Dienstag, 18. August 2015

Etwas endet, und ein Neues beginnt



Gestern war Noemis allererster Kita-Tag und ich war so aufgeregt (schon am Abend vorher), fast so, als wäre das mein erster Tag… naja, in gewisser Hinsicht stimmt das ja auch.
Auf den Kitabeginn meiner Tochter habe ich seit einiger Zeit hin gefiebert, weil es mit zwei so kleinen Zwergen zu Hause manchmal echt anstrengend ist. Ehrlich gesagt, erhoffe ich mir etwas mehr Zeit mit meinem Kleinen, für den Haushalt und für eigene Projekte (Noemi wird zwar nur vier bis fünf Stunden täglich in der Kita sein, aber man darf ja noch Träume haben…). Außerdem habe ich seit ein paar Monaten sehr stark den Eindruck, dass es ihr total gut tun würde, viel Zeit mit anderen Kindern zu verbringen und neue Spiel- und Lernmöglichkeiten zu erhalten, die ich ihr zu Hause nicht in der Form bieten kann.

Nun ist es also soweit. Doch anstatt „Hurra!“ zu schreien, möchte ich lieber ein bisschen weinen. Etwas in mir möchte mein Kind eigentlich gar nicht loslassen. Die Eingewöhnung im Kindergarten ist ein Meilenstein im Leben eines kleinen Menschen. Mit dessen Erreichung wird mir schlagartig bewusst, dass ein Lebensabschnitt nun unwiederbringlich endet und abgeschlossen wird: Die Zeit, die ich mit meiner Tochter zu Hause verbrachte, ist nun vorbei. Sie ist jetzt definitiv kein Baby mehr. Sie wird mit jedem Tag selbstständiger und unabhängiger von mir, sie wird immer mehr Schritte und Erfahrungen außerhalb meines Einflussbereichs machen. Wir als Eltern können immer weniger kontrollieren, welche Menschen und Dinge unserer Tochter begegnen und was mit ihr geschieht.
Dieser Gedanke macht mir Angst. Natürlich ist es toll, wenn sie groß wird, so muss es ja auch sein, und ich werde die sich mir neu eröffnenden Möglichkeiten und Freiheiten sicherlich genießen. Aber ich werde auch immer inniger, immer fester beten: „Oh, Herr Jesus, bitte beschütze mein Kind, an Leib und Seele!“ Wie gut, dass wir unsere Kinder dem Vater im Himmel anvertrauen können.

Dass Noemi jetzt ein Kita-Kind ist, lässt mich auch wehmütig, beinahe traurig werden. So schnell sind die ersten beiden Jahre mit ihr verflogen! Gefühlt war sie doch eben noch ein strampelndes, dünnes Ding, das meistens schrie oder schlief und das ich bei aller Bewunderung und Liebe nicht so recht verstand… und jetzt, urplötzlich, flitzt sie durch die Gegend und plappert und singt den ganzen Tag – und geht in die Kita! Mich rütteln diese Meilenstein-Ereignisse auf. Der gestrige Tag rief mir zu: „Genieß jede Minute mit deiner Tochter! Die Zeit, sie rennt so schnell, und bald ist sie schon ausgezogen!“
Ich darf nicht in Nostalgie verharren, nicht in der Reue über verpasste Chancen zu lang verweilen. Genauso fatal wäre es, mich gedanklich ständig mit der Zukunft und dem „Wenn erst…, dann…“ zu beschäftigen. Wer sagte es so treffend? „Die einzige Zeit, die uns zur Verfügung steht, ist die Gegenwart.“ Das ist richtig schwer für mich. Wie gut, dass ich in meiner Familie gleich zwei Vorbilder dafür habe: Meine Kinder sind immer vollkommen im Hier und Jetzt. Sie kosten jede Minute, jedes Gefühl, jede Tätigkeit vollständig aus. Sie leben mir vor, was Hingabe bedeutet. Denn für sie ist die Gegenwart absolut.

Es ist so gut, dass wir im Leben immer wieder diese Meilensteine haben, kleine Zäsuren im Alltag, die uns an das erinnern, was wirklich wichtig ist. Die uns, die wir gerade schon wieder klagen oder meckern oder uns beschweren wollten, den Mund zu halten und unseren Blick auf das Gute, Schöne, Wertvolle lenken. Denn DIES ist der Tag, den der Herr macht. DIES ist der Ort, an dem Er mich haben will. DIES sind die Kinder, die Er mir anvertraut. DIES ist das Leben, das mir bestimmt ist. Freu dich dran und sei fröhlich an IHM!

Die ersten beiden Kita-Tage waren übrigens richtig super. Meine Tochter rutschte bereits nach wenigen Minuten von meinen Schoß um die Spielsachen zu erkunden und Kontakt zu den anderen Kindern aufzunehmen. Sie verließ sogar kurz den Raum, ohne mich, um ihre Erzieherin in die Küche zu begleiten. Heute spielte sie schon für eine gewisse Zeit in einem anderen Raum, während ich nebenan mit Samuel saß und spielte. Als wir gingen, wollte sie am liebsten noch bleiben. Für morgen ist der erste Abschied für eine halbe Stunde geplant. Ich habe ein gutes Gefühl bei der Sache. Sie ist in der Kita gut aufgehoben und fühlt sich wohl. Meine Tochter geht von nun an ein kleines Stück ihres Lebenswegs ohne mich – das macht mich auch stolz. Und dankbar, und zuversichtlich, denn auf Schritt und Tritt geht der gute Vater mit!




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