachte, ist nun vorbei. Sie ist jetzt definitiv kein Baby mehr. Sie wird mit jedem Tag selbstständiger und unabhängiger von mir, sie wird immer mehr Schritte und Erfahrungen außerhalb meines Einflussbereichs machen. Wir als Eltern können immer weniger kontrollieren, welche Menschen und Dinge unserer Tochter begegnen und was mit ihr geschieht.
Dieser Gedanke macht mir Angst. Natürlich ist es toll, wenn sie groß wird, so muss es ja auch sein, und ich werde die sich mir neu eröffnenden Möglichkeiten und Freiheiten sicherlich genießen. Aber ich werde auch immer inniger, immer fester beten: „Oh, Herr Jesus, bitte beschütze mein Kind, an Leib und Seele!“ Wie gut, dass wir unsere Kinder dem Vater im Himmel anvertrauen können.

Dass Noemi jetzt ein Kita-Kind ist, lässt mich auch wehmütig, beinahe traurig werden. So schnell sind die ersten beiden Jahre mit ihr verflogen! Gefühlt war sie doch eben noch ein strampelndes, dünnes Ding, das meistens schrie oder schlief und das ich bei aller Bewunderung und Liebe nicht so recht verstand… und jetzt, urplötzlich, flitzt sie durch die Gegend und plappert und singt den ganzen Tag – und geht in die Kita! Mich rütteln diese Meilenstein-Ereignisse auf. Der gestrige Tag rief mir zu: „Genieß jede Minute mit deiner Tochter! Die Zeit, sie rennt so schnell, und bald ist sie schon ausgezogen!“
Ich darf nicht in Nostalgie verharren, nicht in der Reue über verpasste Chancen zu lang verweilen. Genauso fatal wäre es, mich gedanklich ständig mit der Zukunft und dem „Wenn erst…, dann…“ zu beschäftigen. Wer sagte es so treffend? „Die einzige Zeit, die uns zur Verfügung steht, ist die Gegenwart.“ Das ist richtig schwer für mich. Wie gut, dass ich in meiner Familie gleich zwei Vorbilder dafür habe: Meine Kinder sind immer vollkommen im Hier und Jetzt. Sie kosten jede Minute, jedes Gefühl, jede Tätigkeit vollständig aus. Sie leben mir vor, was Hingabe bedeutet. Denn für sie ist die Gegenwart absolut.

Es ist so gut, dass wir im Leben immer wieder diese Meilensteine haben, kleine Zäsuren im Alltag, die uns an das erinnern, was wirklich wichtig ist. Die uns, die wir gerade schon wieder klagen oder meckern oder uns beschweren wollten, den Mund zu halten und unseren Blick auf das Gute, Schöne, Wertvolle lenken. Denn DIES ist der Tag, den der Herr macht. DIES ist der Ort, an dem Er mich haben will. DIES sind die Kinder, die Er mir anvertraut. DIES ist das Leben, das mir bestimmt ist. Freu dich dran und sei fröhlich an IHM!

Die ersten beiden Kita-Tage waren übrigens richtig super. Meine Tochter rutschte bereits nach wenigen Minuten von meinen Schoß um die Spielsachen zu erkunden und Kontakt zu den anderen Kindern aufzunehmen. Sie verließ sogar kurz den Raum, ohne mich, um ihre Erzieherin in die Küche zu begleiten. Heute spielte sie schon für eine gewisse Zeit in einem anderen Raum, während ich nebenan mit Samuel saß und spielte. Als wir gingen, wollte sie am liebsten noch bleiben. Für morgen ist der erste Abschied für eine halbe Stunde geplant. Ich habe ein gutes Gefühl bei der Sache. Sie ist in der Kita gut aufgehoben und fühlt sich wohl. Meine Tochter geht von nun an ein kleines Stück ihres Lebenswegs ohne mich – das macht mich auch stolz. Und dankbar, und zuversichtlich, denn auf Schritt und Tritt geht der gute Vater mit!




Samstag, 15. August 2015

Blechhochzeit



[Greifswald, 11. August 2015]


Liebster Falko,

heilig’s Blechle! Jetzt sind wir schon 8 Jahre verheiratet! Somit feiern wir heute unsere Blechhochzeit (ich hab’s extra nachgeschaut).
„So ein Blech!“, das sagten wir früher, wenn ein Ding nichts taugte, wenn es uns billig und schlecht gemacht erschien, oder wenn etwas kaputt gegangen war, von dem wir uns eigentlich mehr versprochen hatten…
Blech – das ist ein dünn ausgewalztes Metall. Wenn es besonders dünn ausgerollt wird, bezeichnet man es als Folie. Beinah jedes Metall kann zu Blech gewalzt und dann weiterverarbeitet werden, zu Gegenständen aller Art.
Das klingt jetzt nicht gerade toll als Überschrift für einen Hochzeitstag. Den würde man sich ja eher romantisch vorstellen, vielleicht auch ein bisschen glamourös… Blech – das ist hart und kalt, praktisch, funktional, alltäglich.
Aber vielleicht passt dieses Material gerade aus diesem Gründen ganz gut zu unserer Ehe in ihrem aktuellen Stadium: Kleinkindphase. Unsere Tage bestehen nicht mehr aus Rosenduft und Sektprickeln, vielmehr aus vollen Windeleimern, Terminen und Kinderlachen. Und auch unsere Nächte gehören nicht mehr uns allein. Den Alltagstest hat unsere Liebe bestanden, die ersten Krisen haben wir überwunden. Wir sind nicht mehr so verliebt wie am ersten Tag – aber das heißt erstmal nichts Schlechtes!
Immerhin – und so sollten wir es auch sehen – besteht Blech aus Metall. Aus welchem, das entscheiden wir selbst. Blattgold ist im engeren Sinne auch Blech. Würde nur niemand so sagen.
Metalle sind generell langlebiger als organische Materialien. Unsere Liebe kommt nicht auf den Kompost! (Aber, um im Bild zu bleiben, wir müssen schon darauf achten, dass sie nicht Rost ansetzt…)
Bleche sind außerdem trotz einer gewissen Stabilität biegsam und flexibel. Sie können immer wieder neue Formen annehmen, sind zu Veränderung und Anpassung in der Lage. Das wünsche ich uns für unsere Ehe, dass wir nicht starr und unbeweglich werden und trotzdem beständig bleiben in unserer Liebe zu einander und den Menschen um uns herum.
Metalle glänzen – und auch unsere Ehe besitzt noch immer einen gewissen Glanz-Faktor. Acht Jahre und wir mögen uns immer noch – das ist doch was! Wie wir unsere Beziehung zueinander leben, hat immer auch eine Wirkung nach außen. Lass uns für andere in ihren Beziehungen und Ehen Inspiration und Ermutigung sein, ein positives Vorbild.
Aus Blech werden viele Gegenstände hergestellt, die der Aufbewahrung dienen, wie zum Beispiel Tee- oder Keksdosen. Auch unsere Ehe ist mit einem solchen Gefäß zu vergleichen – und ich wünsche mir, dass wir darin das aufbewahren, was gut und kostbar und erhaltenswert ist. Für uns selbst, für unsere Kinder und die, die nach uns kommen. Unsere Ehe soll ein Schutzraum sein für dich und mich, aber auch für alle, die sich an uns wenden und mit denen wir Leben teilen.
Wenn ich über Blech nachdenke, fallen mir (gleich nach dem Blechkuchen) auch die Blechblasinstrumente ein. Wir haben mit den Jahren gelernt, auf unserer Ehe „zu spielen“, harmonische Töne zu erzeugen und mit Missklängen umzugehen. Manchmal wird es laut und schräg und schier unerträglich, aber inzwischen wissen wir, welche Knöpfe wir drücken müssen, damit es wieder ruhiger und friedlicher wird. Das Schöne ist, dass unendlich viele Melodien möglich sind. Immer noch und immer mehr!

Danke für diese acht Ehejahre mit dir!
Auch heute würde ich wieder „Ja“ zu dir sagen, unerschrocken und ohne zu zögern.
Weil ich dich liebe.

Alles Gute zur Blattgold-Hochzeit! (So gefällt es mir doch besser...)
Deine Rebekka


Mein Hochzeitstag-Geschenk für meinen Mann: Selbstgebackene Plätzchen...


... in einer bedruckten Blechdose.

Samstag, 1. August 2015

Volle Pulle Leben




Stell dir vor, du drehst den Wasserhahn auf, um dir nach dem Aufstehen das Gesicht zu waschen – aber es kommt kein Tropfen.
Gestern ging es mir so. Allerdings war ich darauf vorbereitet, hatte schon Schüsseln, Töpfe, Kannen mit Wasser gefüllt. Im Haus fanden Sanierungsarbeiten statt, die es erforderlich machten, uns den Hahn für einige Stunden zuzudrehen. Schon bald lief es wieder, glitzernd, rauschend, im Überfluss, volle Pulle Leben eben.
Wenn es aber mal nicht so fließt, wird alles komplizierter. Die Waschmaschine blieb aus, ich habe nicht geputzt, den Abwasch in der Spüle stehen lassen. Der Haushalt lief auf Sparflamme, denn ich musste darauf achten, dass uns das Wasser nicht ausging.

An Tagen wie diesem bekomme ich einen winzigkleinen Einblick in den Alltag der Bevölkerungsmehrheit unseres Planeten.
Und ich erinnere mich an die Monate, die wir in Kenia praktisch ohne fließendes Wasser verbrachten. Das bedeutete Schlepperei und dass wir meistens das „Abenteuerklo“ außerhalb unseres Häuschens benutzen mussten, gemeinsam mit Leguanen und Geckos.
Und dennoch: Wir brauchten nicht das matschrote Wasser des Flusses kilometerweit auf unserem Rücken zu transportieren, wie es die Mädchen und Frauen des Dorfes Tag für Tag taten. Wir konnten jeden Tag duschen, da die Missionare neben uns große Wassertanks besaßen und funktionierende Leitungen. In unserer Küche stand ein Wasserfilter, der es uns ermöglichte, über sauberes Trinkwasser zu verfügen. Unser Alltag war viel einfacher als wir es uns hier in Deutschland vorstellen können, und doch lebten wir im Vergleich zur normalen Dorfbevölkerung im absoluten Luxus. Das war mir damals oft unangenehm, und das ist es heute noch.

Die Töpfe und Schüsseln voll Wasser und die leeren Wasserhähne erinnern mich daran, dass ich auch an den richtig miesen Tagen unendlich viele Gründe habe, dankbar zu sein.
Wenn dir überhaupt nichts einfällt, wofür du danken kannst, dann dreh den Wasserhahn auf und sag: Danke! Füll dein Glas bis an den Rand, trink es aus in einem Zug und sag: Danke! Füll das Glas noch einmal auf, stell es auf den Tisch, für später, und sag dann nochmal: Danke!

Unser Überfluss macht mich – wenn ich mir dessen endlich mal bewusst werde – auch demütig. Denn dass ich jetzt und hier und so lebe, ist nicht mein Verdienst. Es ist Gnade. Unverdiente, unerklärliche, bedingungslose Gnade.

Und Wut, die spüre ich auch.
All die Kinder, die krank werden von schmutzigem Wasser.
All die Frauen, die sich kaputt schleppen.
All die Menschen, die verhungern und verdursten.
Das darf nicht sein!
Hilflosigkeit im Angesicht der Not, dieser zum Himmel schreienden, unbegreiflichen Not.
Es ist die Not, die heute wieder hunderte Schutzsuchende in unser Land treibt.
In ein Land, wo man, wenn man Durst hat, nur den Wasserhahn aufdrehen muss.
In ein Land, wo uns das Danke viel zu selten über die Lippen kommt, leider.
Ich spüre Verantwortung,
denn die haben wir auch.
Von dem, der viel hat, wird umso mehr gefordert werden.
Das ist auch richtig so.
Ich möchte etwas tun, und das werde ich auch.

Während ich mir Wasser aus einer Schüssel schöpfe, um mir die Hände zu waschen, wird Jesus als das lebendige Wasser mir im Herzen groß. Ohne Wasser ist kein Leben möglich. Dort, wo es nur wenig Wasser gibt, können Pflanzen, Tiere und Menschen kaum gedeihen.  Ein kräftiger Regenschauer genügt, und die Wüste erblüht.

Was mir an Jesus so gut gefällt ist seine Großzügigkeit. Dass er sich selbst verschwendet. Dass er eine sprudelnde Quelle ist, die sich niemals erschöpft, die immer nur mehr und mehr hervorbringt für uns. Bei ihm dürfen wir trinken, so viel wir wollen. Er macht uns den Becher nicht halbvoll (oder gar halbleer!), er füllt ihn uns randvoll und bringt ihn zum Überlaufen. Bei ihm ist nicht knappes Überleben und ein bisschen spaßiges Erleben – bei ihm finden wir das Leben in Fülle!
Ich glaube, er gibt uns deshalb so viel mehr als wir brauchen, weil er möchte, dass wir von seiner Fülle weitergeben. Er ist großzügig, damit wir es auch sein können. So wie Jesus sich selbst verschwendet, können auch wir ihn „verschwenden“, ihn reichlich teilen mit den Menschen um uns herum. Weil er so unendlich groß ist. Weil er genügt. Sein Wasser reicht für uns alle und noch viel weiter.

 Jesus rief:
"Wer Durst hat, soll zu mir kommen und trinken! 
Wenn jemand an mich glaubt, werden aus seinem Inneren
Ströme von lebendigem Wasser fließen,
wie es in der Schrift heißt."
Johannes 7, 37+38