Donnerstag, 24. Mai 2018

Das laute Schweigen Gottes


In letzter Zeit frage ich mich immer wieder, warum Gott mir nicht antwortet, warum er nichts tut. Manchmal scheint er mir so weit weg, er scheint mich nicht zu hören. Interessiert er sich überhaupt für mich? Gibt es diesen ominösen Plan, den Gott (angeblich) für mein Leben hat?

Und: Ich habe ein Problem mit Prokrastination. Ich schiebe alle möglichen Dinge vor mir her. Nicht nur den Anruf beim HNO-Arzt oder das Fensterputzen, sondern vor allem die Eröffnung meines Shops. Ja, es gibt immer alle möglichen anderen Dinge zu tun, wir waren verreist und die Kinder sind immer mal krank oder ich bin mit einer Freundin zum Frühstück verabredet, aber im Grunde ist mir klar, dass das alles nur vorgeschoben ist. Faule Ausreden.
An sich bin ich bereit: Ich habe viel vorgearbeitet, habe recherchiert, mich informiert - ich muss die ganze Sache "nur noch" offiziell machen, ein Gewerbe anmelden und den Shop eröffnen.
Klingt einfach, aber ich kriege es nicht hin. Ich schiebe es vor mir her, Tag für Tag.

Langsam dämmert mir der Zusammenhang zwischen Gottes Schweigen und meiner Prokrastination. Ich glaube, er schweigt gar nicht.
Er wartet darauf, dass ich endlich den Schritt wage.
Ich brauche gar keine Antworten von Gott, gar keine Richtungsweisung oder einen Masterplan.
Eigentlich weiß ich, was zu tun ist, was er von mir will.
Er hat es mir gesagt: "Mach doch, worauf wartest du!"

Aber ich warte immer noch, harre aus und bete: "Gott, bitte tu was! Lass irgendwas passieren!"
Am liebsten will ich ja immer noch einfach schwanger werden. Das mit dem Shop ist doch irgendwie mein Plan B. Ich wollte das alles nicht so, nicht jetzt...
Und doch...
es ist, wie es ist.
Scheinbar ist ein anderer Schritt dran, dieser Schritt, vor dem ich mich scheue.

Ich will, dass GOTT etwas tut, dass durch ein Wunder plötzlich der ideale Job vom Himmel fällt, dass mein Shop sich von selber anmeldet, dass ich über Nacht und ganz ohne mein Zutun super erfolgreich werde...

Komisch - eigentlich bin ich doch ein Kontroll-Freak. Dachte ich.
Aber was die Kontrolle über mein ganzes Leben angeht... die würde ich dann doch lieber abgeben.
Mach du, bitte, Gott!
Ich trau mich nicht.
Ich habe Angst, Fehler zu machen.
Habe Angst, zu versagen.
Dass das alles eine Schnapsidee ist, ein Desaster wird, meine Träume zerschmettert.
Mach du, bitte, Gott, ich kann das nicht allein.

Das ist es, was hinter meiner Prokrastination steckt.
Und hinter Gottes Schweigen.

Ich weiß, Gott könnte das alles für mich machen.
Mit dem Finger schnippen und - zack - fertig.
Das wäre so schön. So schön einfach.
Und manchmal passiert es auch, genau so.

Aber nicht hier und jetzt, nicht für mich. So funktioniert das nicht. 
Gott ist mein Vater, und ich habe den Eindruck, dass er mich gerade ein bisschen zur Selbstständigkeit erziehen will. Er hat mich ausgerüstet mit so vielen Dingen - eigentlich habe ich alles, was ich brauche, um loszulegen.

Ich darf mutig sein und anpacken und Verantwortung für mein Leben übernehmen.
Weil ich ja weiß, dass er bei mir ist!
Ich kann mich aufs Seil wagen, weil ich niemals tiefer fallen kann als in seine Hand.

Ein stehendes Auto kann man nicht steuern, sagt man.
Solange ich mich nicht bewege, kann Gott mich auch nicht führen.

Gott ist nicht Gott, um mir das Leben möglichst bequem und angenehm zu gestalten, um mir alle nervigen Tätigkeiten abzunehmen. Das kann ich schön selbst machen! Aber immer gern mit ihm zusammen.


Ja, es kommt vor, dass Gott schweigt.
Aber  manchmal wartet er einfach nur darauf, dass wir das umsetzen, was er uns schon längst gesagt hat...











Kommentare:

  1. Oh, liebe Rebekka. Ich kanns so gut nachfühlen! Ich bin auch so und fühl mich schon immer 10cm gewachsen, wenn ich mich mal einen halben mm aus meiner Komfortzone herausbewegt habe und aktiv geworden bin. Kennst du Johanna von https://www.pink-e-pank.de/? (Sie macht auch das mit den 1000 Fragen...) Sie hatte auch vor einiger Zeit einen Shop (online + vor Ort) eröffnet und hat es dann wieder aufgegeben - ich fand aber so toll und positiv, wie sie daraus hervorgegangen ist und wie sie damit umgegangen ist... Eigentlich will ich dir sagen, dass ich denke, dass du wahrscheinlich nicht viel verlieren kannst, selbst wenn du scheiterst. Ich möcht dir so gern Mut machen und wünsch dir ein übernatürlich kindliches Vertrauen. :) Sei gesegnet! Und sei dir bewusst, dass deine Kunst anderen viel Segen bringt...

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    1. Danke dir, liebe Friederike, für deine lieben Worte! Danke für die Ermutigung. Ich weiß auch nicht genau, was mir fehlt - vielleicht ein kleiner Stups, vielleicht aber auch ein Tritt in den Allerwertesten...
      Schön, dass du da bist! :)

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  2. Liebe Reh! Ich dachte stellenweise, du schreibst von mir :). Dein letzter Absatz ist absolut der Schlüsselgedanke! So wahr! Das hab ich auch schon so erlebt. Danke für deinen hilfreichen Text. Liebe Grüße, Jojo

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    1. Danke, liebe Jojo, für deinen Kommentar. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sehr wir Menschen uns oft ähneln. Anstatt uns allein mit unseren Lastern und Schwierigkeiten herumzuschlagen, sollten wir lieber den Weg miteinander gehen. Danke, dass du hier bist! ganz lieben Gruß zurück!

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  3. Liebe Rebekka,
    Ich wünsche dir ganz viel Mut einen Schritt, einen verbindlichen Schritt zu gehen. Du bist gut genug. Tu das was du gut kannst und es wird etwas Gutes dabei herauskommen.
    Ich habe mich damals, mit 29 Jahren, auch mal aufgemacht und Neues gewagt. Von Norddeutschland zwei Jahre nach Berlin, Ausbildung zur Diakonin, vom Leben in vermeintlicher Sicherheit im Beruf hin in eine Zeit der Geldarmut und Unsicherheit. Aber so reich beschenkt, weil ich es als Ruf Gottes empfand und gesegnet wurde. Und es war sehr gut. Ich habe danach nur zwei Jahre hauptamtlich gearbeitet und könnte denken es war doch umsonst, aber dem ist nicht so. Es war ein Segen diesen Schritt gegangen zu sein...ich wäre nicht die, die ich heute bin. Ich möchte dich ermutigen auf Gottes Wort zu hören...ich werde bestimmt wie viele andere auch Kundin. ;-)

    Segensgrüße, Maike

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    1. Liebe, liebe Maike, danke für deine ermutigenden Worte! Danke für das Teilen deiner eigenen Geschichte und für deine guten Wünsche. Es bedeutet mir viel, dass so viele mich unterstützen und an mich glauben! Danke!
      Sei gesegnet!

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  4. vielen herzlichen Dank für diesen treffenden Blogpost und diesen interessanten Zusammenhang! Als Mensch, der immer wieder wichtige Aufgaben vor sich herschiebt, kann ich deine Gedanken sehr gut nachvollziehen!

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